Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-07-11 · Heft 28 (11.7.1840) · p. Seite 406

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 28 (11.7.1840)
Date
1840-07-11
Page
Seite 406 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225119-3225148--02841-3312345
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

sterung treiben wollten. Daneben erboten sie sich jährlichen in die fürstlichen Kammer 208 Mark gute gemeine Münze und alle andere Steuer und Gaben gedoppelt so viel als die Christen zu geben mit diesem überflüssigen Gedinge dafern sie sich in dem Geringsten nicht nach der Gebühr verhalten, so sollle man sie nicht allein aus dieser Stadt, sondern auch aus dem ganzen Lande verjagen und alle ihre Güter nehmen. Der Herzog bewog neben dem Bischof ihre Bitt und rechtmäßiges Erbieten, und erlaubte ihnen, daß sie aufm Augezd zwölf (!) kleine Hauser und nicht mehr kaufen und dieselben bewohnen sollten." „Die Juden säumten sich nicht, kauften dieselbe Hauser und baueten sie in die Erden und über sich ziemlich hoch und wurzelten darinnen dermassen ein, daß ihrer innerhalb dreier Monaten 700 und etliche darüber befunden worden. Da der Herzog vernahm, daß ihrer also viele darinnen waren, gebot er ihnen, daß sie keinen Juden mehr annehmen sollten. Aber sie hielten das Verbot!) nicht, sondern nahmen ihrer je langer je mehr an, doch in Geheim. Sommerszeit aber betrachtete der Herzog, daß ihrer nicht weniger wurden, sondern vielmehr zunahm, wollte derowegen die kleinere Stadt Prag ferner mit ihnen nicht beschweren, und befahl, daß sich ihrer der halbe Theil in die größere Stadl in die Gassen wo zu vorhin auch Juden gewöhnet begeben und den Christen nicht mehr als 12 Hauser um baare Bezahlung abkaufen sollten. Und es geschah also, daß sie ihnen Hauser gekauft und zogen den 14. July aus der kleinern in großen: Stadt Prag. Und bei dieser Fortziehung begab sichs, daß sie einem Bürger mit Namen Blahaut ein Kind, so ein schönes Knäblein von 3 Jahren gewesen, gestohlen hatten. Seine Eltern suchten das Kind mit allem Fleiße, kunntens aber nirgends erkundigen. Endlich, vermeldete ein Fischer, daß er neben andern jüdische Kinder eine» Knaben welcher solche rc. rc. Kleidung hatte übergesührt, welcher kein jüdisches Zeichen nämlich ein Ringel (?) wie die Jüden sonst zu tragen pflegten, nicht gehabt. Als dieser Handel für den Herzogen Wratisl. kam, befahl er, daß man ihre Hauser mit allem Fleiß nachsuchen sollte, welches geschehen und daS Kind wurde lebendig funden bei einen Juden mit Namen Reimann, diesen ließ der Herzog in ein schweres Gefängnüs legen ihm alle Marter antbun und fragen, warum er diesen Knaben stehlen dürfen, wohin er denselben schaffen und was ferner mit ihm hatte sollen fürgenommen werden. Er bekannte in- und außerhalb der Marter,, daß er das Kind zu kleinen Stücken zerschneiden, das Blut auffangen und es seinem Freunde heimlicher Weise gen Trier schicken sollen. Der Herzog befahl' alsbald, daß man ihn in einen leinwanten Sack stecken und in die Muldau werfen sollte, wie dann geschehen. Und sind auf den Morgen andere fünf Juden so darum Wissenschaft gehobt, neben ihm ersaufet worden." ,, Anno 1076 unter demselben: Die Juden sind von wegen ihrer Büberei fast aus allen Landen vertrieben worden. Derowegen ihrer bei nächtlicher Weile in die größere und kleinere Stadt Prag in die 709 eingeschlichen waren, und hielten sich bei den einheimischen Juden verborgen, aus Ursachen, daß der Herzog kurz zuvor ernstlich verboten keine fremde Juden zu sich einzunehmen, sondern ob einer oder ihrer mehr vom Fremdes herkämen, allda nicht länger als einen Tag verwarten sollten, um dieser Ursache willen daß von wegen des verschienenen Jahres große Dürre ein Mangel des Getreides vorfiel und die Christen das Brod theuer kaufen mußten. Als aber die Prager spüreten, daß die Juden vielmehr Brods dann zuvor einkaufeten, klagten sie es dem Herzogen mit Vermeidung, daß die Juden so in andern Landen vertrieben sich allda aufhielten ässen tränken und also große Theuerung anrichten und wären den Pragern zu ihrer Nahrung nichts nützlich. Der Herzog sandte aufm Morgen alsbald seine Amtleute und befahl alle Juden in beyden Städten Prag zu zählen wie dann geschähe. Da wurden außerhalb der zweyjahrigen Kinder und drunter Juden, so alle Brod essen mußten, befunden und gezählet ö240. Als solches dem Herzogen vermeldet ward, verwunderte er sich darüber, um wie viel Geldes werth dieses jüdische Volk alleine täglich Brod haben müsse, und gebot, daß sie sich bis auf ein Tausend aus dem Lande machen sollten, und wollte ihrer auch nicht mehr denn Lausend leiden, sintemal das Böhmerland mit dieser Anzahl genug zu schaffen, daß sie mit Brod unterhalten würden. Und diesem ihrer mehr als tausend befunden, so wollte er sie alle vertreiben lassen, und forthin nicht einen im Lande dulden. Die Juden hörten es ungerne, dennoch mußten sie sich also verhalten." Der letzte Bericht zeugt von dem Elende der Ju-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.