Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1840)
- Date
- 1840-07-11
- Page
- Seite 402 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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402 behext hatte. Die fürchterliche Geschichte drang wie Lin Lauffeuer in das Dorf und man kreuzigte und segnete sich. Ein vernünftiger Landmann suchte den Eltern diese Dummheiten auszureden und rieth ihnen, ohne Verzug einen Arzt aus der Stadt kommen zu laffen. Diese aber, welche glaubten, ihre Tochter sei entweder behext oder habe sonst etwas Schädliches von der Israelitin erhalten, waren nur mit Mühe zu diesem Schritte zu bereden. Der Arzt kam, untersuchte das Kind und fand — daß es den St. Veitstanz hatte. Das Räthsel war nun zwar gelöst, aber das Vorurtheil der Menge gegen die unschuldige Judenfrau dauerte noch fort. 0 sancta simplicitas." Frankfurt am Main, 23. Juni. (Magdeb. Zeit.) Vorgestern gab ein großer Theil der hiesigen Judenschaft, besonders des gebildeten und gelehrten Lheils derselben, dem nach Hamburg zurückkehrenden vr. Gabriel Rieß er ein großes Abschiedsmahl, bei welchem auch Deputationen von Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg erschienen waren. Rießer folgt einem Rufe als Notar in seine Vaterstadt.") —. Im Franks. Journ. vom 16. Juni finden wir folgenden Aufruf: „An die Wähler der israelitischen Gemeinde. Heute und morgen finden die Wahlen zur Ergänzung des Gemeindeausschusses statt. Möge der Geist, der in der vorigen Wahl alle gebildetern Gemeindeglieder beseelt, sie auch bei der jetzigen leiten. Dann wird die Wahl nur auf solche Männer fallen, die, wenn die Zeit reif ist, zur Herbeiführung wahrhafter Verbesserungen, wie sie die Zeit und das Leben fordern, die Hand bieten, nicht aber durch Einführung einiger scheinbaren, unwesentlichen Verbesserungen die wesentlichen Mangel und Gebrechen überdecken, ja dieselben nur von Neuem heiligen und befestigen." Preußen« Magdeburg, 28. Juni. Die Damasker Vorgänge sind wie ein Stein, der, in ein ruhiges Gewässer geworfen, Wasserringel in immer weiteren Kreisen hervorbringt, die zuletzt auch das friedlichste *) Wie wir No. 25. berichtet, ist in Hamburg von Senat und Bürgerschaft gestattet worben, daß ein ober zwei Notare mosaischen Glaubens gewählt werden können. Redakt. Ufer berühren. Darum hüte sich Jeder, den Dämon des Vorurtheils und Wahnes von Neuem hervorzurufen, denn die Folgen sind oft unberechenbar, und wirken bis in Gegenden nach, wohin dergleichen nimmer vermuthet worden. Es ist dies aber auch die Nachtseite der Tagespreffe, die mit Begierde jeden Gegenstand, und oft auf unlautere Weise, ergreift, der dem Publikum ein Interesse abzugewinnen scheint. So schleudert sie Dinge in die Kreise des Lölkes, die daselbst nur traurige, unmoralische wie irreligiöse Wilkungen haben müssen. Die Preuß. Staatsz. berichtet unter dem 18. Juni aus Bromberg: „In Schwetz hätte fast die durch die Zeitungen bekannte Ermordung des Paters Thomas in Damaskus zu einem Ercesse Veranlassung gegeben. Ein bei einem Juden dienender christlicher Knecht hatte heimlich den Dienst verlassen; ohne daß der Dienstherr sich weiter um seine Wiederergreifung kümmerte. Plötzlich verbreitete sich das Gerücht, die Juden hätten diesen Knecht ermordet, um sein Blut bei der Anfertigung des ungesäuerten Osterbrodes zu benutzen.' Die durch geistige Getränke aufgeregte Menge wurde nicht früher beruhigt, als bis der Magistrat jenen Knecht, der sich im Kulmischen aufhielt, nach Schwetz bringen ließ, worauf sie mit Beschämung auseinander ging. Graudenz, 22. Juni. (Privatmitth.) Am 18. d. M. wurde in der Synagoge allhier zur Gedachtnißfeier unsres hochseligen Königs ein solenner Gottesdienst auf Veranlassung des Vorstehers Herrn Cronbach, Ritters des eis. Kreuzes und St. Georgenordens, gehalten. Bei dem Mangel eines Geistlichen in dieser kleinen Gemeinde — in hiesiger Stadt durfte früher kein Jude wohnen — hielt Herr Cronbach (Lotterie-Einnehmer) selbst einen sehr beredten Vortrag, der auch gedruckt (2^ Sgr., die Einnahme für die Stadtarmen) erschienen. Es waren auch sehr viele christliche Zuhörer anwesend, die namentlich durch das schöne Geber für die Seele des Dahingeschiedenen tief erschüttert wurden. Man wird es daher unserm Vorsteher nur innigen Dank wissen, das ehrenvolle Amt, unsere Gesinnungen zur Aussprache ju1 bringen, übernommen zu haben. Königsberg in der Neumcftk, 20. Juni. Der Oberrabb. Caro hielt am 13. Juni eine Trauerrede zum Gedächtnisse unsres hochseligen Königs, die einen sehr tiefen Eindruck hinterließ.