Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1840)
- Date
- 1840-07-11
- Page
- Seite 403 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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403 Breslau, 20. Juni. (Eingesandt.) Die Redaktion wird dringend ersucht, folgender Rüge ein Plätzchen zu gönnen: „Die Predigten des Herrn Dr. Geiger führen oft eine solche Anzahl von Zuhörern herbei, daß der löbliche Synagogen - Vorstand, zur Herstellung der erforderlichen Ruhe und Ordnung wahrend derselben, eigends dazu besoldete Kirchenbedienten anzustellen für nöthig fand. Der Erfolg dieses schönen Zweckes stellt sich aber insofern ungünstig heraus, als die Beamteten genug zu thun glauben, wenn sie sich ihre dreieckigen Hüte aufsetzen, und sich phlegmatisch voran hinstellen, um an den geistigen Genüssen wo möglich eben ihre Antheile zu haben, während deß suchen sich aber die in den hintersten Räumen des Lerzels ohne Aufsicht Befindenden einen Weg nach vorn durch ewiges Hervordrängen zu bahnen, was allerdings ohne einiges Geräusch und mithin ohne Störung, sowol für den Redner als.Zuhörer, nicht ablaufen kann. Die quäst. Aufseher würden demnach, durch bessere, tüchtigere Verwaltung ihrer Posten sich den Dank und die Anerkennung Vieler erwerben. Ll. 8. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 28. Zum. Angekommen: Auswahl historischer Stücke aus hebräischen Schriftstellern vom zweiten Jahrhundert bis auf die Gegenwart. Berlin, 1840. — So reckt einen bestimmten Charakter hat diese Sammlung allerdings nicht. Eine Auswahl historischer Stücke soll sie sein, aber die Midraschim über Zoseph's Gebeine, über Moses und Aron vor Pharao rc. können nicht historisch genannt werden, auch bewegen sich die meisten Stücke in dem engsten Kreise, in der Biographie und Selbstbiographie, die auf den Titel historisch keinen Anspruch machen können. Literar-historisch ist diese Sammlung auch nicht, da viele Piecen sich außerhalb der Literargsschichte halten, wie Fiesko's Verschwörung, die Femgerichte, der Aufstand der Kofacken rc. Man könnte sie also füglich nur als eine Zusammenstellung von Proben (nicht historischen, sondern) des erzählenden Sryls in neuhebraischer Sprache bezeichnen. Dies ist wot auch die eigentliche Absicht des Vers, gewesen, da eine ähnliche Zusammenstellung von poetischen und philosophischen Stücken verspricht, wobei denn auch die Proben aus der hatachischen- Literatur, der stärksten Partie unsrer Literatur, nicht zu vergessen waren. Eine eidliche Anthologie haben wir daher nicht vor uns, und der Gedanke, der dieser Sammlung zu Grunde liegt, ist etwas beschrankt. So wie im Allgemeinen jetzt das literar-historische Interesse für unsre Literatur vorherrscht, weniger das tiefer liegende national- und religiös-historische Moment — und daran haben wir abermals ein vollstandkges Extrem gegen die frühere völlige Geschichtslosigkeit der jüdischen Gelehrten, die bei der tiefsten Kenntniß der Schriftwerke meist nicht einmal die Lebenszeit ihrer Autoren kannten — so ist dies auch der Gesichtspunkt dieser Sammlung: eben nur Stylproben zu geben. Wie dem auch sei, so soll dies durchaus nicht dieser Schrift ein herzliches Willkommen und den Wunsch der Fortsetzung nehmen. Für die Nichtkenner unsrer Literatur wird es angenehm sein, daraus zu entnehmen, zuerst daß dieselbe sich auch außerhalb des nationalen Interesses bewegte, dann wie weit und tief und in's Detail dieselbe ging. Der Schüler wird, bei der jetzigen Schwierigkeit des Erlernens und Fortschreitens in einer, Jahrhunderte hindurch nur auf einer traditionellen Lehrmethode beruhenden Literatur, auch durch diese Sammlung sehr gefördert werden, da die Vokalisation des Textes und die gegenüberstehende Übersetzung ihm Erleichterungen verschafft. Die hinzugefügten, sachlichen Bemerkungen geben manchen Fingerzeig, auch für den Gelehrten, obgleich sprachliche Bemerkungen für den Schüler hier und da sehr nützlich gewesen wären, insonders da, wo der Styl schlechter und weniger zu empfehlen ist. Die Uebersetzung ist sehr lobenswecth, nicht zu weitschweifig, und nicht dunkel kurz, dem Texte sich angemessen anschmiegend. Ueber Einzelnes zu rechten ist hier nicht der Ort. Geschichte. Aus der älter» Geschichte der Jude» in Böhmen. Bon Selwe. Die Geschichte der Juden im Mittelalter ist nur eine lange Leidensgeschichte, ein unaufhörliches Wandeln auf Schmerzenswcgen, mit mehr als einer Dornenkrone auf dem Haupte. Sie bietet, außer dem Schmerze, nur immer eine Seite dar, das tiefste Bewundern, wie haben dies diese Menschen aushalten können! Welch' ein Martyrervolk! Welch' eine Versammlung von solchen, die ein andrer Glaube unter die Heiligen versetzt hatte! Denn mit der Trennung von ihrer Religion war überall die Trennung von ihren Qualen gegeben, wenigstens ganz und gar für ihre Nachkommen.