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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-07-11 · Heft 28 (11.7.1840) · p. Seite 407

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 28 (11.7.1840)
Date
1840-07-11
Page
Seite 407 (sequence 11)
Language
German
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407 den und von der Anhänglichkeit, die unter ihnen statt fand, da sie ihr Asyl willig ihren flüchtigen Brüdern öffneten. Daß sie aber, kaum unsäglicher Noth entflohen, kaum daß-sie ihre geachteten Häupter unter lein Obdach Meder legen konnten, auf Kindermord, der überall zur Entschuldigung schrecklichster Verfolgung und Vertreibung gedient hatte, sinnen sollten — es ist zu' dumm, als daß es Menschenmöglich wäre, und wenn sie Teufel selbsten wären; Im folgenden Jahre schon wurden zwei Juden des Kirchenraubs, und im .folgenden andere zehn des Priestermordes beschuldigt, die Wahrheit wurde mit der Folter erwiesen, und die Strafe auf dem Rade und Scheiterhaufen vollzogen. Aus dem Jahre 1124 unter Herzog Wladislaus I. erzählt Hagek die Geschichte eines reichen,^ angesehnen Juden, der, um beim Herzoge zu steigen, sich taufen ließ. Bald aber, besonders vom Neide der Hofbedienten verfolgt, bereuete er diesen Schritt, und soll heimlich in seiner Kapelle die Symbole des Christenthums zerbrochen haben. Man zeigte dies dem Herzoge an, der ihn in das GefärHniß werfen, alle seine Habe consisciren ließ, ihn aber auf Verwenden seiner früheren Glaubensgenossen, der Juden, ^die eine Summe von 3000 Mark Silbers und IW M. Goldes zusammenfchossen und dem Herzoge übergaben, nur des Landes verwies. (Fortsetzung folgt.) Corresporrdenjeu. Ueber Provinzialzufiände in Deutschland. (Fortsetzung und Schluß aus No. 20.) 3um Sprengel des Bonner Consistorial-Rabbinen gehören auf dem rechten Rheinuser noch die Gemeinden der Städte Mülheim, Deutz, Königswinter, Neuwied, auf dem linken Köln, Bonn, Koblenz und Kreutznach. Es ist wenig darüber zu sagen und die allgemeine Zeitung des Judenthums hat kürzlich et- Artikel in betreff einiger derselben geliefert. Kobhat für einige Feiertage Choralgesange in der Syuagoge, doch vermeint man, hiermit Alles gethan zu baden. In den übrigen Städten findet man die Keime $u einem dereinstigen Fortschritte, doch noch nicht das erste Sprossen desselben. So viel mir bekannt ist, werden in diesen Städten, so wie in Kreuznach, das einen eigenen Rabbinen hat, keine deutsche gottesdienstlichen Borträge gehalten. Bei Betrachtung dieses Zustandes drängt sich dem Beobachter unwillkürlich der Gedanke auf, an wen das königl. Ministerium sich wenden sollte, im Falle man bei einzuführenden Verbesserungen der bürgerlichen Verhältnisse der Juden über einzelne jüdische Dogmen ungewiß wäre, und wie hemmend die Auskunft Einzelner vielleicht ausfallen könnte. Die neuesten Verhandlungen der sächsischen Kammern haben bewiesen, welchen Einfluß ein tüchtiger Rabbine noch immer üben kann. ' Wohlthuend dagegen ist ein Blick auf das nachbarliche Rhein-Hessen, und vor allen andern Städten zeichnet sich Bingen aus. Es darf freilich nicht verkannt werden, daß die Regierung hier jeder innecn Verbesserung der jüdischen Verhältnisse helfend entgegentcitt, allein dies schmälert nicht das Verdienst der edlen Männer um die Wiedergeburt des versunkenen Glaubens und des zerrissenen religiösen Verbandes. An der Spitze jener Ehrenmänner stehen die Herrn Sigismund Friedbörig und Simon Schatz. Ersterer darf als die Seele des Ganzen betrachtet werden. Es ist fast rührend, wie iw Mann, den die härtesten Schläge des Schicksals in Mm Verluste seiner Gattin und Söhne getroffen, alle Mine Sorgfalt und Mühe nun auf die Bedürfnisse der Gemeinde übertrug, und wie er harrend und hoffend, schaffend und wirkend, rastlos das Ziel der Erhebung der Juden verfolgte. Solche Charaktere sind selten, und eS ist wohlthuend, bei ihnen langer zu verweilen. Gleich nach Verleihung einer neuen jüdischen Gemeinde-Ordnung von Seiten der Großherzogl. Hessischen Regierung wurden die Herrn S. Friedböng und S. Schatz mit noch drei andern Collegen zu Vorstehern der Gemeinde. Bingen gewählt, und voll dieser Zeit an, wiewot sie schon früher durch Gutachten über die Verbesserung jüdischer Zustande segensreich gewirkt hatten, datirt sich der Beginn aller der erfreulichen Verhältnisse, workn jene Gemeinde lebt. Eine neue Begräbnißordnung, um dieser Handlung den so nöthigen, oft fehlenden Ernst und die gehörige Feierlichkeit zu crtheilen, erhielt die Bestätigung und Garantie der Regierung, und war die erste Frucht ihres Wirkens. Die thatige Humanität des Kreisraths und ständischen Abgeordneten Herrn Wkeger, so wie oie Bereitwilligkeit, mit der er diesen und allen folgenden Verbesserungen entgegen kam, sie beförderte und kräftig unterstützte, verdient hier ehrenvolle Erwähnung und von Seiten der Juden Bingens dankbare Anerkennung. Weitere Bemühungen hatten den Erfolg, daß ein neuer Leichenwagen angeschafft wurde, wozu aus städtischen Fonds 200 Gulden beigetragen wurden. Die Juden erhalten ihren Antheil an den städtischen Waldungen. Das Finanzsystem der jüdischen Gemeinde wurde geordnet, so daß die Beiträge jetzt, wie die christliche Kirchensteuer, durch die Großherzogll Steuer-

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