Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-07-04 · Heft 27 (4.7.1840) · p. Seite 396

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 27 (4.7.1840)
Date
1840-07-04
Page
Seite 396 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3224737-3225119-3225147--02830-3312333
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

wer unter diesen Umständen doch betet, ist verabscheuungswürdig. Hierin stimmt das chaffidisch-Kabbalistische mit dem Rabbimssch-Talmudischen aufs Vollkommenste, weil beide Kinder des Orientes sind. Freilich projectirt sich im Erster« Alles noch farbiger und bedeutungsvoller, da i« ihm jedes aus das Universell-kosmotheistische zurückgeführt wird. Gerade das Gegentheil findet beim Prozesse der Verzehrung und Assimilation der Nahrungsmittel statt. Betrachten wir diesen Prozeß genauer, so ist er nichts anderes, als die Umwandlung organischer Stoffe in animalisch-belebte Theile. — Die Nahrung wird im belebten Organismus in 8uccum et sanguinem ausgenommen; dasselbe, was z. B. erst Pflanze war, ist jetzt ein integrirender von Leben durchdrungener Theil eines thierischen Wesens; was früher unter der Herrschaft der allgemeinen makrokosmischen Gesetze stand, gehorcht jetzt einer weit höhern mikrokosmischen, zoo-biotischen Gesetzmäßigkeit, und mit Recht nenne» die Physiologen die Assimilation eine stetig erneuerte und vervielfachte Zeugung (multiple Generation). *) Diese Erhebung eines Dinges in eine höhere Sphäre des Daseins (animalische Belebung) wurde als ein heiliger, unter dem unmittelbaren Beistand der göttlichen Schöpfungskraft, vor sich gehender Akt gefeiert; — denn, sagten sie, wie kann man sich irgend eine neue Belebung einer bis jetzt unbelebten Materie, ohne die unmittelbare Assistenz des, der die alleinige Quelle des Lebens ist, wol denken? (a^ns Vvo arnbva V» naia n'apn) Daher erklären sich die unzähligen — bis ins Kasuistische verfolgten — Segensformeln beim Genüsse jeglicher Nahrung. Daher die Heiligkeit der Tafel als Opferaltar aipaa'znbA, ann 2-ipan nno öra) nata). Daher die durchgängige Anwesenheit desSegenskelch's (nana Va Dia) bei den feierlichsten religiösen Zeremonien. Der bedeutungsvolle Sabbat und die hohen Festtage wurden mit dem Segenskelch empfangen (arn ribapb örrp bo Dia); und wie anderswo, die lautende Glocke so begleitet im talmudischen Judenthum, der schäumende Segenskelch, den Menschen von der Wiege an (nb'an nana bw Dia) durch die bedeutungsvollsten Akte seines Lebens, wie Trauung und Kopulation ('pai-ra nana bo oia ■pNiiati) bis zum dunkeln Grabe hinab, (bw Dia D'wadr nana) °) Dieses alles ist im Chassidismus im höchsten Grade ausgebildet. — Der Zadik ist während der Mahlzeit andächtiger, als Mancher Andere beim Beten. Der Zadik hält seine mystisch-kabbalistischen Vorträge (sagt min) bei der Tafel (zumai bei .den nmaa aVa) während nie ein Prediger (Toa) ihre Kanzel besteigt, um im Gotteshause Worte der Erhebung auszusprechen. — Der Tag des Andenkens an geliebte Eltern, s. g. Jahrzeit, kann bei ihnen nicht besser als durch das beliebte Tikun-Trinken gefeiert werden, und so ist ihnen der Kelch eine unerschöpfliche Quelle des Lebens, der Begeisterung, der lieblichsten Verbrüderung, und — der Vermessenheit. — (Fortsetzung folgt.) *) Dies ist der wahre eigentliche Sinn von: '2 man .nnasna nswa Tan an baa Eocresp. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Seile aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Dre Verlagshandlung. „Ein von Königl. Preuß. Regierung approbirter Leh- „rer der auch die Functionen als Cantoc und Schächter „bevocstehen kann, im Hebräischen und der französischen „Sprache unterrichtet, über seinen religiös moralischen „Charakter Zeugnisse heibringen kann, wünscht auf Michae- „lls d. I. eine Stelle bei einer Gemeinde. Näheres er: „theilt auf frankirre Briefe unter Chiffre 1'. 13. die vec- „ehrliche Redaktion d. Bl.^ Aufforderung. Dre hiesige Israelitische Gemeinde beabsichtiget;n Ostern 4841 bei ihrer neu erbaueten Synagoge, einen Cantor und Schächter welcher auch zugleich: a) einige Musikalische Kenntnisse, um das Vorbetcn mit einem melodischen Vortrag aufzuführen; d) etwas Kenntniß im Talmud und Commentarcn besitzen muß, anzustellen. Nur solche, die sich dazu qualificiren, belieben sich i" frankirten Briefen an Unterzeichneten zu melden. Stolp in Hinterpommern, L. Cohn, im Juni 1840. Vorsteher. Druck r»cn I. B. $trfdffelfc#

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.