Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1840)
- Date
- 1840-06-20
- Page
- Seite 356 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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356 Leiden der unglücklichen Israeliten ein Ende nehmen. | Den 2. gab Se. Hoheit den Befehl, den wir selbst > durch einen auf einem Dromedar reitenden Courier j befördert haben. Mehemet's Worte lauten: wie wir erfahren, verfolgen gewisse Christen, die Macht in Händen baden, unsre jüdischen Unterthanen zu Damast, worüber vergebens bei Ihnen Klage geführt worden ist. Dergleichen Angriffe mißfallen uns, und stimmen nicht mit unsrem Wunsche überein. Ich befehle ihnen daher dafür zu sorgen, daß sich dieselben nicht wiederholen." „Ein aus Se. Hoheit, und ans den österreichischen, russischen, preußischen und englischen Consuln bestehendes Tribunal wird das Urtheil sprechen. Man behauptet, daß der französische Consul Cochelet es versuchte, Einwand gegen diesen Plan zu erheben; Se. Hoheit blieb aber dem Entschlüsse treu." Was man mir von allen Seiten über das Betragen des Grasen Ratti-Menton schreibt, mag ich nicht der Oeffentlichkeit übergeben. Ich habe den Bericht des östreichischen Consuls Mcrlato veröffentlicht. Der Fehdehandschuh ist dem französischen Consul zugeworfen, und er wird ihn gewiß nicht verschmähen aufzuheben. Eine Schamröthe bedeckt uns wenn wir in allen unsren Briefen die Ausdrücke lesen, die für Frankreich so ehrenvoll sind, seinen Repräsentanten in Damast aber zur Verzweiflung bringen müssen. — Bericht des Herrn Merlato, östr. Konsuls in Damaskus, an Herrn von Laurin, östr. Generalkonsul in Alexandrien, vom 17. April. „Es gewährt mir eine angenehme Beruhigung, daß ich die von Ihnen dargelegten Ansichten gleich im Anfänge mit Ihnen theilte, als ich die gegen die unglücklichen Israeliten seit dem Verschwinden des Vaters Thomas erhobene Anklage vernahm. Ihre edlen Gesinnungen rühren zwar von den geschichtlichen Erinnerungen her, mit denen Ihr aufgeklärter Geist sehr vertraut ist; meine Meinung aber beruht auf moralischen Folgerungen, denen der gesellschaftliche Zustand der Angeklagten, und die barbarische Behandlung, die sie ertragen mußten, zum Maßstab dienten." „Ew. Excellenz haben aus meinen frühcrn Berichten erfahren, wie 7 der vornehmsten Israeliten, die des Mordes angeklagt wurden, den schrecklichsten Torturen preisgegeben worden sind; wie man auf diese Weise, trotz der Bctheuerung ihrer Unschuld, ihnen das Geständniß eines Verbrechens entlocken wollte, das sie von sich ablehnten, wie endlich 2 dieser Unglücklichen unter den grausamsten Strafen ihren Geist aufgaben. Die barbarischen Martern, die die 5 andern erleiden mußten, sind so entsetzlich, daß nur ein Wunder Gottes ihnen den Lcbensodem noch erhalten konnte. Man hat ihnen Spießruthen gegeben, man hat sie Stunden lang in kaltem Wasser stehen lassen, man hat ihnen die Geschlechtstheile auf eine grausame Weise eingeklemmt und sie in Stücke gerissen. Ach! man hörte weit das Geschrei und die Seufzer der Leidenden. Man hat ihnen die Ohren abgeschnitten, das Gesicht ihnen abgcschunden, mit einem warmen Eisen das Kinn, den Bart und die Nase gebrannt. Holdaten stampften laut dem ihnen gegebenen Befehle auf ihren ausgestreckten Körpern. Einem dieser Unglücklichen, Mussa Salonicli, hat man eine andere Strafe bestimmt, man hat ihm kleine Zangen in das Fleisch gesteckt, zwischen den Nageln der Füße und der Hände." „Und alle diese Torturen hat man bis zum Geständniß der Strafbarkeit angewandt, wenigstens des größten Theils. Salonicli hat inmitten der heftigsten Schmerzen, den Henkern bis Freitag Abend hingegeben, unerschrocken seine Unschuld behauptet; er hat immer mit einer heroischen Entschlossenheit die Erklärung abgegeben, daß kein Schmerz ihm das Geständniß eines Verbrechens entlocken wird, das er nicht begangen, und das seine Religion sehr streng verbietet." Ich komme zu den 7 andern, die des Mordes des Domestiken angeklagt werden, worunter man Isaac de Piccioto, einen österreichischen Unterthan, zählte. Ich hatte schon die Ehre Ihnen zu schreiben, wie man zur Verhaftung des Astan Tahri kam, und wie man durch Martern diesem armen und schwächlichen jungen Mann sein absurdes Bekenntniß erpreßte. In meinem Berichte No. 102 werden Ew. Excellenz die Details der Arretirung Meyr Farhi's gefunden haben. Vergebens hat man ihm gedroht, ihn so wie die Andern zu behandeln, er hat so schön geantwortet: Das Verbrechen, dessen ihr mich beschuldigt, ist mir nicht einmal bekannt. Ich bin im vorgerückten Alter; nie habe ich Jemandem, wer es auch sei, einen Grund zur Anklage gegeben, mein