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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-06-27 · Heft 26 (27.6.1840) · p. Seite 378

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 26 (27.6.1840)
Date
1840-06-27
Page
Seite 378 (sequence 10)
Language
German
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378 Theologie. Der Chassidismus Ln Polen. Zweiter Artikel. Von Julius MarenSfon B. lFortsetzung aus No. 17.) Es giebt zwar unter ihnen auch viele Handelsleute, die ansehnliche Geschäfte betreiben; doch werden diese jedem chassidischen Ereignisse in der Gemeinde, wie der Ankunft des Zadik's, ja des Sohnes oder Enkels des Zadik's, oder der Wallfahrt zum Zadik, einem neumondlichen Schmause (rn?o n"->) oder chassidisch-geselligem Gelage (naann pia-p) ohne Anstand hintangesetzt; dann müssen die jüdischen Weiber bou grö mal gre jedoch mcistentheils über Chassidim und Chassidismus scheltend im Geschäfte vikariren, um nicht dasselbe, wie es leider oft geschiehet, durch Vernachlässigung zu Grunde zu richten. — Dieser Auswuchs des Müßigganges, ich wiederhole es, war eine Folge eines mißverstandenen Vertrauens (pnaa) auf Gott und seine Vorsehung, das dem Chaffid von der andern Seite ein sorgloses aufgeräumtes Wesen (max;* ■’bs bin?:©), womit sie allen Verhältnissen des Lebens muthig rntgegentreten, verschafft. Wie Schade, daß der Chassidismus neben seiner grpßen Weltanschauung nicht zu den Begriffen einer praktischen Weltbildung gelangen konnte! Wir haben nun die Haupt- und Grundprinzipe des Chassidismus, sammt ihren Licht- und Schattenseiten genauer bezeichnet; und so können wir jetzt um so leichter zu einigen einzelnen merkwürdigen Differenzpunkten des Chassidismus vom Rabbinismus (mnnb) übergehen. — Wir wollen nun zuerst das tägliche Leben des Chasid betrachten. — Hier tritt nun das Gebet (iiban) zuerst entgegen, denn dieses ist ein Hauptmoment des Chassidischen Lebens; — bekanntlich erscheint es hier in ganz eigenthümlichen auffälligen Gestaltungen, die fein ganzes Wesen durchkreuzen, die nur zu oft den rabbinischen Gebetvorschriften auffallend widersprechen, doch eigentlich nur auf der Verschiedenheit der chassidischen Grundansicht über das Wesen und den Zweck des Gebetes überhaupt, beruhen. Nämlich, ob dem Gebete hauptsächlich ein subjectiver Zweck für den Betenden als Mitglied einer religiösen Gemeinde — zu vindiziren sei? — Bekanntlich nahm der Talmud das Gebet als einen Gottesdienst, d. h. als eine öffentliche Beurkundung des jüdisch-religiösen Lebens, das Gotteshaus als ein liebendes Band für alle Gemeindeglieder, worin sie ihre religiöse Gemeinschaft feiern, ihre Andacht an den Tag legen, und einer würdevollen Erbauung, durch den harmonischen Akkord des Einzelnen mit dem Gesammten genießen mögen. Das Gebet war ihm, — dem Talmud —, wie jede religiöse Feier ein Akt der Oeffentlichkeit, der nur als solcher seine Bedeutung hat, nicht blvS als Herzensbcdürfniß des Jndividui. Das Individuum war im Gotteshause als ein — zwar integrirender — Theil des Ganzen, es wurde in sofern beachtet, aber auch nicht mehr. Daher suchten die Rabbinen den Betenden, durch strikte Vorschriften, in Stellung, Haltung selbst Mienen und Empsindungsäußerungen") zu einem ästhetischwohlgefälligen Gegenstand zu formiren; damit er als solcher auf den Zuschauer bestens einwirke. Denn der Betende war im Gotteshause nicht nur da, um für sich zu beten, sondern vielmehr um in der Versammlung mirzuberen, (als Keines , "rmann bas" rrius rnus i©?n ba< rcsn). Diese richtige Ansicht konnte dem Chassidismus, der das Individuum als den höchsten Zweck seiner selbst (immer, *) dahin gehören: na©a 7©an vivan rrr.a Tutr» mr’Cs y©s"> inbsn s^ob© (nb nwis) nbcr?r ftnx (tp sts) ii bxaa 17 rbai p72*>;(a©) innasi tabai 'im na?:b ro-y itp© na aa?: i©an qis^ ,pmss iab ba T'T rr:?: (np miaa1*) nba?:b p'2' nan*>2 is*7 ■'asb laaa "17:721 , rpbittaofi ba rv'is'fi ('s p*7D na©) '721 2NS7. Was die Ehrfurcht vor dem Gotteshause betrifft, diene als Beispiel: '."2 7122 ©an mbp ans p:m: pat m©*n» ^nai nrc" pmo pari pbsix pari nbaa nmai bmm pinc noran n*>aa ppiSh (.ab nb;?:) '121 *tn: (bb 012*12) V'bna. Gegen Letzteres sündigen dir Chassidim stündlich.

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