Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1840)
- Date
- 1840-07-04
- Page
- Seite 390 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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390 Literarische Nachrichten. Frankfurt am Main, 10. Juni. Ein.von eimm Juden gedichtetes, von einem Juden komponirtes, und einen Gegenstand aus einer schicksalsreichen Periode des jüdischen Volkes betreffendes Oratorium verdient gewiß, wenn die Gediegenheit des Kunstwerks dazukömmt, die Relation in diesem Blatte. Am 1. Juni kam es alihier zur Aufführung, und wir entnehmen der Kritik der Dibaskalia nach der Aufführung folgende den Dichter und Komponisten betreffende Stelle: Was zuvörderst den von vr. Steinheim verfaßten Text des neuen Oratoriums betrifft, so ist es ein vorzüglich gelungener und durch die Wahl seines Gegenstandes interessanter. Der Verfasser desselben hat dem Komponisten Alles geboten, was er bedarf, um mit Tönen zu malen, hier elegische Empfindung, dort erhabener Ernst, hier gewaltige Leidenschaften, dort mächtige Gedanken, hier Sehnsucht und Hoffnung, dort Furcht und Mitleiden, hier Trauer und tiefe Wehmuth, dort Heroismus und Begeisterung für das Vaterland, hier Klagen, dort Jubel, hier Vertrauen aus den Herrn und dort prophetische Schwärmerei. Es mag nicht leicht einen Text geben, welcher so viel Wechsel, so viel Reichhaltigkeit der Empfindungen und Situationen darböte, und dabei ist Alles mit einer Einfachheit und Würde behandelt, wie sie die Größe des Gegenstandes verlangt. Im ersten Theile sehen wir Jerusalem von dem Könige Babylons bedrängt; die Juden geben sich wechselnd der Furcht und der Hoffnung hin und sprechen ihren Schmerz und ihre Klagen aus. Da erscheint der Prophet Jeremias, ermahnt zur Reue und Buße und daß sich das Volk Israel unterwerfen müsse und fügen in den Herrn. Man nennt Jeremias einen Verrathec am Vaterland und wirst ihn in den Kerker, worüber seine Jünger und Anhänger in Trauer versinken. Im zweiten Theile ist die Stadt Jerusalem belagert und es nahen des Feindes gewaltige Heerschaaren. Der König und seine Diener opfern den Götzen und erwarten Hülfe und Errettung von ihnen, während Jeremias mtt seinen Getreuen auch in Feffeln den rechten Glauben nicht aufgibt und zu Jehova, dem Gotte Israels/ fleht. Unterdessen wird die Gefahr dringender und Zedekia bietet dem Propheten die Freiheit an, damit er Jerusalem befreie. Doch gefallt ist der Spruch des Herrn und Judas alte Stadt muß fallen. Schon stürmen die Feinde heran, nehmen die Stadt in Besitz, belasten die Söhne Israels mit Ketten und führen sie ab zur Gefangenschaft nach Babylon. Jeremias allein bleibt muthvoll und preist auch noch im Ungemach den Willen und die Wege Gottes, der sein Volk durch Nacht und Finsterniß zum Lichte und zur Verherrlichung führen will. Der Komponist*) hat sich diesem Texte angeschlossen *) Herr Ferdinand Hiller aus Frankstrrt am Main. und die durch denselben gebotenen Momente, Empfindungen und Leidenschaften auf's Trefflichste benutzt. Competente Musikkenner sprechen sich mir der größten Anerkennung über dies Werk aus und rühmen nicht nur die edle, würdevolle Haltung des Ganzen, die Kraft und Fülle der Chöre, die Schönheit der meisten Solostellen und die harmonische Behandlung, sondern auch den Fleiß und die gediegenen musikalischen Kenntnisse, welche Hiller hier bekundet hat. Eine genaue kritische Analyse gehört nicht in den Bereich dieser Blätter und wir müssen eine solche den Zeitschriften für Musik und musikalische Literatur überlaffen. Nur einige allgemeine Andeutungen seien uns verstattet, welche die Aufmerksamkeit des größern Publikums auf dies Werk hinlenken und dem Komponisten als eine Huldigung gelten sollen, welche wir seinem hier bewährten Talente schuldig zu sein glaubten. Magdeburg, 22. Juni. Die neunte Lieferung des Bibelwerks wird in diesen Tagen versandt. Eine eigenthümliche Bearbeitung wird man in dieser Lieferung zunächst bemerken, nämlich die Bearbeitung des Gesetzes, wie sie sich bei Gelegenheit des Peßachgesetzes zunächst zeigt. Es werden nämlich alle Gesetzesstellen der heil. Schrift über einen Gegenstand zusammengestellt, dann in der Trad. weiter ausgeführt, so daß man die zwiefache Einsicht in das erhalt, was Alles die heil. Schrift über einen Gesetzesobjekt ausspricht, und wo die Scheidungslinie zwischen den Aussprüchen der heil. Schrift und denen der Tradition liege. So bringt dieses Werk allerdings Alles heran , was dem Forscher und Lehrer zur Erleichterung, was dem Bibelfreunde zur Belehrung dienen kann, und macht sich Vielen unentbehrlich. Fortlaufende Berichte über Gemeinde- und Synagogen - Reformen. Schwerin an der Warthe. Zu den von Ihnen aufgezahlten Gemeinden, wo regelmäßig das Wort Gottes in der Muttersprache gepredigt wird, ist auch die unsere zu rechnen, da der Rabb. Herr Joel immer den vierten Sabbat mit wackeren Predigten seine Gemeinde erbaut. Bürgpreppach in Unterftanken. Herr Distr. Rabbine Adler dahier, erfreute uns am 7. Juni d. Js., als am ersten Tage des Gesetzgebungsfestes, mit einer Herz und Geist ansprechenden Predigt, die in Ihrem geschätzten Blatte rühmend zu erwähnen, Referent sich nicht erwehren kann, ob des tiefen Eindruckes, den solche auf das ganze Auditorium machte. — Das erste der zehn Gebote zum Texte wählend, sprach der Redner, im ersten Theile, über die Wichtigkeit der wahren Gotteser-