Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1840)
- Date
- 1840-07-11
- Page
- Seite 399 (sequence 3)
- Language
- German
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399 sprechen und ich muß hier das Ungerechte der gegen die unglücklichen Opfer von Damaskus erhobene Beschuldigung erklären. Bei der Mission, zu welcher ich gehöre, wurde beschlossen, daß ich mich nach Damaskus begeben sollte, um daselbst, wenn die Europäischen Konsuln mich unterstützten, nach meinem Gewissen und meinen Studien zu Gunsten der rabbinischen Gesetze, die jeden Gebrauch des Blutes absolut verbieten, Zeugniß abzulegen, die Frage wegen des Mordes jedoch der späteren Entscheidung durch die mit Eifer betriebenen Untersuchungen zu überlassen. Am 30. März kam ich in Damaskus an, das ich am 7. April verlassen mußte, ohne meinen Zweck erreicht zu haben; ich konnte jedoch während dieser Zeit mehrere Dokumente und die detaillirtesten Nachrichten in Bezug auf jene traurige Angelegenheit sammeln. Ich bin überzeugt, daß keiner der angeklagten Juden von dem ihnen aufgebürdeten Attentat etwas gewußt, oder an demselben Theil genommen hat. Der Pater Thomas war in der That bei den Juden in Damaskus beliebt, da er ihnen in ihren Krankheiten Beistand leistete und ihren Kindern die Pocken einimpfte. Am siebenten begannen die Untersuchungen aus folgende Weise: Zuerst wurden die muselmännischen Scheichs vorgefordert, eine Art fanatischer Betrüger, die vermittelst übernatürlicher Kräfte, die sie zu besitzen vorgeben, herausgebracht haben wollten, daß der Priester und sein Diener in dem Judenviertel ermordet worden seien. Ja, sie trieben ihre Frechheit so weit, daß sie sogar die Häuser bezeichneten, in denen beide Körper verborgen sein sollten. Auf diese Versicherungen hin wurden die genauesten Nachforschungen angestellt, die indeß zu keinem Resultate führten. Zu gleicher Zeit wurden in Damaskus 70 erwachsene Juden und 63 jüdische Kinder verhaftet. Was anfangs den Erklärungen deS Scheichs einen Anschein von Wahrheit zu geben schien, war der Umstand, daß andere Personen den Pater Thomas und seinen Diener am 5. Februar in dem von den Juden bewohnten Stadttheil gesehen zu haben behaupteten. Zwei Personen indeß, Pharah Katasch und 'Isaak Dschawoh bezeugten, daß sie die Genannten gegen Sonnenuntergang außerhalb jenes Stadtviertels gesehen und namentlich behauptete der Letztere, daß er auf dein Wege von Salachia, eine Viertelstunde von dem Judenquartier mir dem Diener des Paters ge- > sprochen habe. Wegen dieser Aussagen wurden Pharah Katasch eingekerkert und Isaak Dschawoh auf die Folter gebracht, der er unterlag. Dieser entsetzliche Mißbrauch der Gewalt, diese absolute Verleugnung aller Gerechtigkeit hielten andere Personen ab, als Zeugen aufzutreten. Ich muß hier bemerken, daß der Pater Thymas, einen oder zwei Tage vor seinem Verschwinden, auf dem Platze Chan Haffad Pascha einen heftigen Streit mit einem Türkischen Maulthiertreiber hatte, der.den Schwur that, daß der Pater nur von seiner Hand sterben solle. Dieser Streit war so heftig, daß der Diener des Paters sich hineinmischte und den Türken so stark bei der Kehle faßte, daß Blut floß. Zugleich beleidigte der Pater die Religion des Türken; das mißfiel allen dabei anwesenden Muselmännern, unter Anderen einem Kaufmann, Aba Zeschia el Dschafar, der, als das Gerücht von dem Verschwinden des Paters sich verbreitete, in seinem Laden erhängt gefunden wurde- Allc diese Umstände erregten indeß keinen Verdacht, niemand wurde befragt und keine Nachforschung dieserhalb angestellt, alle Untersuchungen waren vielmehr gegen die Juden gerichtet, als ob in der ganzen Stadt Damaskus nur sie dieses Mordes fähig gewesen wären. (Es folgt nunmehr der Bericht über die Einziehung, die Tortur und die Angaben des bekannten Barbiers). Darauf begannen die fürchterlichsten Martern für die angeklagten Juden. Zwei von den sieben Angeklagten starben bald, nämlich David Arari, ein Greis von 80 Jahren und Joseph Leniado. Der Letztere führte zu seiner Vertheidigung an» daß er zu der Zeit, wo der angebliche Mord sollte verübt worden sein, in Gesellschaft zweier christlichen Handelsleute gewesen sei; allein ehe einer der Zeugen aus DschaSbia, drei Tagereisen von Damaskus, ankam, hatte Leniado bereits aufgehört zu leben. Dieser Zeuge hatte seine Aussage schriftlich eingesandt, allein der Pascha weigerte sich, dieselbe zu sehen und ließ die Tortur nicht unterbrechen. Ein Jude von der Wache bei dem Kanal, in dem die angeblichen Reste des Paters Thomas gefunden wurden, sagte aus, daß er keinen der Angeklagten an jenem Orte gesehen habe; er wurde gefoltert und gab unter den Qualen seinen Geist auf. — Ich habe das Vergnügen hinzuzufügen, daß ich durch den Obersten Hovges, Brittischen General-Konsul in Alexandrien, dem Vicekönig vorgestellt worden