Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1840)
- Date
- 1840-06-06
- Page
- Seite 335 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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555 ausgezeichnet und von den Lehrern Christlichen Glaubens find die angesehensten der hiesigen Gymnasien auch an der Rabbinerschule angestellt, denn es war von jeher das Bestreben des Schulvorstandes, der das Verdunkeln nicht scheut, — die ausgezeichnetesten Lehrer für das Institut zu gewinnen. — Beinah alle Oberlehrer haben Reisen nach dem Auslande gemacht, um ihre literarischen Kenntnisse zu erweitern. Die Regierung hat sich so human bewährt, daß fie den Lehrern der Rabbinerschule, selbst den jüdischen, gleichen Rang und Uniform mit den Lehrern der Gymnasien einräumte, und sie sammtlich in denEmeritur-Verein mitaufnahm. — Die Schüler bestehen aus: a) 32 Stipendiaten, von denen ein jeder Jährlich poln. flor. 200 erhält. d) Aus Zahlenden, von denen ein jeder halbjährig 25 pol. flor. zahlt und e) aus armen Schülern, die gegen ein erlegtes Armen- Attestat den Unterricht Gratis erhalten. — Einen Vorzug, Auszeichnung oder ein Stipendium erhalten bloß diejenigen, die sich durch Fleiß, Ordnung und gute Aufführung Hervorthun. Unter diesen Schülern werden jährlich durch ein Mitglied der Regierung 7 bis 8 Prämien und 15 bis 18 schriftliche Aecessi'ts öffentlich vertheilt, und die Namen in den Zeitungen bekannt gemacht. — Die Zahl der Schüler vermehrt sich jährlich, doch bei den vielen Hindernissen, Zurücksetzungen und Absonderungen von Seiten der Zeloten nur schwach. Die Schute wurde im Octbr. 1826 mit 14 Schülern eröffnet. Gegenwärtig zählt sie 163. Die Zöglinge bestehen gewöhnlich aus Armen und selten sind mehr als 27 Zahlende. Denn da die hiesigen deutschen Israeliten sammtlich ihre Kinder nach den Gymnasien schicken, die Chasidim noch "kein Beispiel lieferten, daß eins ihrer Kinderheim öffentliche Schule besuchen sollte, die reichern polnischen Juden aber, die zugleich die Rolle der Frömmler spielen, es unter ihrer Würde hatten, ihre Söhne mit Kindern armer Leute zusammen gehen zu lassen: so bestehet die sich jetzt bildende Claffe der poln. Israeliten'meistens aus Armen, deren Umstande und Kleidüng, besonders der Schüler in den 2 untern Classen, bevor sie durch Unterricht ertheilen etwas erwerben können, sehr dürftig sind. — Wer polnische Israeliten kennt — besonders arme polnische Israeliten, der wird sichs leicht vorstellen, daß ihre Kinder, wenn sie in die Schule kommen, nicht den mindesten Begriff, sogar von den Leisten sie zunächst umgebenden Gegenständen haben. dazu ihr Jargon, der jede Aussprache lähmt. — Ihre Eltern, selbst höchst unwissend, den ganzen Tag meistens auf den Straßen mit Handel beschäftigt, überlassen ihre Kinder sich selbst und kommen nicht im mindesten den Lehrern in der Erziehung zu Hülfe, im Gegentheil sie verderben gewöhnlich Abends dasjenige, was diese den ganzen Tag über mit vieler Mühe gewonnen haben. — Es versuche es Jemand, sich diese Mühe zu geben, solche, im strengsten Sinne des Wortes ungezogene Kinder, die ersten 2 Classen durchzuführen, ihnen Gehorsam, Ordnung, Artigkeit und Anstand beizubringenz dann möge er ein Urtheil fällen. Die beste Vertheidfgung der Ordnung und des Anstandes der Zöglinge der Rab. Schule wird wol diese sein: Wenn sich Referent auf das Zeugniß aller respect. Hrn. Direktoren der Gymnasien beruft: Daß es nie der Fall war, daß einer von den vielen Schülern der Rabbiner - Schule, die nach den Gymnasien übergingen, in eine niedrigere Klasse kam, im Gegentheile kamen sie alte, mit sehr geringer Ausnahme, eine Klasse höher, als sie in jener Anstalt waren, und daß sich diese Kinder gewöhnlich durch Fleiß, Ordnung und Anstand auszeichnen. — Dergleichen wird dem Hrn. Dr. I. 85. als redlichem Manne einleuchten, und ihn in Zukunft in seinem Urtheilen behutsamer machen. — Denn wenigstens bei der gebildeten Ctasse sollten die Lehrer der Rabbinerschule Anerkennung finden, da doch ihre Stellung gewiß nicht die glänzendste ist und sie bloß Elfer für das allgemeine Beste mit so vielen Widerwärtigkeiten und Chicanen von Seiten der Frömmler kämpfen laßt, und sie zur Ausdauer und Beharrlichkeit aufmuntert. — Der ganze Fond, den die Regierung für die Rabbinerschule jährlich bestimmt, beträgt ohngefähr 6260 Thlr., davon gehen circa 2260 Thlr. auf Stipendien, Miethe, Verheitzung, Bedienung u. s. f. Es bleiben also zur Besoldung der 17 Lehrer circa 4000 Thlr. — Was die Leistungen der Schule bis 1839 betrifft, so war ihre Tendenz, da ihrer Bestimmung von allen Seiten Hinderniffe in den Weg gelegt waren, bloß darauf beschrankt: so viel Bildung als möglich unter dm hiesigen poln. Israeliten verbreiten. In Allem verließen das Institut seit dem Ende des Jahres 1828 bis 1839 solche Schüler, die nur 2, 3 und 4 Classen geendigt hatten.. * 192 den ganzen Cursus haben beendigt . . . . . 60 In allem 252