Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1840)
- Date
- 1840-06-27
- Page
- Seite 379 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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579 nur als das absolut Subjektive) einmal -bezeichnet hat, durchaus nicht zusagen. — Das Gebet nimmt er daher, als Bedürfniß, als Seelennahrung (warn yna) des Individui, als Erhebung des Menschen zu Gott, wo er nichts anderes bezwecken will als eben diese seine — subjektive — Erhebung. — Sie — die Chassidim — legen zwar auf gemeinschaftliches Beten (Erms nVsn) einigen Werth, weil es den subjektiven Geistesaufschwung mehr befördert, doch durchaus nicht in dem Sinne, wie es der Talmud that. Denn immer bleibt ihnen das persönliche Für-sich-beten das Wichtigste. Ihr' theo kosmisches System mußte sie in dieser Ansicht nur noch bestärken; denn jedes Individuum schafft. und belebt ja durch jedes im Gebete andächtig ausgesprochene Wort Welten über Welten, und welcher andere Zweck könnte höher als dieser sein? — Nicht das feierliche Gebet soll erst zur Andacht stimmen, — wie es der Zweck des Gebetes, als Kultus, als Gottesdienst ist; vielmehr muß die reinste Andacht und feierlichste Stimmung jedem Gebete als conditio sine qua non vorangehen, (als Remes hiezu aus dem Talmud a-n-'ori T2 a-'bb&nm nm -prrra r-rs .(a'H'ab sab i:ii5’8 Dieses nennen sie ein Sich-Anschicken zum Gebet (nbcn n:a!-i) *). Daher konnte ihnen das tägliche Gebet nicht an bestimmte Stunden fnrari gebunden sein, weil ja der Geist über alles Zeitliche erhaben ist, und weil das tiefe Gemüth nur von sich selbst {ninzb-, mvnsnp), aber nicht von einer äußerlich zufälligen Stünde, die oft gar die entgegengesetzte Stimmung mit sich führt, zum inbrünstigen Gebet, zur freien Herzenserhebung, die noch vor dem Beten sich einstellen muß, angeregt zu werden vermag. Sie fühlen sich also nicht an vorgeschriebene Betstunden gebunden; sondern jeder von ihnen hat wörtlich seine eigene Betstunde;' nämlich j diejenige, in der er für diesen heiligen Akt am Be¬ *) Es gehet so weit, daß manche Chassidim von ihrem Zertzik erzählen: er bete förmlich vor dem Beten, baß ihm seine Inbrunst und Andacht während desselben, nicht gestört werden möge. Corresp. sten gestimmt ist. Hierdurch weichen sie nur zu sehr vom talmudischen Ritus (ssan:' znba) ab, da dieser das Beten außer der vorgeschriebenen Zeit nicht nur werthlvs, sondern sogar als sündenhaft bezeichnet. 22,-2 ra] rrnnffl nbrn bbannb *riSN nistn .(as '■’C ri's rbi -na •)■<■':> [satntt Wahrscheinlich würden sie in ihrer Consequenz weiter gegangen sein, und sich auch nicht an ein tägliches Beten ferner gebunden haben, dagegen war aber erstlich, die Furcht vor einem zu tiefgreifenden und offenen Bruch mit dem Nabbinismus, zweitens ihre verehrte Kabbala, in welcher jeder Tag, wie in der ehemaligen Astrologie, seine eigene, von keinem andern zu vertretenden kosmischen Funktionen, und gewissermaßen wieder als ein Individuum seine eigenen.Bedürfnisse hat. — Die Gebrechen dieser mißverstandenen Auffassungsweise des Gebetwesens stellt sich leider, in ihren Gebethäusern (sogenannten „Chassidim-Stuben") nur zu deutlich heraus. Denn erstens vermißt man hier die geziemende Einheit im Beten, die jederzeit die erste Bedingung eines geregelten Gottesdienstes sein muß. Zeder betet da für sich; und es ist gar keine.Seltenheit, daß in einem großen vollgepfropften chassidischen Bethause kaum zehne (ysn) der Anwesenden, mit dem Vorbetcr (;m) gleichen Schritt halten. — Zweitens ist das unstete Herumtreiben, automatische Schaukeln und die wunderlichsten Gestikulationen, die man in ihren Bethäusern bald zu Gesichte bekommt, dem besonnenen Zuschauer höchst abstoßend. Es ist völlig unbeschreiblich, wie mancher arme Mensch, daselbst, seinen Körper durch alle möglichen Biegungen und Krümmungen so sehr entstellt, daß dadurch nicht selten permanente organische Fehler entstehen. — Der mystische Grund dieser Unsitte liegt in dem mißgedeuteten Bibelvers (-wo*» ba *p»a -»n 'n nsynsn) *). *) Wir finden im Talmud hierzu einen entsprechenden Beleg in folgender Stelle: 'i b* Tb* Tnat« ,'dwna bbann iTii Tasta bbsna i-rrnaa tta-’py larsus-i it nvnia irrs-a a-w , -irraa bborra rrr-nsai .(maya) nvnnn»!-n mris tb» nym