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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-06-06 · Heft 23 (6.6.1840) · p. Seite 332

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 23 (6.6.1840)
Date
1840-06-06
Page
Seite 332 (sequence 8)
Language
German
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352 leicht einzusehen. — Die Regierung kennt diese Hinterschliche , daher sie der Schule, deren Leistungen ihr genau bekannt sind, nichts zur Last legt, denn schon ein früheres Verfahren der Finsterlinge zog die Aufmerksamkeit der Regierung auf sich. — Nämlich: bereits im Jahre 1818 eröffnete die Regierung vier Elementarschulen für Israeliten, in welchen polnische, deutsche und hebräische Sprache, Bibelübersetzung nach Mendelssohn, Kalligraphie und Rechnen gelehrt wurden, die Unterrichtszeit aber auf sechs Stunden Täglich festgesetzt war. — Um nun diesen Schulen eine um so bessere Aufnahme bei den Juden zu sichern, ernannte die Regierung eine Jnspection der Jüdischen Elementarschule, dessen Mitglieder nur aus Israeliten bestanden, unter deren Aufsicht diese Schulen ausschließlich gestellt wurden. — Es verstehet sich von selbst, daß die Frömmler und Egoisten die Mehrzahl der Mitglieder der Jnspection bildeten, und das Dringendste, was diese zu thun hatten, war — die Schulen in Verfall zu bringen. — Als sie nämlich sahen, daß der Zudrang zu den Elementarschulen immer größer ward, kamen sie bei der Regierung mit dem Vorschläge ein, daß die hebräische Sprache und Bibelübersetzung au,s dem Lehrplane der Schulen wegbleiben,4 bie Unterrichtszeit aber blos auf vier Stunden täglich beschrankt werden möge. — Denn sagten sie: die Kenntruß des Talmuds ist die Grundlage der Religion und zur MendelSsohnschen Bibelübersetzung müssen die Schüler erst die Deutsche Sprache erlernen. (Das Gegentheil hat sich in der Rabbinerschule erwiesen, durch die Bibelübersetzung erlernen die Zöglinge desto eher das Deutsche.) Die Schüler der Elementarschulen versäumten also zufolge der Herren Jnspectoren zu viel Zeit um die Religions¬ oder Talmudschulen besuchen zu können, und man erschwere ihnen den Unterricht durch Bibelübersetzungen, die ihnen wegen des erwähnten Grundes zu nichts nützen. Wolle aber die Regierung daraus eingehen, den Unterricht in den Elementarschulen bloß auf profane Gegenstände zu beschränken, und die Unterrichtszeit auf vier Stunden täglich herabsetzen, so wäre diesem abgeholfeck, denn die Schüler könnten während der übrigen Zeit des Tages die Talmudschulen besuchen und ihre Religion gründlich einüben. — Als aber die Regierung einwilligte, richteten sie die Unterrichtszeit so ein, daß es den Schülern unmöglich wurde, nebenher npch andre Schulen zu besuchen, nämlich da der Talmudunterrichr durchaus einen Zeitraum von einigen hintereinander folgenden Stunden erfordert, so waren für die Elementarschulen zwei Vormittagsstunden von 9 bis 11 und Nachmittags von 2 bis 4 Uhr bestimmt, wann sollten also die Zöglinge die Talmudschulen besuchen? Etwa in der Nacht? — Freilich zogen nun die Bessern oder diejenigen, die nur irgend im Stande waren, für den Unterricht ihrer Kinder etwas zu zahlen und schickten sie lieber zu den jüdischen Privatlehrern In den Elementarschulen hingegen blieben nur die Allerärmsten und die, Ausgelassensten, an deren Besserung die Eltern verzweifelten und diese, den größten Theil des Tages sich selbst überlassen, ohne Erziehung von Seiten ihrer Eltern, ohne Ehrgefühl, sollen auch ohne Religion heranwachsen! So ist der hiesige Zelote; er opfert Alles, selbst die Religion, die er beständig in dem Munde führt, um nur seinen Starrsinn zu behaupten. — Möge dieses als ein kleines Pröbchen der großen Zahl von Jntriguen der hiesigen Finsterlinge dienen. — Alle Vorstellungen wider dieses Verfahren von Seiten derjenigen Gebildetern, die nicht zugleich indifferent sind (deren Zahl hier leider nur allzugeringe ist), wußten die unzähligen und einflußreichen Gegner zu beseitigen. — Zum Unglücke $kbt es hier auch einige Deutsche Israeliten, die zwar mit Eifer und in manchen Fallen zum allgemeinen Vortheit stch den jüdischen Interessen, widmen, die jedoch theils durch Eitelkeit theils durch Eigennutz geleitet, in Bezug auf unsre Bildungsanstalten nicht immer das wahre Wohl ihrer Glaubensgenossen im Auge haben^ und daher meist hinderlich und auf das Gute störend einwirken. Diese Männer werden voll -den Zeloten als Helfershelfer benutzt, um den Deutschen Israeliten eine Deutsche Opposition bei der.Regierung entgegen zu stellen. — Gottlob daß ihre Zahl sehr geringe ist, Leider aber haben wir ihnen «trotz der großen Anzahl gebildeter und einflußreicher deutscher Israelitischer Männer, keine gleiche Zahl thatiger Individuen entgegen zu stellen die nicht durch Convenienz, FamLLienverhaltniffe u. ff. von einem wohltätigen Einwirken zurückgehalten wären, um Handlungen zu verhindern, die mit ihrer eignen Ueberzeugung rm Widerspruche stehen müssen. — Aus allem dem vorhergegangenen kann man es leicht einsehen, welchen geringen Vorschub die Zöglinge der Rabbinerschule bei ihren Glaubensgenossen zu erwarten haben, und wie lau sie selbst für die Sache der Israeliten werden müssen, und daß die Meisten, da sie nie hoffen dürfen ihren Zweck, RabbLnen zu werden, zu erreichen, das Studium des Talmuds als für sie unnütz und Zeitraubend meist in der That vernachlässigen. —*

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