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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-07-04 · Heft 27 (4.7.1840) · p. Seite 395

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 27 (4.7.1840)
Date
1840-07-04
Page
Seite 395 (sequence 11)
Language
German
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595 ihrer selbst) angeschauet werden; wo noch kein Unterschied zwischen Gutem und Anständigem, zwischen Bösem und Unanständigem") statuirt ist; ist auch das Reinlichkeitswesen viel bedeutungsvoller, als es bei uns zu sein pflegt. Denn indem das Unreine (wie menschliche Ercremente, Haare, Nägel) hier blos als etwas Ekeles, und Sanitätswidriges — sür den Körper — gilt, wird es dort als wirklich Unheiliges, Böses, Teuflisches (in kabbalistischer Sprache 1x1222 82X1221) angesehen, das man fliehen muß, um nicht die Seele damit zu beflecken. — Es liegt ein großer Gedanke darin, daß man die Abgänge (i'äces) des menschlichen Körpers, weit mehr verabscheute, als die eines andern lebenden Wesens; nämlich der, daß man alle Stoffe, die aus dem Kreise eines höher potenzirten, individuellen Lebens (vollkommenem Organismus) heraustraten und in das Gebiet des tiefer stehenden allgemeinen Naturlebens (Herrschaft der physikalischen und chemischen Gesetze) übergingen, als entweihete und von ihrer Höhe herabgesunkene Dinge betrachtete. "*) — Je höher irüher der Standpunkt eines Dinges im Universum gewesen ist; desto tiefer mußte es später beim Verluste deffelben sinken. Mit dem Verluste der bessern Form sniia - 2'7i?x ßbsc) ging der Materie (12171) ihr besseres Theil, d. h. ihre Göttlichkeit verloren. (Siehe xa ■'ins). Man flehet, wie lebensvoll, klar und deutlich hier das Verhältniß des Mikrokosmus zum Makrokosmus gezeichnet ist. Jedes Materien- ") Siehe '2 pis 'x pi-ri 2*2125 ttna. Der Grund hiervon laßt sich leicht erklären, wenn man erwägt, daß wir da» Gute und Böse, in Dingen die eine Beziehung des Menschen zu Gott, hingegen das Anständige und Unanständige, in denjenigen, die eine Beziehung des Menschen zu seinen Nebenmenschen ausdrücken, gebrauchen; der Orientale aber keine andere Beziehung des Menschen als die zu Gott k.nnt; weil das Göttliche ihm stets ge- Mwärlig ist und unmittelbar in seinen Lebeaskreis thal>z eingreift. Jenes große Wort — Natur, hat er noch nicht kennen lernen. Die hebräische Sprache giebt die schönsten Beispiele hiezu. Alle Ereignisse gehen unmitkclbar von Gott aus (21:122 'ii 2;'l*>, iVip2 pii 'm). ^es mußte daher nur auf's Göttliche zurückgeführt und bezogen werden, und da konnte es nur entweder Gutes (Göttliches Heiliges) oder Böses (Teuflisches und Unheils) geben. — Eorresp. "( Daher konnte man sich nur an einem menschlichen Leichname verunreinigen. theilchen (molleculo) mußte daher beim Verluste seines Antheils an geistiger Subjectivität (im menschlichen Organismus) nothwendig seine Göttlichkeit (Heiligkeit- 711211p) einbüßen; es mußte, dem Antigöttlichen, (Unheiligen - 71x212, Teufel - 712ip) anheimfallen. Nicht etwa, weil die objective sinnliche Natur, das Reich des Teufels wäre — wie die fünftem Mönche des Mittelalters in ihrer Verblendung glaubten — denn wo könnte die Gottheit anders, als bei dieser ihrer einzigen Tochter — Natur angetroffen werden? vielmehr darum, weil jeder Verlust der Realität — und was ist realer als individuelle Subjectivität — ein relativer Tod ist, und der Tod nicht im Himmel, nur in der Hölle thront. °) Wo also der Name Gottes angerufen werden soll, mußte alles Unreine, Todre oder Uebelriechende (m »1) zuerst entfernt werden, und ein unreiner Körper Hpo irxis i]i5) reicht, nach talmudischer Vorschrift, allein hin, um vom — sonst unabänderliche» Gebote — des täglichen Betens und Tefilin-Legens zu dispensiren. (7122.177 12 1122 -p: rp: i*> -pxis ■>» (maipa 71217121 111212 , 2212 , H^rnin pi. Ja, °) Wir können jetzt kaum begreifen, wie ein Leichnam, der Urgroßvarcr (Urquelle) aller Verunreinigung (i'-< cnos , MX22H max \ax) wie sich der Talmud ausdrückt, sein konnte? — Wie derjenige, der seine abgeschnittenen Nägel auf offner Straße hinauSwirst, ein Bösewichl (2121 (pn*) genannt werde? — Wie das abgeschocene Kopshaar so verabscheut werden könnte? — Ja, der Chassidismus, von seiner Kabbala geleitet, ging noch weiter. Er verabschcuete Kopfhaar und Nägel noch während sie an dem Organismus sind, und so muß jeder Ehassid wenigstens monatlich sich den Kopf glatt schceren, und die Nägel wöchentlich abnchmen; denn— sagen sie — diese beiden Bestandtheile des Körpers ermangeln des edelsten Kerns desLebens, nämlich der Empfindung, ja sie sollen selbst nach dem Tode fortwuchern, daher sie nicht als integcirende lebendige Theile des animalischen Organismus; sondern als parasitische Accessorien einer liefern organischen Bildung, betrachtet werden, und jenem gegenüber als relativen Todes gelten müssen. In der Thal kann im Universum eben so wenig ein absolut Todtes als ein absolutes Nichts existiren; weil ja Existenz selbst schon das konkrete Leben ist; und das Mineral, als Mineral, der Leichnam, als Leichnam, lebt durchaus nicht minder als der Mensch als Mensch. Im Gebier des Universums — und was kann noch außerdem selten sein? — giebts nut relativen Tod, wie relatives Leben, und daher ist die kabbalistische Ansicht gewissermaßen gerechtfertigt. — Eorresp.

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