Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1840)
- Date
- 1840-06-06
- Page
- Seite 333 (sequence 9)
- Language
- German
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535 Dieses Alles war leicht vorauszusehen, und gleich im Anfänge bei Eröffnung der Rabbinerschule war es das eifrigste Bestreben des Schulvorstehers, dem Institute noch eine andre Tendenz zu geben als Rabbinen zu bilden. — Er bewirkte also noch im Jahre 1827 bei der Regierung, daß die Rabbinerschule, sowol Rabbinen als auch Lehrer für jüdische Elementarschulen zu bilden habe. Letztere sollten nach beendigtem fünfjährigen Eursus im Institute noch ein Jahr Pädagogik in der Pädagogischen Schule zu Warschau hören. Es wurde nunmehr der Unterricht in der Rabbinerschule durch folgende Gegenstände ausgedehnt, nämlich: Deutsche und Französische Sprachen, Literatur und die Naturhistorischen Objecte in etwas erweitertem Sinne. — Alle Bemühungen, die man sich gab, um bei der Negierung die Erlaubniß auszuwkrken, auch die. Lateinische Sprache einführen zu dürfen, oder das Institut in eine Theologische und in eine Philologische Abtheilung zu theilen, damit auch die die Gymnasien besuchende Jugend eine vorbereitende Schule habe, in der sie einige Kenntnisse ihrer Religion erreichen: blieben fruchtlos, und zwar aus folgendem Grunde. — Alle öffentliche, hohe und niedere Schuten in Polen sind verpflichtet, auch Juden aufzunehmen, sobald sie die für die Schulbesuchende Jugend vorgeschriebene Kleidung tragen, ohne daß man ihnen die mindeste Schwierigkeit in dem Wege legen darf, und es besuchen auch über 150 Juden die öffentlichen Christlichen Schulen *). Ja das Gymnasium in Plock ging noch weiter, und gestattete zweien Israelitischen Jünglingen die ersten 4 Claffen in ihrer jüdischen Kleidung zu besuchen, und schützte sie gegen die Sarcasmen ihrer Mitschüler. — Beide haben den Schul-Eursus' beendigt und einer von ihnen hat nachher die juristische Facultat besucht. — *) Herr vr. I. B. hat also in seinem Berichte A. Z. d. I. den Herrn Z. nicht recht verstanden, wenn derselbe in seinem Art. in der Gazetta Codzienna sagt daß 80 Juden die Gymnastal-Classen besuchen; er verstehet darunter die 4 Oberen Elasten, da die hiesigen Gymnasien 8 Elasten haben, nämlich 4 untere und 4 Gymnasial-Claffm. Die größere Anzahl in den höheren Klassen kömmt daher, weil viele Schüler der Rabbinerschule nach diesen übergehen, während die unteren Elasten der Gymnasien nur von Deutsch-Israelitischen Kindern besucht werden. Die polnischen Juden aber erst dann, wenn sie einen Grad von Bildung in der Rabbiner-Schule erlangt haben, zum Gymnasium übergehen. Corresp. Man macht demnach in Polen gar keine Ausnahme mit Juden, wenn sie Schulen besuchen wollten. Es bedarf also bei einer so humanen und toleranten Regierung, wie die Unsre ist, keiner besondern Schulen für Israeliten, sollte aber eine existiren, so dürste es nur eine Specialschule sein und auf einem ganz besondern Lehrplan beruhen. — Nichts wäre also den Zeloten erwünschter, als die Umstaltung der Rabbinerschule in eine Real- oder Volksschule, wie Herr I. B. vorschlägt: dann konnte sie als überflüssig, bald geschlossen sein.— Dieses wissen unsre Frömmler sehr gut, und haben die Verandrung des Namens bereits mehrere Male nachgesucht, ja. sie traten mit der auffallendsten Unverschämtheit bei der Regierung mit der Behauptung auf: daß die Rabbinerschule ihrem Zwecke nicht entspricht, indem sie keine Rabbinen hervorgebracht, da doch die Wahl zum Rabbinen nur von ihnen abhängt und nur von ihnen verhindert wird. —• Mögen sie es doch erweisen, daß nicht manche zum Rabbinate sehr fähige Subjekte, die selbst in den Talmudischen Wiffenschaften die meisten ihrer Rabbinen übertreffen, und noch bis jetzt den Talmud mit Eifer studiren, aus der Rabbinerschule hervorgegangen seien, allein wie gesagt, sie werden keinen Rabbinen zulassen, der nicht in ihrem Sittne handeln, und nicht ganz von ihnen abhängig sein wird. — Es sind zwar von einigen Gemeinden Bitten bei der Regierung eingegangen um die Anstellung eines Rabbinen aus der Rabbinerschule, allein nie war der Anzusteltende genannt, welches doch, wenn sie es ernst meinten, durchaus geschehen müßte, da die Wahl von der Gemeinde abhängt, und es geschah nur jedesmal da, wo die Chasidim mit den Misnagdim in der Wahl eines Rabbinen nicht einig werden konnten. Dann ergriff die schwächere Partei immer dieses Mittel, um sich an der stärkern zu rächen, und den von dieser Begünstigten zu verdrängen. — Denn obgleich die Chasidim gar keine Rabbinen anstellen, sondern wunderthätige Häuptlinge, ja sogar die Rabbinen verfolgen, so wollen sie doch bei den Wahlen ihren Einfluß behaupten, und lieber einen aus ihrer Mitte zu bh Rabbinatswürde erhoben sehen, um das jüdische Publikum desto leichter zu Chasidisiren. — Aus dem früher erwähnten Grunde, daß es in Polen keine besondre Schulen für Juden bedürfe, wenn solche nicht auf einem besondern Lehrplan beruhen; ist auch den Zöglingm der Rabbinerschule die Aussicht benommen, als Elementarlehrer angestellt zu werden, oder vielmehr ist den Israeliten die Aussicht benommen, daß 23»