Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1840)
- Date
- 1840-07-11
- Page
- Seite 400 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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400 bin, dem ich eine Petition in Bezug auf die Ereiguisse in Damaskus überreichte, die er. mit großer Aufmerksamkeit las und worauf er versprach, daß der Prozeß von neuem untersucht werden solle. Ich erfahre zu gleicher Zeit, daß die Französische Regierung den Herrn von Melvize, Atach« bei dem hiesigen Französischen Konsulate, beauftragt hat, sich nach Damaskus zu begeben, und dort eine Untersuchung jener Angelegenheit vorzunehmen. Es ist zu bedauern, daß die Wahl der Regierung auf einen Mann gefallen ist, dessen Charakter und Gesinnungen zwar ehrenwerth, dessen Alter und Unerfahrenheit aber der Wichtigkeit seiner Mission nicht angemessen sind. Herr von Melvize hat einen niedrigeren Rang als der Konsul in.Damaskus, ist erst 25 Jahre alt und kein Jurist. Zu einer so wichtigen Angelegenheit bedurfte es der Erfahrung und der Ruhe eines gereiften und in dergleichen Prozessen erfahrenen Mannes. Die Humanität ist bei den Vorfällen in Damaskus zu sehr kompromittirt, als daß man der Wertheidigung der unglücklichen Juden nicht jede wünschenswerthe Garantie geben sollte." —. Sowol die Augsb. als Leipziger Allg. Zeit, enthalten jetzt sehr oft Korrespondenzen über diesen Gegenstand, die zu verstehen geben, daß die dortigen Juden durch Geldgeschenke den Lauf der Gerechtigkeit hätten hemmen wollen, und noch zu hemmen suchen. Den Lauf solcher Gerechtigkeit, wie sie dort mit Stock und Folter gehandhabt wird, zu hemmen, bei der großen Auftegung der Bevölkerung wider sie, wer möchte es den Juden verdenken! Wie oft hat auch in Europa das Geld der Juden, so viele Verfolgungen es ihnen zuzog, diese auch von ihnen abgehalten, und den Arm des Tyrannen zur Ruhe gebracht! — Uebrigens beruhen jene Anschuldigungen von Bestechungen immer noch auf bloßem Sagen, Thatsächliches hat noch Keiner heranzubringen gewußt. Man will damit die Unschuld der Juden verdächtigen, aber bei dem ersten liefern Blick ersieht matt dies, und desfallsiges Bemühen wird vergeblich sein. Rhvdus. Magdeburgs 28. Juni. Auch hier wird die Episode der Damasker Blutgeschichte weiter gespielt. Die Schlesische Zeit, berichtet, von der Türk. Gränze unter dem 5. Juni: Die Angelegenheit der Juden von Rhvdus, welche bekanntlich des Raubes und Mordes eines Christenknaben beschuldigt worden sind, wird, wie man aus Konstantinopel berichtet, in dieser Hauptstadt und zwar in öffentlichen Sitzun« gen unter dem Borsitze des Musteschars Rifat Bey, verhandelt werden. Ein positiver Beweis für die schreckliche Beschuldigung liegt nicht vor, und wird kaum erzielt werden können, obwol vier Zeugnisse darunter die der Konsuln von Schweden und Neapel bestätigen, daß nach den über den Thatbestand abgegebenen Zeugenaussagen kein Zweifel bestehe, der Knabe sei im Judenquartier verschwunden. Der Kadi von Rhvdus ist, von der Negierung berufen, bereits in Konstantinopel angekommen und es wird eine eigene Untersuchungs-Kommission ernannt werden. —. Es ist eine alte Bemerkung, daß, wenn die Leidenschaften des Volkes erst in Aufregung sind, Niemand bestimmen kann, wo sie stille stehen werden. Einen Beleg hierzu bietet folgender Artikel: Rhvdus, 25. Mai. (Journ. de Smyrne.) Es hat sich hier unter den Türken das Gerücht verbreitet, daß die hier ansässigen Griechen und Europäer sich bewaffnen wollten, um sich des Kastells zu bemächtigen und die Muselmänner zu vertreiben. Zwei, offenbar unschuldige Griechen wurden von der Behörde ins Gefängniß geworfen, indeß bald wie»' der entlassen. Den Nachforschungen mehrerer Europäer ist es gelungen, herauszubringen, daß dies abgeschmackte Gerücht von einem seit kurzem hier ansässigen Aegypter verbreitet worden ist, der bei seiner Ankunft in Rhvdus mit Empfehlungsschreiben von Boghos Bei versehen war', in dessen Diensten er in Alexandrien stand. Zu gleicher Zeit erneuern sich die Zwistigkeiten zwischen den Juden und Christen und zwar sind die Ersteren, ermuthigt durch ihre Anhänger, jetzt die Angreifenden.. Man hat gesehen, daß sie sich in Massen auf Personen stürzten, die durch ihren Basar gingen. So sah sich der Drogman des Russischen Vice-KonsulatS, als er vor einigen Tagen mit einem jüdischen Krämer in Wortwechsel gerieth, plötzlich von etwa 50 Juden umgeben, die ihn gewiß todtgeschlagen hätten, wenn nicht mehrere Ionier erschienen wären, welche die. Juden in die Flucht schlugen. Am nächsten Tage begab sich der Russische Vice-Konsul zum Pascha und verlangte Genugthuung für die seinem Drogman widerfahrene Beleidigung, . die ihm auch sofort zu Theil wurde.