Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1840)
- Date
- 1840-06-27
- Page
- Seite 377 (sequence 9)
- Language
- German
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o/ 7 mußte die Anhänglichkeit Vieler an dadurch Alter geheiligte Herkommen berücksichtigt werden; es ward darum auch der r-nnnpa-Gesang nicht weggelassen, sondern blos die Einrichtung getroffen, daß derselbe von den beiden Vorbttern, die alte Melodie kurz andeutend, wechselweise rezitirt wurde. — Nachdem die Tora's in die heil. Lade gestellt und das ünp2 nrxn urnn des Chors verklungen war, bestieg Herr Oberrabbine Dr. Frankel die Kanzel, verbreitete sich in einem kurzen aber inhaltvollen Vortrage über die Bedeutung des heutigen Festes, und suchte besonders die gewählten Textworte „ihr sollt mir ein Priesterrekch und ein heiliges Volk sein" darauf anzuwenden, wie wir unsre Gesinnungen adeln sollen und unser Streben dahin zu richten haben, die uns gewordene Offenbarung auf unsre Kinder üderzutrcrgen, damit das Wort Gottes durch unsre Nachkommen einst das Gemeingut aller Menschen werde und von Erkenntniß Gottes voll werde die ganze Erde, welches das Ziel unsrer heil. Religion sei. Passend ging er von da zur>Confirmation der Kinder über, welche bei uns jährlich am Wochenfeste erfolgt. Zwei Knaben und fünf Mädchen wurden heute konft'rmirt. Nach Beendigung der an sie gestellten, die wesentlichsten Punkte der israelitischen Glaubens- und Sittenlkhre enthaltenden Fragen, entließ der Oberrabbine jedes Kind mit einer seinem künftigen Lebensberufe entsprechenden Anrede und beendigte sodann seinen Vortrag mit einem allgemeinen Segenspruche, worauf ein, dem Johison'schen Gesangbuche entnommener deutscher Choral abgesungcn wurde, der Alle sehr ergriff, so daß auch viele.Zuhörer christl. Confession laut mit in den Gesang rinstimwten. — Es folgte nun das Muffafgedet, in dessen Wiederholung der Piut ribndn iina weggelassen mitbt und der Vorbeter sogleich mit dem letzten Satze mfcw ES ra begann. Aber was die ergreifendste Wirkung hervordrachte, sollte noch kommen. — Als der Vordeter mit erhobner Stimme, die zukünftige Herrlichkeit von Israels Gottesdienste erflehend, dre Worte aucsprach ünTnÄ ncm, da öffneten sich die Flügclthüren der Seitenhalle und mit gemessenem Schritte traten 14. Cohanim herein, in schwarzer Kleidung, Käppchen und weißen Talaren, naheten sich paarweise dem Allerheiligsten, welches sie andächtig bestiegen, sich daselbst angemessen gruppirten und zur Segenertheilung vorbereiteten. Das des Vorbeters erklang, der Israeliten-Chor in der Höhe erwiederte es mit den Worten -tojo 25'; der Cohanim- Chor am Allerheiligsten ließ harmonisch-wohitönend das WTp *vaa 'Dl, vernehmen, wobei der Jsraeliten-Chor mit ‘jra DD Ktrs und 1?28 einsiel. Und so ging es im Wechsclrezitanv und Gesang des Vorbeters, des Cohanim- und des Zsraeliten-'Chors bis zu dem Schlußworte rfct* fort. — Zn welche rief andächtige Stimmung dieser seej lenvolle, in dem schönen Gebäude lang wiedcrhallende j Gesang der beiden sich abwechselnden Chöre alle Anwe- I ftnde versetzte, ügt sich nicht beschreiben; Thraneu der innigsten Rührung entfielen fast allen Augen. Die zahlreich anwesenden Nichtisraeliten aller Stande stutzten; so etwas hatten sie nicht erwartet. Man konnte es wol Manchen ansehen, wir der Gedanke in ihnen aufstieg: „Zst dies das Volk, das trotz zweitausen dja hriger Schmach und Unterdrückung mit aller Würde sich wieder erhebt und den Segen seines ewigen Gottes so mild und warm aushaucht? Kann in Gefolge einer solch ehrwürdigen Religion wol etwas bestehen, das den Grundsätzen der ewigen Liebe widerspräche?" — Und auch der denkende Israelit ward in sich gekehrt, einen stillen Seufzer konnte er nicht erwehren und die Betrachtung nicht unterdrücken:?mab2N pp Vitt 'rr „O Ewiger, wenn ist endlich das Ende der Lcidenszeit? Thun wir nicht das Unsre? Streben wir nicht mir unfern geringen Kräften nach Möglichkeit dahin, Deinen Namen zu heiligen vor den Völkern, auf daß sie nicht mehr mit Schmähen und Verachtung auf uns und Deine heil. Religion Herabseyen? — O Allgewaltiger, schaue herab auf diese Schaar von Jünglingen. und Jungfrauen, die mit thranenden Blicken in warmer Begeisterung für Deine Religion, die Du uns offenbartest, täglich hier in diesen Tempelhallen weilen, sind sie je — seit Zions Zertrümmerung — so emsig, so gottessürchrig in so dichten Reihen vor Dir erschienen? Kehren wir nicht jetzt innig und wahrhaftig zu Dir zurück? Und noch kehrst Du nicht zu uns wieder; noch lassest Du Barbaren sich erheben und grausige Anklagen wälzen auf Dein Volk? Noch ist der Schlund des rohen Mittelalters nicht geschlossen; selbst ein mir befreundetes Volk, von dem die Sonne der Aufklärung aufging, — ein Volk, das zuerst unsre Fesseln brach, auch dieses sinnt wider mich und stehet zurück, wenn ich um Schutz es flehe! — Darum sei fortan Gott allein unser -Hort, dann wird kein Feind über uns-sich stürzen und wir ewiglich vor ihm uns auscechterhalten!" Der Gottesdienst am zweiten Festtage war ganz dem des ersten gleich; nur ward statt der Predigt ein kurzes deutsches Gebet gehalten, sodann Psalm 23 'n '■Dl ^na ab ergreifend rezitirt, woraus riiNDd folgte. — Vor der Einsetzung der Tora's in die heilige Lade ward am zweiten Tage Ps. 24. nach der bei der Einweihung executirten Weise abwechselnd vom Chore mit angebrachten Solopartieen sehr (reffend gesungen, auch war die Ausführung des Cohanim-Segen an diesem Tage wo möglich noch praciser als am ersten Tage zu nennen. — So stehe uns Gott ferner bei! Dresden, den 10. Juni 1840. B. B. 26