Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1840)
- Date
- 1840-06-20
- Page
- Seite 359 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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359 ters unbeleuchtet, enthalten uns auch aller Untersuchung der Damastener Vorgänge; nur über das, was in Beziehung derselben von den hiesigen Juden und der hiesigen Presse gesagt wurde, erlauben wir uns einige berichtigende Bemerkungen. Aber auch! bei dieser Aufgabe leitet uns mehr das Interesse der! Wahrheit als der Personen; und was gar die Ju- , den betrifft, so ist es möglich, daß unser Zeugniß! eher gegen sie als für sie spräche. — Wahrlich, wir würden die Juden von Paris eher loben als tadeln, wenn sie, wie die erwähnten norddeutschen Blätter meldeten, für ihre unglücklichen Glaubensbrüder in Damaskus einen so großen Eifer an den Lag legten uyd zur Ehrenrettung ihrer verleumdeten Religion keine Geldopfer scheuten. Aber es ist nicht der Fall. Die Juden in Frankreich sind schon zu lange emancipirt, als daß die Stammesbande nicht sehr gelokkert wären, sie sind fast ganz untergegangen, oder, besser gesagt, aufgegangen in der französischen Nationalität; sie sind gerade eben solche Franzosen wie die andern, und ,haben also auch Anwandlungen von Enthusiasmus, die 24 Stunden, und, wenn die Sonne heiß ist, sogar drei Tage dauern! — und das gilt von den Bessern. Viele unter ihnen üben noch den jüdischen Cerimonialdienst, den äußerlichen Cultus, mechanisch, ohne zu wissen warum, aus alter Gewohnheit; von innerm Glauben keine Spur, denn in der Synagoge ebenso wie in der christlichen Kirche hat die witzige Säure der Voltaire'- schen Kritik zerstörend gewirkt. Bei den französischen Juden, wie bei den übrigen Franzosen, ist das Gold der Gott des Tages und die Industrie ist die herrschende Religion. In dieser Beziehung dürste man die hiesigen Juden in zwei Secten eintheilen: in. die Secte der rive droite und die Secte der rivegauche; diese Namen haben nämlich Bezug auf die beiden Eisenbahnen, welche, die. eine längs dem rechten Seineufer, die andere dem linken Ufer entlang, nach Versailles führen, und von zwei berühmten Finanzrabbinen geleitet werden, die mit einander eben so divergirend hadern, wie einst Rabbi Samai und Rabbi Hillel in der älteren Stadt Babylon. — Wir müssen dem Großrabbi der rive droit«, dem Baron Rothschild, die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß er für das Haus Israel eine edlere Sympathie an den Lag legte als sein schriftgelehrter Antagonist, der Großrabbi der rive gauche, Herr Benoit Fould, der, während in Syrien, auf Anreizung eines französischen Consuls, seine Glaubensbrüder gefoltert und gewürgt wurden, mit der unerschütterlichen Seelenruhe eines Hillel, in der französischen Deputirtenkammer einige schöne Reden hielt über die Conversion der Renten und den Disconto der Bank. — Das Interesse, welches die hiesigen Juden an der Tragödie von Damaskus nahmen, reducirt sich auf sehr geringfügige Manifestationen. Das israelitische Con, sistorium, in der lauen Weise aller Körperschaften, versammelte sich und deliberirte: das einzige Resultat dieser Deliberationen war die Meinung, daß man die Actenstücke des Protestes zur öffentlichen Kunde bringen müsse. Herr Cremieux, der berühmte Advocat, welcher nicht bloß den Juden, sondern den Unterdrückten aller Confessionen und aller Docmnen, zu jeder Zeit seine großmüthige Beredsamkeit gewidmet, unterzog sich der obenerwähnten Publication, und mit Ausnahme einer schönen Frau und einiger jungen Gelehrten, ist wol Herr Cremieux der einzige in Paris, der sich der Sache Israels thätig annahm. Mit der größten Aufopferung seiner persönlichen Interessen, mit Verachtung jeder lauernden Hinterlist, , trat er den gehässigsten Insinuationen rücksichtslos entgegen, und erbot sich sogar nach Aegypten zu reisen, wenn dort der Proceß der Damastener Juden vor das Tribunal des Pascha Mehemed Ali gezogen werden sollte. Der ungetreue Berichterstatter in den erwähnten Norddeutschen Blättern insinuirt, mit perfider Nebenbemerkung, daß Herr Cremieux die Entgegnung, womit er die falschen Missionsberichte in den hiesigen Zeitungen zu entkräften wußte, als Inserat druckte und die übliche Gebühr dafür entrichtete. Wir wissen aus sicherer Quelle, daß die Journalredactionen sich bereitwillig erklärten, jene Entgegnung ganz gebührfrei einzurücken, wenn man einige Tage warten wolle, und nur auf Verlangen des schleunigsten Abdrucks berechneten einige Redactionen die Kosten eines Supplementblattes, die wahrlich nicht von großem Belange, wenn man die Geldkraste des israelitischen Conflstoriums bedenkt. Die Geldkräfte der Juden sind in der Lhat groß, aber die Erfahrung lehrt, daß ihr Geiz noch weit größer ist. Eines der hochgeschätztesten Mitglieder des hiesigen Consistoriums — man schätzt ihn nämlich auf einige 30 Millionen Francs — Herr W. de.. gäbe vielleicht keine