Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1840)
- Date
- 1840-06-13
- Page
- Seite 346 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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546 besser von Leipzig beziehen. Kein Zweifel, daß ein großer Thkil der Juden nun sich den Gewerken zuwenden werde; nur wäre zu wünschen, daß sie keine Hindernisse , von Seite der Zunft oder anders woher, in der freien Handthierung zurückhatten möge/, damit auch wir bald eine Handwerks-Industrie haben könnten, die dieses Namens würdig ist. — Was den Handel betrifft, so glaube ich, daß auch dieser unter den neuen Verhältnissen nur gewinnen könne, da er von vielen, dazu untauglichen und somit zum Betrügen gezwungenen Menschen befreit wird. Redlichkeit ist die Grunvstütze des Handels im Großen und der mäßige Gewinn muß dem klugen Kaufmanns, dem an Ehre und Zutrauen, d. h. Credit liegt, genügen. Der Betrug und Wucher — bis auf 200 pro Cent, — war bisher unter den Juden nicht selten, weil zu Viele auf den einen Ecwerbszweig gedrängt waren. Jetzt, da sich die Zahl der Hausirer und Dorfgeher vermindern wird, ist zu erwarten, daß der Handel einen festeren Grund gewinnen wird. Festgesetzte Preise können das Zutrauen des Kausens bedeutend sichern. Und dadurch, daß die Anzahl der Kausleute beschrankt wird, ist der Betrug entbehrlich. — Ich resumire das Ganz?, bisher Gesagte in folgendem: So wie jeder gut- -und rechtschaffene Mensch sich nothgedrungen freuen muß, die unwürdigen Fesseln seines Mitmenschen gelöst zu sehen: so muß es auch der Ungar, in dem st-lzen Bewußtsein, jetzt eine menschlichgroße That in seinem Vaterlande vollbracht zu haben; — so wie die Entfesselung gebundener Kraft überall zur Schöpferin glücklicher Werke ward: so wird es auch in unsrem theuern Vaterlande mit der Befreiung der Juden der Fall sein; — so wie die Unthatigkeit aller Orten Armuth, die Arbeitsamkeit hingegen Wohlstand herbeiführt: eben so wird die freie Thätigkeit der Juden für sie und unser Vaterland zur Quelle des Rerchthums werden. Denn es bleibt Thatsache, daß die Wohlhabenden die thätigen Armen bereichern, während die müßigen Bettler auch die Reichen zu Grunde richten. Der Wohlhabende beschäftigt den Pcoducenten, den Handwerker, Künstler und Kaufmann: aber der Arme ist sich und Andern zur Last.-Recht und Arbeit sind das Losungswort des menschlichen Heils. Und nun, zum Schlüsse, noch einige Worte an unsre neuen Mitbürger.- Juden! oder besser gesagt, Ihr Ungarn, die Ihr zum mosaischen Glauben Euch bekennt, Euch hat sich ein neues Vaterland zugewandt, dessen Freuden Ihr genießen, dessen Leiden auch Ihr theilen sollt. Nicht seid Ihr mehr die Stiefkinder dieses Landes. Bedenket, daß,' was uns nützlich, auch Euch heilbringmd, was uns nachtheilig, auch Euch gefahrdräuend sei. Seid Kinder der Nation mit Herz und Seele; erforschet den Gang der Nation und schreitet vorwärts auf dem aufgesundenen Pfade. Das Vaterland verlangt von Euch keine Opfer, außer denn es wäre die Zeit der Gefahr da; der Gefahr, die eine allgemeine ist; denn was das Vaterland betrifft, das betrifft ja uns selbst; und was uns widerfahrt, das widerfahrt dem Vaterlande. -Glaubet aber nicht, daß das Werk schon vollendet sei und Ihr am Ziele: der Zeitgeist ist im Borwartsschreiten begriffen; hier ist jeder Halt dem Verluste gleich zu achten; das Bessere das Zweckmäßigere, das „Gerechtere" muß ohne Rast gesucht werden; um es zu erforschen, müssen alle Sinne wach, muß unsre Aufmerksamkeit rege, unser Urtheil rege erhalten werden. Wir sind nicht schlechter als andre, warum sollten wir hinter ihnen Zurückbleiben?? Ich glaube, es naht sich schon die Zeit, wo wir glücklich sein werden; denn wir begannen eben unser wahres Interesse zu erfassen. Auf Eines, neue Mitbürger, will ich Euch hauptsächlich aufmerksam machen. Betrachtet die ungarische Sprache als den Leitstern und Schutzengel der nationellen Einheit. Seid eifrig in der Magyarisirung. Es ist das einzige, was Euer Vaterland, zu seinem, zu Euerm eignen Heile, von Euch verlangt. Bildet und betreibt die neue Sprache, die der Mosis's so nahverwandt ist und deren Wiege nicht weit vom Ararat zu suchen. So sei die ungarische Sprache für uns jener Ararat, an welchem wir das Schiff unsrer bürgerlichen Verfassung, das mit allen Schätzen der Gerechtigkeit, Thätigkeit und Nächstenliebe reich ausgestattet ist, anknüpfen wollen. ketvr Vajda. Tages-Controle. lieber das Zudenwesen im Großherzogthnm Posen. Erster Artikel. (Eingesandt.) Es ist eine anerkannte, durch Erfahrung bestätigte Wahrheit: daß Gesetze einen vortrefflichen Geist haben, und doch ihren Zweck nicht erreichen, ja ihren endlichen und letzten Zweck ganz und gar verfehlen können, wenn der lebendig machende Geist bei denjenigen ermangelt, die sie handhaben und aussühren sollen Und daß die allerbeste Einrichtung an der Unkunde, Unwissenheit und Trägheit derer, die sie verwirklichen sollen, ebenso, ja oft weit mehr, als an ihrem bösen Willen scheitert. Das Gesetz vom 1. Juni 1833: „die neue Organisarion des israelitischen Gemeinwesens im Großherzogthume Posen betreffend," legt die Verwaltung des israelitischen Gemeinwesens in die Hände der, aus der. Mitte der Corporation selbst erwählten