Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1840)
- Date
- 1840-06-13
- Page
- Seite 338 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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338 den Jrrthum unseres Berichterstatters, so wie aller übrigen, veranlaßte.") Eine sehr bedeutungsvolle Correspondenz bringt die Allg. Augsb. Zeit, aus Paris vom 14. Mai: „Während aber der kluge Präsident des Conseils die Nationaleitelkeit unserer lieben Kachenäer, der Maulaufsperrer an der Seine, mit Erfolg zu kitzeln und auszubeuten weiß°), zeigt er sich sehr indifferent, ja mehr als indifferent in einer Sache, wo nicht die Interessen eines Landes oder eines Volks, sondern die Interessen der Menschheit selbst in Betracht kommen. Ist es Mangel an liberalem Gefühl oder an Scharfsinn, was ihn verleitete, für den französischen Consul, dem in der Tragödie von Damaskus die schändlichste Rolle zugeschrieben wird, offenbar Partei zu nehmen? Nein, Hr. Thiers ist ein Mann von großer Einsicht und Humanität, aber er ist auch Staatsmann, er bedarf nicht bloß der revolutionären Sympathien, er bat Helfer nöthig von jeder Sorte, er muß transigiren, er braucht eine Majorität in der Pairskammer, er kann den Clerus als ein gouvernementales Mittel benützen, nämlich jenen Theil des Clerus, der, von der ältern bourbonischen Linie nichts mehr erwartend, sich der jetzigen Regierung angeschloffen hat. Dieser Theil des Clerus, welchen man sie derge rallie nennt, und der ein Journal, Namens Univers, zu seinem Organ hat, erwartet das Heil der Kirche von Hrn. Thiers, und dieser sucht wieder in jenem seine Stütze. Graf Montalembert, welcher Mitglied einer gewissen Schule ist, auch eine Lebensbeschreibung der heiligen Elisabeth herausgegeben hat, und sich seit dem ersten März als einen Selben des Hrn. Thiers aufgethan, ist der sichtbare Vermittler zwischen dem Sohn der Revolution und den Vätern des Glaubens, zwischen dem ehemaligen Redacteur des National und den jetzigen Redactoren des Univers, die in ihren Colonnrn alles Mögliche ausbieten,, um der Welt glauben zu machen, die Juden fräßen alte Capuciner und der Graf Ratti-Menton sei ein ehrlicher Mann. Graf Ratti-Menton, ein Freund, vielleicht nur ein Werkzeug der Freunde des Grasen Montalembert, war früher französischer Consul in Sicilien, wo er *) Es ist vorher vom Transport der Napoleon'schen Leiche die Rede. Red. zweimal Bankerott machte und fortgeschafft ward. Später war er Consul in Tiflis, wo er ebenfalls das Feld räumen mußte, und zwar wegen Dingen, die nicht sonderlich ehrender Art scheinen; nur so viel will ich bemerken, daß damals der russische Botschafter zu Paris, Graf Pahlen, dem hiesigen Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Grafen Mole, die bestimmte Anzeige machte: im Fall man den Herrn Ratti-Menton nicht von Tiflis abberufe, werde die kaiserlich russische Regierung denselben zu entfernen wissen. Man hätte das Holz, womit man Flammen schüren will, nicht von so faulem Baume nehmen sollen! Zwischen dem Univers und der Quotidienne, welche sich von elfterem durch einen etwas chevaleresken Charakter unterscheidet, hat sich, in Betreff der Damascener Vorgänge eine Polemik entspönnen, die sehr wunderlicher, fast ergötzlicher Art ist: die Quotidienne, ein Organ der reinen Legitimisten, der Anhänger der älteren Linie, steht in natürlicher Fehde mit jenem Theil des Clerus, welcher sich der jüngeren Linie der Bourbone, der herrschenden Dynastie, anschließt." Aus Alexandrien wird (in der Allg. Ztg.) gemeldet, daß auf das energische Einschreiten des Oesterreichischen Konsuls Mehmed Ali den Befehl nach Damaskus ergehen ließ, daß die Untersuchung gegen die des Mordes an dem Pater Thomas angeklagten Juden nicht mehr nach der älteren Prozeßform geführt werden solle. Der Vice-König untersagte den Richtern jede fernere Anwendung von körperlichen Zwangsmitteln zur Erpressung des Geständnisses und gebot ihnen, in dem menschlichen und aufgeklärten Geiste zu verfahren, den der Hatti- Scheriff von Gülhane athmet. Der Französische Konsul, Graf Ratti-Menton, scheint zu der harten Behandlung, der die armen Juden unterworfen worden, viel beigetragen zu haben. Die zweimalige Anwendung der Tortur soll auf Veranlassung desselben stattgefunden haben. — , Die Leipz. Allg. Zeit, hat sich in Folge dieser Geschehnisse in eine bittere Streitführung über einige Talmudstellen eingelassen, die wir, als zur Sache nicht gehörig, und von beiden Seiten mit Ungeschick geführt, gänzlich übergehen. Magdeburg, 1. Juni. Der schimpfliche Streit in der Leipz. Allg. Zeit, wegen einiger falschen Tal-