Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1840)
- Date
- 1840-06-20
- Page
- Seite 357 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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357 Sohn eben so wenig als ich. Ich zittere, wenn ich denke, daß man das schrecklichste Verbrechen in den Augen eines Ehrenmannes , mir, zuschieben kann. Was die Behauptung betrifft, daß dies Verbrechen von einem religiösen Gebot herrührt, dies ist eine unglaubliche Niedrigkeit, es ist Unvernunft, es ist Verleumdung in den Augen jedes aufgeklärten Menschen. Wie könnte man nur auch zugeben, daß 7 Kausleute Gemeinschaft gemacht haben, um eine solche Lasterthat in Gegenwart eines niedrigen Domestiken auszuüben? Nach dieser Erklärung ist er auf 25 Tage eingesperrt worden, ohne daß man sonst noch eine Frage an ihn richtete; sei es, daß nach der Meinung der Verfolger Beweis genug gegen ihn da war, sei es, daß man die 4 andern Angeklagten zu ermitteln hofft, sei es, daß der Gouverneur selbst die letzten Berichte der beiden Denuncianten für unwahrscheinlich hält. Das Gerücht verbreitet sich wirklich, daß Se. Excellenz insgeheim den Mohamed Effendi Vorkommen ließ (es ist Mussa Abulaffa) den einen der angeblichen Sträflinge, der sein Verbrechen bekannt hat und zum Islam übertrat. Er hat ihn mit Sanftmuth ausgefragt, er hat ihn von neuem gefragt, ob das Verbrechen wirklich begangen worden ist. Efsendi hat anfangs sein Geständniß bestätigt. Hieraus hielt Se. Excellenz sein Schnupftuch hin als Zeichen des Schutzes, und die rechte Hand auf dem Koran, er schwur bei diesem heiligen Buche und beim Leben Se. Hoheit des Vicekönigs, dem Mohamed Effendi, daß er auch nicht ein Haar aus dem Kopse verlieren würde, wenn er die Wahrheit sagt. Hieraus nahm der Unglückliche alles zurück; er sagte, daß die Macht der Qualen ihm unwahre Erklärungen erpreßt habe; daß er in der That auch nicht ein Wort von dem vermeintlichen Morde wisse, daß er sein Alibi beweisen kann in Hinsicht der Stunde und des Orts, wo dieses Verbrechen begangen worden sein soll. Man spricht von einer ähnlichen Widerrufung ' eines andern Angeklagten, aber ich kann diesen Umstand nicht positiv behaupten. Soweit ist der Prozeß geschlossen, gestaltet und verbessert, der Hauptredakteur ist der berühmte Scibli- Ajab, der unter dem Vorwände der Pest in dem französischen Consulat eingeschloffen blieb. Es würde mich nicht wundern, wenn man in dem gewissenhaften Berichte nicht die geringste Erwähnung von den gehässigen Torturen that, welche die Angeklagten erleiden mußten. Aber man braucht nur diese entstellten Körper zu sehen! Ach! wenn man sie sieht trifft nicht blos ihren Obern der Tadel, sondern eine öffentliche Schande harret der-Inquisitoren. Die Humanität, die Philantropie, die Gerechtigkeit fordern vom Vicekönig ein Ende für alle diese Schrecken. Der persönliche Haß, die blinde Leidenschaft, das Privatinteresse, der kaufmännische Neid haben nur einen zu freien Spielraum gehabt. Andrer Bericht vom 22. April. Die Qualen der beschuldigten Unglücklichen haben aufgehört. Sie erwarten künftig ihren Trost in der Wahl eines unpartheiischen Tribunals; sonst würden sie schwerlich aus der tiefen Schwermuth sich erholen, in die sie die Erbitterung ihrer Feinde versetzt hat. Es vergeht kein Tag, daß die Juden nicht von dummen Christen schwer verletzt werden, die zu sehr auf Hanna Bachary Bey rechnen. (Hier führt der Consul mehrere Thatsachen an, deren Erwähnung nutzlos wäre.) Den 21. dieses Monats dachte der franz. Consul und der Generalgouverneur an eine neue Verisikation der angeblichen Reste des Vaters Thomas. Man hat dazu zum französischen Consulat die 3 ersten Aerzte berufen, die im Anfänge herbeigeholt waren; man will die ausgegrabenen Reste ineine Kiste legen, die versiegelt der medizinischen Akademie zu Paris übergeben werden soll, damit bestimmt werde, ob es menschliche Gebeine oder thierische sind. Diese Maßregel hat der gelehrte Arzt M. Legnasso im Anfänge in Vorschlag gebracht, nehmlich in dem Augenblick, wo er frei und offen erklärte, daß es Knochen von Thieren sind. Der Graf von Ratti-Menton sing darauf zu lachen an, und sagte: Ah'. Bah! Auszug aus einem Schreiben des Herrn von Laurin. Alexandrien, 26. April. Der Proceß nimmt für die Juden eine sehr günstige Wendung. Der Barbier erklärt, daß zu seiner Erklärung gegen die israelitischen Kaufleute, er durch Mohammed el Telli verleitet worden. Dieser hatte ihm erklärt, daß, wenn er zu leugnen fortführe, er bis zum Tode gemartert werden würde.