Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1840)
- Date
- 1840-07-04
- Page
- Seite 387 (sequence 3)
- Language
- German
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387 predigt, in welcher Hr. Dr. Auerbach zur Treue gegen die Religion sehr eindringlich ermahnte, schloß ungefähr mit folgenden Worten: „Dieser Vorsatz sei die vom Gesetze gefoderte Opfergabe des heutigen Tages, des heutigen Tages, an dem nicht nur die Religion an euch als Israeliten, sondern auch das Vaterland als Unterthanen so bedeutungsvoll redet; das Vaterland in seiner zwiefachen Empfindung, in seinem trüben Schmerz über den großen Verlust, in seinem trostreichen Hinblick auf den Gottgesalbten, der die Hoffnung der beginnenden neuen Zeit in sich schließt. Welches würdigere Zeichen der Verehrung könnt ihr dem Gedächtnisse des hohen frommen Hingegangenen weihen, in dessen erhabenem Charakter Religiosität der Grundton war, welche edlere Huldigungsgabe vermöget ihr dem neuen Herrscher darzubringen, in der die innigste Liebe, der würdigste Gehorsam zugleich sich ausspräche, als wenn ihr den Vorsatz faßt: Judenthum in seiner Hoheit und Heiligkeit euch das Heiligste sein zu lassen. Gibt es doch in bürgerlicher wie in sittlicher Hinsicht nur Einen Weg des Hells, den Weg der echten, zu einem innigen Leben gekommenen Religiosität rc."*) -Oesterreich. Pesth, 6.-Jun. (Augsb. A. Z.) Die neuen Landtagsgesetze dürften in wenigen Wochen publicirt, und die meisten gleich in Wirksamkeit gesetzt werden. Das wichtige Commercialgesetz aber, das größerer Vorbereitungen bedarf, soll erst mit 1. Jan. 1841 ins Leben treten. Das Gesetz in Betreff der Juden ist in seiner endlichen Abfassung so kümmerlich zugestutzt worden, daß in den Verhältnissen dieser Nation schwerlich eine nur irgend merkliche Veränderung wahrzunehmen sein wird. Man verspricht sich allerdings von künftigen Landtagen weitere Progresse, indem die weise Regierung es für gerathen hält, bei einer Angelegenheit, die so viele Interessen berührt, nicht mit der Thür ins Haus zu fallen, aber für jetzt ist so viel wie nichts geschehen. Die Juden können nach wie vor nicht einmal Bauergründe aus dem *) So war auch in Magdeburg (allerdings zufällig, da der Sonnabend vor den Sonntag fallt,) die Synagoge das erste Gotteshaus, wo die allerhöchste Bekanntmachung von der Kanzel verlesen, und Worte der Trauer gesprochen wurden. ' Lande, viel weniger Grundstücke in den Städten be-! sitzen; sie können keine Bauern, geschweige dennBürj ger sein — von Aemtern und Würden ist gar keine Rede. Gewerbe treiben durften sie schon vorher, aber auch jetzt ist ihnen nicht gestattet, christliche Arbeiter zu halten. Die einzige merkliche Concesston besteht darin, daß sie jetzt in einigen Orten des Landes, wohin sie früher nicht zugelassen wurden, domiciliren können; das ist aber auch alles, was an einem Gesetze gelassen wurde, das ursprünglich die vollständige Gleichstellung derJuden mit den Christen forderte. Deutschland. Kassel, 15. Juni. (Privatmitth.) Vor einiger Zeit glich unsre Gemeinde einer Jungfrau, die im besten Rufe steht, d. h. sie hatte gar keinen, und wirkte im Stillen nach eigener Weise fort. Jetzt aber vernimmt man in diesem und jenem Blatte Manches, was dem auswärtigen Beobachter über den Stand ihrer synagogisch-religiösen Verhältnisse falsche Ansichten beibringen könnte, und wir fühlen uns berufen, zur Berichtigung derselben und zur Sichtung des Wahren vom Falschen ein Scherflein beizutragen. Die Animosität, mit welcher man über unsren Seelsorger von mehren Seiten herfällt, ist so groß, daß man jetzt, nach einem Jahre, auf die, bei Einweihung unsrer Synagoge stattgehabte Feier zurückgeht und in einer in Heidelberg gedruckten „Beleuchtung" unsren Landrabbinen zu schmähen sucht. Wer dieses im allerschlechtesten Style geschriebene Pamphlet gelesen hat, wird freilich beim ersten Anblicke gewahren, daß dem gewiß nicht sehr erleuchteten anonymen Verfasser dieses elenden Machwerkes kein authentisches Urtheil über unsre religiösen Angelegenheiten zustehe und daß er lieber die vom Lichte der Wahrheit ausströmende Beleuchtung suchen sollte, als mit trüb dampfender Oellampe das redliche Streben eines nach wahrer Beleuchtung Strebenden zu umnebeln. Leider hat aber heutiges Tages der Schweigende Unrecht, und darum glauben wir im Sinne der Bessergesinnten unsrer Gemeinde — und diese sind G. s. D. in überwiegender Majorität — erklären zu dürfen, daß die „Beleuchtung," so wie andere Fraubasereien über Kassel unsre Ansicht über unsren verehrten Herrn Landrabbinen durchaus nicht zum Schwanken gebracht haben, daß wir vielmehr