Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1840)
- Date
- 1840-07-04
- Page
- Seite 386 (sequence 2)
- Language
- German
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386 dm angegebenen Ursachen zuzuschreiben sei. Mein er hat natürlich viel zu kämpfen mit den eingewurzelten Meinungen seines Volkes; auch muß man erwägen, daß die Juden in Syrien nicht die Juden des neunzehnten Jahrhunderts in Europa, sondern, natürlich mit einigen Ansnahmen, ein verderbtes und fanatisches Volk sind, das wirklich Schriften besitzen -soll (?),*) welche die grausamen Gebräuche, deren man es beschuldigt, vorschreiben. Die Verfolgungen, welche die Juden in Damaskus erduldet, sind indeß in dem gegenwärtigen Zeitalter fast unglaublich und es ist zu hoffen, daß die unschuldig Leidenden in kurzem Genugthuung erhalten werden. —. Einiges Interessante liefert noch folgende Korresp. der Leipz. Allg. Zeit, aus Dresden vom 11. Juni: Der Univers hat über die blutigen Ereignisse in Damaskus einen Siegesgesang begonnen und, um ihn desto vernehmlicher zu machen, die Töne „Nationalität" und „Bestechung" darin hören lassen. So hat der beliebte Vorwurf der Absonderung halb die Runde gemacht, indem er selbst bis nach Frankreich gedrungen ist, nur England wird wol davon frei bleiben, so lange man dort nicht gesonnen ist, aus Gemüth, Glauben und Staat einen einzigen politischen Brei zu bereiten. Auch die Anklage der Bestechung findet taube Ohren, weil selbst die Actenstücke, die Hr. Thiers „gegen Den und Jenen"- besitzt, von seinen eignen Agenten immer noch herrühren. Das Gespenst der Politik, welches mir gleich anfangs im Hintergründe zu spuken schien, hat sich noch immer nicht verdrängen lassen. Statt der Religion schwebt mir dort das Bild der „Colonisation" vor Augen, welche größere Fortschritte macht, als man gewöhnlich in Europa denkt. Ich bin im Besitz eines Briefes aus Jerusalem, welcher den vorjährigen Besuch Montesiore's schildert, den dieser in Gesellschaft seiner Gemahlin Judith dem gelobten Land abstattete. „Kaum, sagt dieses Schreiben, war der *) Was hier von der Red. des M. Ehr. mit einem Fragezeichen bezeichnet worden, können wir nur mit einer vollständigen Leugnung bezeichnen. Wer die theologische Literatur der Juden kennt, weiß, daß die Mitkheilung der Schriftwerke unter ihnen nie aufgehört, daß wir die Schriften der asiatischen Juden, sie die meisten unsrer (hebräischen) Literatur besitzen, jedenfalls aber Gesetz und Ritus aller rabbinischen Juden (im Gegensatz zu den Karaern) dieselben sind. Redakt. edle Fürst (Nassi) auf dem Oelberg angelangt, umgeben von der Wache, welche der Gouverneur ihm sogleich zugesendet hatte, als die Aeltesten der deutschen und spanischen Juden ihm entgegenzogen, worauf auch viele Moslemin ihre Aufwartung machten. Er ließ sich sofort ein Namenverzeichniß von allen in und um Jerusalem wohnenden Juden anfertigen, und verlangte, daß man seine Gesuche bei ihm anbringe, welche er nach Kräften erfüllen würde. Er gestand frei, daß er die Absicht habe, Erlaubniß zum Grundbesitz und Städtebau für die palästinaischen Juden beim Vicekönig auszuwirken. Am dritten Tage, sobald die Pest nachgelassen hatte, besuchte er die Stadt in.Gesellschaft des Gouverneurs, und verweilte lange in den Akademien der spanischen Juden und des H. Lehren. Vor seiner Abreise ließ er Speise und Trank verabreichen, und so beträchtliche Geldgeschenke an die Armen ohne Unterschied des Glaubens verabreichen, daß ftder einzelne Theil 22—70 Realen betrug! Mehren Juden ertheilte er das Versprechen, sie zu Aussehern über das Bauwesen und die zu erwerbenden Grundstücke zu machen. Diese Sccnen wiederholten sich in Tiberias, Hebron und andern Städten." Erwägen Sie nun, daß der Verfasser des Schreibens dem niedern Stand angehört, und mehr die Geldgeschenke als die höhere Absicht Montesiore's im Auge hat, so werden Sie begreiflich finden, daß mich auch die Reden in der Deputirtenkammer nicht irre führen, zumal Hr. Thiers auch bei seinem letzten Eintritt in das Ministerium des Auswärtigen eine jüdische Angelegenheit, die Wahl'- schen Verhandlungen, vorfand, die er durch billigen Vergleich bald zu Ende brachte. Vielleicht denkt er dieses Beispiel jetzt wiederholen zu können. Preußen« Berlin, 12. Juni. (Leipz. A. Z.) Der erste Zoll der Verehrung wurde den Manen des Königs am 8. Jun. am Wochenseste (Fest der Offenbarung) auch bei dem Gottesdienst in der Knabenschule der jüdischen Gemeinde hier auf eine würdige Weise dargeb/acht. Bei der an diesem Tag üblichen Todtenseier wurde das Seelenamt zuerst für den hohen Entschlafenen vollzogen. Einen erschütternden Eindruck brachte es hervor, als die zahlreich Versammelten bei Nennung des geliebten Namens in einem Nu in tiefster Ehrfurcht sich erhoben. Die darauf folgende Fest-