Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1840)
- Date
- 1840-07-11
- Page
- Seite 401 (sequence 5)
- Language
- German
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401 Uebelgesinnte Personen benutzen diese Unordnungen, um die Türken gegen die Christen aufzureizen. Die hiesigen Muselmänner sind zwar im Allgemeinen sehr friedlich gesinnt, indeß giebt es doch auch unter ihnen Individuen, die noch an alten Vorurtheilrn kleben, und einige derselben begaben sich zumi Muhaßil, um die Europäer und Griechen anzuklagen, daß sie die öffentliche Ruhe stören wollten. Der Muhaßil wurde durch alle die Demonstrationen, deren Zeuge er war sehr beunruhigt, verbürgte sich jedoch, auf die Vorstellungen des Brittischen' Vice- Konsuls, für-das gute Betragen der Muselmänner und Juden, während der Vice-Konsul dieselbe Verpflichtung für die unter seinem Schutze Stehenden übernahm. England. London, 20. Juni. Die englische Gesellschaft zur Abschaffung der Sklaverei hat eine Sitzung gehalten,- in der sie sich insonders mit der Sklaverei in den französischen Kolonien beschäftigte. Es fanden sich zu derselben Kommiffarien der französischen Gesellschaft ein, nämlich der Deputirte Herr Jsambert, der Deputirte Herr Cordier, die Herren von Saint-Antoine und Alcide Laure, die der Doctor Bowring einführt. Nachdem diese Herren unter dem Beifallrufe der Gesellschaft in den Schooß der Gesellschaft ausgenommen worden, führt Herr Dr. Bowring auch Herrn Crömieux ein, den er mit den Worten vorstellt: „Ich stelle Ihnen gleicherweise Herrn Cremieur vor, ein ausgezeichnetes Mitglied der französischen Barre, der, wenn auch Israelit, die Protestanten gegen heftige Verfolgungen vertheidigt hat." (Beifall.) Nachdem Jsambert gesprochen, nimmt Cremieur das Wort, und spricht zuvor einige Worte zum Lobe Oconnell's. Nach kurzer Unterbrechung fährt er fort: „Ich wünsche mir Glück, in dieser Gesellschaft mich aussprechen zu dürfen; Abkömmling der Juden, welche zuerst die Abschaffung der Sklaverei proklamirt haben, lasse ich heute nur Grundsätze proklamiren, die von den Hebräern »u aller Zeit angenommen waren; und dennoch waren diese selben Juden Sklaven in den christlichen Ländern. Nicht allein haben die Juden zuerst die Sklaverei abgeschafft, sie haben auch die Menschenopfer unterdrückt; und dennoch beschuldigt niedrige!und grausame Gehässigkeit sie, das Blut der Christen im Orient vergossen zu haben; aber in England, in diesem Lande der Civilisation und des Lichts hat die Nation, die Presse, die Regierung mit gerechtem Unwillen auf diese Verläumdung geantwortet." (Lauter Beifall.) Deutschland. Magdeburg, 28. Juni. Wir sammeln mit Fleiße die Beispiele, welche die traurigen Wirkungen der Damasker Angelegenheit thatsächlich darstellen. Warum sollen wir uns den Standpunkt nicht klar machen, den wir jetzt einnehmen, sei es auf dem Gebiete der höher», allgemeinen Kultur, sei es auf der Leiter der Volksbildung? Warum sollen wir es uns nicht zum Bewußtsein bringen, daß wir im Eldorado allgemeiner Gerechtigkeit und Toleranz gegen uns noch lange nicht angeßommen sind? Aus dem Wahne, daß wir Juden bereits fertig wären mit den Schrecknissen der Vergangenheit, daß sie zu Schemen geschwunden, die Plagegeister unsrer Vorzeit, ist so vieles Irrige entsprungen, so viele Nachlässigkeit, so viele Gleichgültigkeit, die Hände in den Schooß zu legen: es ist Zeit, diesen Wahn zu zerstreuen, und den wankenden Boden zu zeigen, auf dem wir noch stehen! —Die Didask. berichtet „vom Rhein, 6. Juni" „Die Vorgänge in Damaskus, ohne Zweifel eine schreckliche Frucht des türkischen Aberglaubens, riefen recht lebhaft ein Ereigniß in unsere Erinnerung zurück, welches sich vor einiger Zeit in dem Dorfe B"° ereignete. Eine israelitische Krämerin, eine Frau, die des besten Leumundes genoß, bezeigte sich immer sehr freundlich gegen der Landleute Kinder, welche Waare bei ihr holten, und gab ihnen öfter Zucker oder sonst etwas Aehnliches, was dem jugendlichen Gaumen schmeichelte. Eines Tags hatte die neunjährige Tochter eines dasigen Landmannes in dem Laden der Frau 6“ Waare geholt und von ihr gedörrte Zwetfchen zum Geschenk erhalten, welche die Kleine gleich auf der Stelle gegessen hatte. Am Abend desselben Tages erkrankte das Kind und machte die seltsamsten Gestikulationen und Gliederverdrehungen. Schrecken und Entsetzen ergriff die ganze Familie; man examinirte die Kranke und erfuhr obiges Faktum noch mit dem besondern Zusatze, daß dieJudensrau bei Verabreichung der Zwetfchen dreimal ge«. spukt habe. Jetzt war es richtig — kein Zweifel mehr,daß die Krämerin das unschuldige Christenkind