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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-06-20 · Heft 25 (20.6.1840) · p. Seite 354

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 25 (20.6.1840)
Date
1840-06-20
Page
Seite 354 (sequence 2)
Language
German
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554 Als ein solches Dokument betrachte ich auch den Brief, des Oesterreichischen Konsuls in Damaskus , Herrn Merlato, an seinen hier ansässigen Schwiegervater, den geachteten Kaufmann Premuda. Ich verdanke Freundes Hand, mit der Erlaubniß zur Veröffentlichung, eine Abschrift des Jtaliänischen Originals, welches ich in wörtlicher Uebersetzung Unten folgen lasse. Was in diesem Schreiben nur kurz angedeutet ist, wird durch den ofsiciellen Bericht des Herrn Merlato klarer, und aus beiden Schriften geht deutlich hervor, wie man bei dem ganzen Prozesse zu Werke gegangen. — Ich überlasse es dem gesunden Urtheile des Lesers, zu entscheiden, ob es denkbar sei, daß sich die Israeliten des Blutes, und zumal des Menschenblutes, zu ihrer Mazzah (ungesäuertes Brod) bedienen, die nach der Vorschrift des Tylmuds aus nichts als reinem Quellwaffer und Mehl, ohne irgend eine andere Zuthat, bestehen darf. Ich glaube dem Leser sagen zu müssen, daß der Haupt-Rädelsführer und der eigentliche (leider einflußreiche) Blutrichter der Damastener Juden Hanna Bachari ist. Hanna Bachari, in oder bei Damaskus geboren, hatte sich unter Abdallah Pascha, dem früheren Pascha von Acre, mancher Unterschleife zu Schulden kommen lassen und wurde des Landes verwiesen. Bewährt durch seine Mittel, den Levantinern so zu sagen das Blut auszusaugen, wurde er später von Mehmed Ali und von Ibrahim Pascha um so eher und williger mit offenen Armen ausgenommen, als man sich seiner auch zu anderen Zwecken gegen Abdallah bedienen konnte. Als er von Abdallah entfernt wurde, da jubelten Christen und Juden, eines so schändlichen Menschen los geworden zu sein; aber dieser Mensch hatte ihnen damals blutige Rache geschworen. Der Zeitpunkt, dieselbe zu üben, ist gekommen, und da er gegen jene nicht aufzutreten wagte, so läßt er nun sein ganzes Gift an diesen aus. Dieses Scheusal soll die Juden richten, und wer wird Gnade oder Recht von ihm erwarten? Schreiben des Konsuls Herrn Merlato an Herrn Premuda in Triest. Damaskus, 2». April. Werthgeschätzter Schwiegervater! Ungewöhnliche und ernste Berufs-Geschäfte hinderten und hindern mich noch immer, Ihnen, so viel ich wollte, zu schreiben. — Der hiesige General-Gouverneur, Scherif Pascha, der Hanna Bachari Bey, der Französische Konsul, Herr von Rattimenton, der Englische Konsul, Herr Werry, Herr Beaudin und zwei oder drei andere Europäische Christen, die Franziskaner, die Arabischen Priester und Mönche und die ganze hiesige fanatische' christliche Bevölkerung wollten alle hier ansässige Israeliten, zuvörderst aber die wohlhabensten derselben unter dem'Vorwande hinopfern (sacrificare), daß sie aus religiösen Ursachen den Kapuziner-Mönch und dessen Bedienten, welche plötzlich am Abend des 5. Februar l. I. verschwunden waren, aus dem Wege geräumt haben. — Mit zu den 14 des Mordes bezüchtigten Individuen wollte man auch den Oesterreichischen Unterthan, Jsak di Picciotti, Neffen unseres General-Konsuls in Aleppo, zählen. — Schon aus Philanthropie mochte ich an einem geheimen, unmenschlichen Bunde (orrida trama) nicht Theil nehmen, der gegen diese Unglücklichen geschlossen wurde. Außerdem hielt ich es auch für meine Pflicht, unserem Landsmann jeden möglichen Schutz angedeihen zu lassen, und trat freimüthig und offen gegen das barbarische und unnatürliche Vorhaben auf. Darob hatte ich aber viele Beleidigungen und große Unbill auszustehen. Der gemeine christliche Haufe (la turba cristiana) überhäufte mich mit Flüchen, aber Gott verlieh, mir Kraft, den schweren Kampf zu bestehen, und mit seiner Hülfe hoffe ich den besten Erfolg, und ich wage es zu sagen, den verdienten Triumph. In Folge dieses eigenen und außergewöhnlichen Ereignisses wird mein armer Name (il Mio povero nome) in den öffentlichen Blättern und in den geschichtlichen Memoire«), welche gegenwärtig geschrieben werden, ins Gerede kommen, und meine Handlung je nach der verschiedenen Denkungsart der Verfasser verschiedenartig gedeutet und ausgelegt werden. Der Desterreichische Konsul, Herr Laurin in Alexandria, hat indeß alle meine Schritte gut geheißen. — Ein geistreicher in diesem Augenblick hier lebender Deutscher Schriftsteller will meine Rechtfertigung in der Allg. Zeitung von Augsburg übernehmen. *) — Ein protestantischer Missionair *) Die Redaction hat nichts erhalten; indessen hören wir, der Königl. Baieri'sche Major von Heilbronner, schon durch ein früheres Rcisewerk bekannt, habe sich zu jener Zeit gerade in Damaskus befunden. Wir sind bei seiner für die. nächsten Monate wol bevorstehenden Rückkehr aus dem Orient auf sein Urtheil — als das eines höchst unbefangenen, erfahrungsreichen Beobachters — begierig. (Anmerk, der Allg. Zlg.)

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