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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-06-13 · Heft 24 (13.6.1840) · p. Seite 345

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 24 (13.6.1840)
Date
1840-06-13
Page
Seite 345 (sequence 9)
Language
German
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545 Ganz sicher gerketh es den Juden zum Nachthekl, daß sie ihre Kräfte und Talente nicht dort in Thätigkeit setzen durften, wo sie am zweckmäßigsten gedient hätten: aber dieser Schaden rückwirkte auch auf das Land, deffen Gesammtwohl von dem Wohle der Einzelnen abhängig bleibt. Ja, noch mehr; nicht nur daß beide Parteien, Jud und Christ, nicht eintrachtiglich zusammenwirkten: stellten sie vielmehr ihre beiderseitigen Interessen in Opposition. Der Unterdrücker will tyrannisiren: der Bezwungene hingegen aussiloutiren; jener ist gewaltthatig: dieser nimmt zur List seine Zuflucht. Der Bottich wird mcht voll, wenn der Eine austeert, wahrend der Anhre einschöpst; der Wagen kömmt nicht von der Stelle, wenn die Pferde in entgegengesetzten Richtungen ziehen: der Staatszweck wird nicht erreicht, wenn die Parteien streng gesonderten und entgegengesetzten Interessen nachjagen. Der Verstand findet auf dem Gebiete industrieller Thatigkeit keine Granzen. Rastlos forscht, entdeckt und combinirt er. Das durfte der .Jude nicht; er war gezwungen Geld und Verstand auf den Handel zu wenden, und so kam es, daß, bei der christlich-thorenhasten Ansicht, als sei der Handel ein unehrenhaftes Gewerbe, derselbe zum Monopol der Juden ward, in deren Händen sich nun das beweglichste, angenehmste und heißgesuchteste der Güter: das Gold, befand. Die Monopole Stellung aber ist, dem Kaufer-Publicum gegenüber, gefährlich. Der gedrückte und aller bürgerlichen Rechte schmälich beraubte Jude bereicherte sich auf Kosten der übrigen Bürger. So entstand jenes vielfache Unheil der Verarmung, des Schuldverfalls und der Verpfändung, das so manchen Bürger und Grundherrn traf; ein Unheil, mittelbar von drn Unterdrückern angeregt. Doch, weg von diesen Betrachtungen! ich will ja von der Morgenröthe sprechen, welche durch die Gerechtigkeitsliebe der Ungarn, an dem Himmel jener unglücklichen Nation soll heranaeführt werden. Mit Stolz will ich sprechen von jener Nation, die an den Gestaden der Theiß und Donau wohnt; von jener Nation, die viel Bittres aus dem reichen Schicksalskelche geschlürft hat, da äußere und innere Feinde ihrem Herzen blutige Wunden geschlagen; die von der großen Völkercharte beinahe verschwunden wäre, weil der Ruf ihres Seins nicht über die Landesgränzen erklang. Doch es glanzt das ewige Leben an ihrer Stirne! Es lebe der Landtag des Jahres 1840! Ich will das viele Gute, das diesem gleich duftenden Pflanzenkeimen der jungen Erde, entsprießen wird, unberührt lassen und zum Gegenstände zurückkommen.-Der jüdische und der christliche Bewohner Ungarns, sie haben gleiche Ursache, sich der neuen Lage der Dinge zu freuen. Der Jude ward Bürger: also Mensch, mit allen dessen Freiheitsrechten. Die Schranken sind ihm alle geöffnet; ec trete ein seine Kräfte zu üben, zu streben, zu wirken. Bon seiner Stirne ist das Brandmal der Verachtung genommen; ihm ist ein Vaterland gegeben worden, das ihn, wie einen theuern, den übrigen gleichen Sohn, freudig begrüßt; unter den Lebensgütern wähle er nach Wunsch und Verstand, nach Tauglichkeit und nach dem Bewußtsein seiner Kraft, und genieße in dem Bewußtsein seines Rechtes! Diesen Genuß werden die Juden wot zu schätzen wissen; sie werden bald den Werth Freiheit schätzen lernen. So freut man sich der Gesundheit doppelt, nach überstandner Krankheit; so liebt der den Reichthum desto mehr, der in Kummer und Noth geschmachtet: — so auch verehrt der die Freiheit desto wärmer, der kurz zuvor, an Leib und Seele Fesseln trug. Ich hatte es für nothwendig, noch einige Worte an meine christlichen Mitbürger in Ungarn zu richten. Wenn irgend ein krankes Glied des menschlichen Körpers geheilt wird, gewinnt der ganze Körper dadurch; ebenso verhält es sich mit dem großen Staatskörper. Die Juden waren der wunde Punkt unsres Staatsvereins; ihre nunmehrige Emancipation ist als Heilung anzusehn, die sicher vom besten Erfolge für das Gesammtwohl sein wird. Das Land gewinnt an den freien Juden Tausende thatige Menschen, die, dem Müßiggänge fern, unmittelbar sich, mittelbar das Bürger- Wohl fördern werden. Wir besitzen ein glückliches, von der Vorsehung reich begabtes Land; aber die Wohlthat der Natur muß durch menschliche Thätigkeit belebt werden; und dazu sind freithätige Hände ebenso nothwendig , als der fruchtbare Schoos der Muttererde. Die Natur war bei Schöpfung unsres Landes freigebig, bis zur Verschwendung: doch es fehlten bisher noch die betriebsamen Hände, die ihre Wohlthaten zu Tage gefördert hätten. — Es fehlte die Freigebung der Arbeit, durch welche, unter dem Schutze der Persons- und Eigenthums- Sicherheit, goldne Aehren aus dem schwarzen Boden gezaubert, gediegene Metalle aus den Bergeingeweiden gewonnen, köstliche Reben auf den Karpathen gezogen, herrliche Kunstwerke auf den Ebenen werden ausgeführt werden. Vermehrung der Bevölkerung ist, unter solchen Umständen, Vermehrung des allgemeinen Wohlstandes. Die Emancipation der Juden wird auch dem Vortheilhafttn Umsatz des Geldes zu Hilfe kommen. Der Ackerbau liegt großen Theils darnleder; Neun Zehntheile der Bevölkerung entbehren das Grundbesitz-Recht; und das ärmere Landvolk hat kaum das, zum Feldbau nöthige Capital zu Händen. .Der neue Wechsel der Dinge kann und wird hier so manches Gute stiften. Viehzucht und Ackerbau, beide so eng verwandt, werden wieder ausblühn. Dasselbe Schicksal steht dem Gewerbswesen bevor. Zum Staunen ist es wol, aber doch wahr, daß unsre Gewerke — trotz dem wir beinahe in Europas Mitte wohnen — höchst unvollkommen und, im Vergleiche zu denen anderer Nationen, sehr zurück sind. Ja ein Theil derselben könnte sich gar nicht halten, wenn Zünfte und Granzmauthen sie nicht schützen würden, und wir möchten, so wie das Tuch aus Mähren und England, so auch Lederwaaren, wohlfeiler und 24*

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