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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-06-20 · Heft 25 (20.6.1840) · p. Seite 367

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 25 (20.6.1840)
Date
1840-06-20
Page
Seite 367 (sequence 15)
Language
German
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567 „diesem aus erst 8, IO u. m. steinerne Stufen in das „Badegewölbe hinab, ehe man zu dem Wasserspiegel „kommt; hier muß die nackte Frau hinabsteigen, ist sie „unten angekommen, so muß sie bis über den Kopf un- „tertauchen, bleibt ein Härchen unbenetzt, so ist das Bad „ungültig, und muß wiederholt werden; daher befindet „sich meist auf der untersten Stufe eine Frau, die den „Kopf der Badenden untertaucht, falls durch Uebung sie „dies noch nicht selbst erlernt hat. Eine ganze Gemeinde, „zuweilen die Judenschaft einer ganzen Gegend besitzt „oft nur ein Bad. Das Wasser hat keinen Abfluß, da- „her die Reinigung nur mit höchster Mühe auch dann „nur unvollständig möglich ist. Krätzige, Phthisische, „Herpetische, Gichtische, .Syphilitische besuchen erfahrungs- „gemäß das Bad und können Ansteckungsstoffe verbrek- „ten. Das bringt den Gegenstand vor das Forum der „medicr'nischen Polizei. Das Wasser kann im Winter „und in schlechteren Anstalten in der Regel nicht er- „warmt werden, daher entstehen alle Krankheiten, die „von einem kalten Bade, in einem kalten Keller, bei zu „Rheumatismus und Gicht Geneigten, bei Herpetischen, „bei zu Blut- und Schlagflüssen Disponirten, bei Nervenschwachen, Verzärtelten und Ln vielen andren Umranden, ja oft bei ganz Gesunden zu entstehen pflegen; „dadurch wird der Gegenstand für den practischen Arzt „wichtig, obwol auch der erstere Punkt ihm nicht gleich- //gültig sein kann. In kleineren Orten bleibt das Was- „ser oft Jahrelang für alle Badende dasselbe, die schnurrigste Frau aus der Hefe des Volkes benutzt cs, so „wie die Reinlichkeit liebende und diese muß norhwen- „dig schon vor Ekel krank werden, wenn sie bedenkt, daß „sie Ln einer Eloake, die oft den Schmutz einer ganzen „Generation enthalt, baden soll. Drei Punkte sind es „also, durch welche vorzüglich die Schädlichkeit dieser „Bäder entsteht, I) durch Ekel,!l) durch Erkaltung, „Hl) durch Mittheilung eines Eontagiums. „Daß eine jede gut erzogene Israelitin beim Eintreten in ein solches Kellerbad, wenn sie anders die Ver» „hältnisse kennt, Ekel empfinden müsse, ist ebenso ein- „leuchtend, als daß sie sich auch darin erkalten könne, „zumal nach überstcindenem Wochenbette, bei reizbarem „Hautsysteme, bei schlechtem Wetter und im Winter, „bei nicht hinreichender Erwarmung br$ Wassers. Auch „sind Fälle bekannt geworden, wo durch solche Bader venerische Ansteckung erfolgte. Vor allen Dingen müssen „sich die Regierungen der Stütze annehmen, die Physiker //Müssen die Bader untersuchen und über die schlechten „berichten und auch die jüdischen Geistlichen müssen zur „Verbesserung des Bades durch richtige Aufklärung über „das Gesetz rc. das Ihrige beitragen. Die Verbesserung -/könnte nach Mombert auf folgende Weise geschehen: „1) Es müssen durchlöcherte Badewannen ins Was- /,ser hinabgelassen werden, die jedesmal, wenn sich' Je- /,mand badet, herausgehoben und gereinigt werden können. ,,ü) Es muß eine Pumpe angebracht werden, wo- „mit das Wasser öfters ausgepumpt wird, worauf dann „die Quelle von Schlamm u. dgl. befreiet werden kann. „Besser noch würde ein Ableitungscanal vorn Grunde „der Quelle aus hierzu dienen, doch ist die Ausführung „meist unmöglich. ,,H1) Es muß durch irgend eine Vorrichtung so viel „erwärmtes Wasser hinzugegossen werden können," daß „eine mittlere Temperatur herauskömmt. Die zwei letzten Punkte sind an manchen Orten schon eingeführt; „bei weitem in den meisten Quellbädern aber schüttet „man bloß einen Kessel voll heißen Wassers hinein, das „im Winter oft nicht hinreicht, die Eisdecke über der „Quelle zu schmelzen. Die angegebenen Reinigungsap- „parate können indessen die Gefahr einer möglichen An- „steckung vermindern, aber durchaus nicht beseitigen, besonders da, wo sehr viele Frauen ein und dasselbe Bad „besuchen; es müßte daher auch, nach der Größe der Ge? „meinden, die Anzahl der Bader bestimmt werden. „I)r. Braun giebt an, daß das Kellerbad der Jsrae- „litinnen nicht so nachtherlig sek, als Mombert angiebt, „und sagt: Wahrscheinlich war es jedesmal nur der zu- „fällige Rauch der das Bad beheizenden Feuer, oder der „Dunst der Kohlen, der durch Ungeschick der Wärter „eine oder die andre Frau belästigt hat. Uebrigens „wünscht er, daß auch Reinigungsdader für christliche „Weiber erbaut würden, und lobt mit Recht das Ba- „oen. Der Reinigungstrieb — sagt er — ist mehr oder „weniger jedem Lebenden eigen. Während sich das nie- „dre Thier im Schlamme walzt, sucht das edlere flie- „ßende Wasser, ja Quellen zur Abkühlung und Erquik- „kung. Der Mensch will bei solcher Reinigung nicht „bloß eine körperliche Waschung, sondern auch einen „Sinnengenuß, und findet dabei noch eine symbolische „Beziehung auf die Seele. Ein solches Bad soll eine „Wiedergeburt von körperlichen und physischen Verschlak- „kungen sein; das Erschlaffte sott erfrischt, gespannt, zum „Geschlechtsgenusse vorbereitet und tüchtig gemacht wer- „den an geweihetem Orte und auf religiöse Weise. Hat „sich aber einmal die Religion als Institut der Eultur „bei den Israeliten dieses Reinkgungsbades bemächtigt, „so muß sie auch demselben alle Eigenschaften ertheilen, „die von jener gefordert werden. Der Ort des Badens „darf ein verborgener, doch nicht eine Höhle des Schrek- „kens sein, der Aufenthalt in ihm sei freundlich einla- „dend, damit die zu Reinigende fröhlich die Umarmung „ihres Mannes suche, um deren willen sie sich gereinigt „hat. Die herrscherische Alte, bestimmt sie ein — und „wenn ein Härchen unbenetzt bleibt, zweimal unterzutau- „chen, werde mit einer wohlwollenden Begleiterin, die „mitbadet, vertauscht; das An- und Entkleidungsgemach „sei mit weichen Sitzen versehen, und gesondert von dem „Badezimmer, in dem sich immer ein feuchter Dunst befinden wird, dem durch Oessnung der Fenster Abzug

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