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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-06-20 · Heft 25 (20.6.1840) · p. Seite 361

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 25 (20.6.1840)
Date
1840-06-20
Page
Seite 361 (sequence 9)
Language
German
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561 Preußen. Wöllstein, I.Juni. (Privatmitth.) Es wunderte uns längst, daß in der Allg. Zeit. d. Jud., die mit so vieler Umsicht die Geschehnisse im Kreise unsrer Glaubensgenossen konrrollirt, und den ehrwürdigen Lehrern unsrer Religion so gern ein Wort des Andenkens spendet, das Absterben unsres Rabbinen, des Herrn Samuel Meyer Munk, das bereits am II. Januar d. I. statt gefunden, und so tiefe Betrübniß bei unsrer Gemeinde, wie in der ganzen Provinz, erweckte, so ganz unerwähnt geblieben. Dieser Greis, im 80sten Lebensjahre, im Listen seiner hiesigen Rabbinatsverwaltung verschieden, war eine der jetzt schon seltenen Erscheinungen, die mit tiefer talmudischer Gelehrsamkeit die unendlichste Wohlthätigkeit und lauterste Frömmigkeit verbinden. Vom weltlichen Leben entfernt, nur seinen Studien und Andachtsübungen hingegeben, Gutes wirkend, wo es sich darbot, tolerant in Gesinnungen, lebhaft in seinen Vorträgen, die er selbst bedauerte nicht in reiner Sprache halten zu können, hat er uns zwei Denkmale noch hinterlassen, einen Wohlthätigkeitsvercin, der mit Talmudvorträgen verbunden ist, und den Wiederaufbau unsrer baufällig gewordenen Synagoge, den er insonders bewirkte. Leider vermochte er nicht mehr der Grundsteinlegung (am 2. Mai v. I.) beizuwohnen, obgleich es ihm später eine kurze Wiedergenesung gestattete^ die Baustelle zu besuchen. Bei seinem Leichenbegängnisse fand zum ersten Male die eingeführte Trauerordnung ihre Anwendung. — Jetzt steht die Gemeinde in Unterhandlung mit einem norddeutschen Rabbinen, wird aber hier wol nicht ihren Wunsch realisirt sehen. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 9. Juni. Angekommen: Zehn Worte des Bundes oder die sogenannte» zehn Gebote ff. von S. L. Liepmannssohn. Detmold, 1840. Eine durchaus passende, katechetische Erklärung der zehn Gebote, Anleitung für Lehrer, diesen Gegenstand zu einem fruchtbaren für des Kindes religiösen Sinn zu machen, dei jedem Gebote mit anderen Bibelsprüchen zum Auswendiglernen versehen. — Pirke Abuth oder rabbinische Gnvmologie, aus dem Hebräischen neu übersetzt, mit deutschem Commentar, von I. Jacobson, Breslau, 1840. Der Vers., in Mislowitz (Oberschlesien) Lehrer, für feinen Beruf begeistert wke thatig wirksam, ist In seinem löblichen Streben, bei oft ungünstigen Verhältnissen, sehr zu ermuntern.. Die vorliegende Uebersetzung, wie auch die erklärenden Anmerkungin zeugen von tüchtigem Studium, von Scharfsinn und Gemüth, und, was seltener ist, von Geschmack. Sie werden dem Lehrer Winke und Fingerzeige geben, wie er sich nicht mit nacktem Uebersctzen bei seinen Schülern begnügen solle, sondern ethische und religiöse Auseinandersetzungen mit dem Gegebenen vorzunehmen habe, um Lust und Liebe, und den Trieb, weiter zu gehe», zu erwecke». — Ueber den Ursprung der wider die Juden erhobenen Beschuldigung, bei der Feier ihrer Ostern sich des Blutes zu bedienen. Von vr. Corve. Berlin, 1840. Selten ist in neueren Zeiten mit mehr Gründlichkeit, mit mehr Klarheit der Gedanken und schöner historischer Anschauung ein Gegenstand des Tagesgespräches behandelt worden, als in dieser Broschüre, für die wir dem Verfasser den besten Dank wissen müssen. Es hat hier weder Parteilichkeit für oder wider, noch .die ungestüme Hitze, di« verwundet anstatt zu heilen, die Feder geführt, sondern eine geschichtlich gebildete, philosophische Ruhe der Untersuchung, die in gewissenhafter Berücksichtigung aller Mo. mente zu den sichersten und in die Augen springendsten Resultaten führt. Der Verf. weist zuerst historisch nach, wie bei allen alten heidnischen Völkern Menschenopfer im Schwange waren, die erst späterer Kultur wichen. Alsdann daß seit der ältesten Zeit dem Blute eine gewisse Heilkraft zugeschrieben wurde. Hierauf zeigt er, wie das Heidenthum, aus jener Jdeenassociation heraus, dem entstehenden Ehristenthume Menschenopfer bei seinen geheimen gottesdienstlichen Zusammenkünfte« andichtete, und wie das siegreiche Christenthum, dem Judenthume gegenüber, diese Anschuldigungen auf das letztere übertrug. Endlich bringt der Berf. noch als drittes Moment die Sittenlosigkeit des Mittelalters heran, die sich mit dem Glauben an Zauberei, Magie die fürchterlichsten Verbrechen gestattete, und die im Dunkel ausgeführtcn, bei dem abscheulichen Zustande der Justiz, leicht den gehaßten Juden, deren Glauben Allen unbekannt war, unterschob. Hierauf erweist der Berf., daß, ohne die Juden von allen Lastern freizusprechen, dennoch die Sittenlosigkeit vermöge ihres strengen Gesetzes bei ihnen nicht in dem Maße vorhanden war, und daß neben vielem Aberglauben, ihnen dennoch der Glaube 4» Zauberei abging. Mit tüchtiger Quellenkenntniß weist der Verf. nun das hohe Alterthum solcher Anschuldigungen gegen die Juden nach, und führt die talmudischen und rabbinische» Gesetze an, wodurch den Juden der Genuß des Blutes ganz unmöglich war. Zuletzt führt er die Ansicht an, daß, da die Juden am Osterabende vier Becher Weines zu genießen haben, die möglichst aus rothem Wein bestehen sollten, zur Erinnerung an Pharaoh's blutigen Druck, dies ein Anknüpfungspunkt jener gehässigen Beschuldigung war, um so mehr, da der Ture-Sahab ausdrücklich de» Gebrauch rothen 2b*

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