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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-06-20 · Heft 25 (20.6.1840) · p. Seite 360

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 25 (20.6.1840)
Date
1840-06-20
Page
Seite 360 (sequence 8)
Language
German
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360 100 Franken, wenn man zu ihm käme mit einer Collecte für die Rettung seines Stammes! Es ist eine alte, klägliche, aber noch immer nicht abgenutzte Erfindung, daß man demjenigen, der zur Verteidigung der Juden seine Stimme erhebt, die unlautersten Geldmotive zuschreibt; ich bin überzeugt, nie har Israel Geld gegeben, wenn man ihm nicht gewaltsam die Zähne ausriß, wie zur Zeit der Valois. Als ich unlängst die Uiswire lies Juifs von Basnage durchblätterte, mußte ich herzlich lachen über die Naivetät, womit der Autor, welchen seine Gegner anklagten, als habe er Geld von den Juden empfangen, sich gegen solche Beschuldigung vertheidigte; ich glaube ihm aufs Wort, wenn er wehmüthig hinzusetzt: lo peuple sink est le peuple le plus ingrat qu’il y-ait au monde! Hie und da freilich gibt es Beispiele, daß die Eitelkeit die verstockten Taschen der Juden zu erschließen verstand, aber dann war ihre Liberalität noch widerwärtiger als ihre Knickerei. Ein ehemaliger preußischer Lieferant, welcher, anspielend auf seinen hebräischen Namen Moses (Moses heißt nämlich auf Deutsch „aus dem Wasser gezogen," auf Italienisch „ckel wäre") den dem letzter» entsprechenden klangvolleren Namen eines Baron .angenommen hat, stiftete hier vor einiger Zeit eine Erziehungsanstalt für verarmte junge Adelige, wozu er über anderthalb Millionen Francs aussetzte, eine noble That, die ihm im Fauxbourg Saint-Germain so hoch angerechnet wurde, daß dort selbst die stolzältesten Douairieren und die schnippisch jüngsten Fräulein jetzt nicht mehr laut über ihn spötteln. Hat dieser Edelmann aus dem Stamme David auch nur einen Pfennig beigesteuert bei einer Collecte für die Interessen der Juden? Ich möchte mich dafür verbürgen, daß ein anderer aus dem Wasser gezogener Baron, der im edlen Fauxbourg den Gentil - homme catholique und großen Schriftsteller spielt, weder mit seinem Gelde noch mit seiner Feder für die Stammeögenossen thätig war. Hier muß ich eine Bemerkung aussprechen, die vielleicht die bitterste. Unter den getauften Juden sind viele, die aus feiger Hypokrisie über Israel noch ärgere Mißreden 'führen, als dessen geborne Feinde. In derselben Weise pflegen gewisse Schriftsteller, um nicht an ihren Ursprung zu erinnern, sich über die Juden sehr schlecht oder gar nicht auszusprechen. Das ist eine bekannte, betrübsam lächerliche Erscheinung. Aber es mag nützlich sein, das Publikum jetzt besonders darauf aufmerksam zu machen, da nicht bloß in den erwähnten norddeutschen Blattern, sondern auch in einer weit bedeutenderen Zeitung, die Insinuation zu lesen war, als flösse alles, was zu Gunsten der Damascener Juden geschrieben worden aus jüdischen Quellen, als sei der österreichische Consul zu Damaskus ein Jude, als seien die übrigen Consuln dort, mit Ausnahme des französischen, lauter Juden. Wir kennen diese Taktik, wir erlebten sie bereits bei Gelegenheit des jungen Deutschlands. Nein, sämmtliche Consuln von Damaskus sind Christen, und daß der österreichische Consul dort nicht einmal jüdischen Ursprungs ist"), dafür bürgt uns eben die rücksichtslose, offene Weise, womit er die Juden gegen den französischen Consul in Schutz nahm; — was der letztere ist, wird die Zeit lehren. Deutschland. Hamburg, 5. Juni. (Privatmitth.) Am 25. Mai ward hier durch Rath» und Bürgerschluß gesetzlich bestimmt: daß zu der Zahl der hiesigen Notarien Einer oder Zweie von jüdischer Religion zulässig sein sollen; eine Concession, die uns nicht unwichtig erscheint, weil es die allererste ist, die wir erlangen und die wegen des Zusammentreffens mit Expropriationsgesetz und Eisenbahn-Concession vielleicht ein Anzeichen abgibt, daß Hamburgs Bürger endlich einmal vom alten Schlendrian abgehen wollen. Von unseren 4 Kirchspielen war nur Eines dagegen, weil ein alter Jurist darin argumentirte, dies wäre der erste, wenn auch nur kleine Schritt zur Emancipation, und man müsse schon den Keim ersticken. Gebe Gott, er habe recht geschaut! Daß der „gewöhnliche hiesige Correspondent dieser Zeitung" auf den vehementen Ausfall der 9 Tempelherren nicht vollständig antwortet, werden die Leser ihm hoffentlich verzeihen. Da hier in Hamburg Jedermann den Hergang kennt, so weiß auch jeder, wer hier „Wahrheit und Gerechtigkeit verläugnet" hat. Ueberdieß: warum sollte man nicht so menschlich sein, den, ich wollte sagen dem Besiegten die kleine Retirade zu gönnen? ' *) Neuere Nachrichten versichern mit Bestimmtheit, Herr Merlato sei keineswegs Jude, sonvern Katholik.

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