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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-06-06 · Heft 23 (6.6.1840) · p. Seite 331

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 23 (6.6.1840)
Date
1840-06-06
Page
Seite 331 (sequence 7)
Language
German
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351 So lange bei Ihnen die Bildung noch nicht so allgemein war, suchten sie Ihre Rabbinen ebenfalls unter den fanatischen Juden Polens. Wie würde es Ihnen dann erst ergangen sein, hatten Sie wie wir Ln jeder Gemeinde beinah 3 der Mitglieder Ehasi'dim. — Sie sehen, daß wir für die ersten 3 Decennien darauf verzichten müssen, gebildete Rabbinen bei uns angestellt zu sehen, bis sich auch, unter den Israeliten Polens das Licht der Aufklärung mehr ausgebreitet haben wird? — Beinah gleichzeitig mit der Gründung der Rabbinerschute, erfolgte in demselben Jahre (1825) eine Kaiserliche Verordnung, zur Bildung eines Comiws für Israeliten, bestehend aus einem Director und zwei Assessoren christlichen Glaubens, dem eine rathende Kammer von 8 jüdischen Mitgliedern beigegeben wurde. Dieser Comite hatte die Aufgabe zu lösen, wie die bürgerliche Lage der Juden in Polen zu verbessern sei, besonders aber sollte in Zukunft nichts die Israeliten Betreffendes unternommen werden, ohne daß es hierüber sein Gutachten gegeben, mit einem Worte die Juden erhielten dadurch eine völlige Repräsentation. — Zugleich wurde die Rabbinerschule unter der Oberaufsicht des Comics gestellt. — Leider siel auch hier, wie immer, die Wahl der jüdischen Rache meistens auf Obscuranten, so daß diese die Mehrzahl der rathenden Kammer bildeten.— Diese hatten nun nichts Eiligeres zu thun, als gegen mehrere schon früher vom Ministerium zur Rabbinerschute ernannte Lehrer aufzutreten und überhaupt bei jeder Gelegenheit, wo es um die Israeliten betreffende Verändrungen ging, die Religion als Hinderniß vorzuschieben. —-- Dieses Verfahren der Rathe bracht- .die Christlichen Mitglieder des Comitös, nachdem sie den Abb.ö, ßhiarini zugezogen hatten, auf die unglückliche Id hie rein politische Frage; die bürgerliche Lage der Juden zu verbessern, in eine Religionsfrage zu verwandeln, und meinten, man müsse, bevor man mit den Juden etwas unternehmen könnte, erst ihre Religion reformiren und sie aus den reinen Mosaismus zurückbringen. — Dazu erbot sich der Abbe Chiarini den Talmud ins Französische zu übersetzen, damit die Mitglieder der Regierung im Stande waren, die sich jeder Neuerung widersetzenden und auf den Talmud himzeigenden jüdischen Rathe zu refutiren. — So hat uns die Halsstarrigkeit der Zeloten um eine Institution gebracht, die zum Heile von 400,000 Israeliten werden konnte, und um die uns unsre Glaubensgenossen in allen Staaten beneiden mußten. Ja sollte man es glauben, daß es Leute giebt, die sichs zum Verdienste anrechnen, dazu beigetragen zu haben, daß der Comite aufgehoben wurde! — So wenig können hier die Meisten, leider die Einflußreicheren ihr eignes Interesse! — Daß die Rabbinerschule, bei den alle Bildung scheuenden Obscuranten verhaßter werden mußte, da sie unter der Oberaufsicht eines Comics gestellt war, welcher nun erst sich das Ziel setzte, die Religion zu reformiren, verstehet sich von selbst. — Von dieser Zeit ab, reihet sich eine Folge von Klagen, Denunciationen, Untersuchungen und Declamationen gegen dieses ^Institut und gegen einzelne Individuen , die zu ihm gehören, besonders aber gegen den Schulvorstand, so daß das Lehcerpersonal kein Jahr in Ruhe zubringen konnte. Ja man scheute sich nicht, sie politischer Vergehen verdächtig zu machen und deshalb anzuklagen. — Wer alle die Chicanen und Jntriguen der Obscuranten und ihrer Helfershelfer, die gegen die Rabbinerschule ersonnen wurden, kennt, der wird gewiß die Beharrlichkeit der Regierung in Erhaltung des Instituts und die Ausdauer der Lehrer bewundern müssen, bie trotz der vielen Lücken und Verschmitztheiten ihrer Widersacher, dennoch so enorm viel geleistet haben. Es wird sich hier gewiß einem Jeden die Frage aufdcangen: Was that denn die gebildetere Klasse dagegen? Nichts! — Es rührte sich Keiner, es wurde keine Feder für die gute Sache eingetaucht, man blieb gleichgültig. Die vielen Jntriguen der Zeloten gegen die Rabbinerschule brachte jedoch dieses Gute hervor, daß die Regierung es einsehen mußte, wie sehr gefährlich es sei, solchen Leuten irgend eine Einmischung in Bildungscmstalten zu erlauben — und diesem hauptsächlich verdankt die Schule ihre bisherige Existenz und ihr Gedeihen. — Zwar war der verstorbene Rabbine zum Visitator des Instituts von der Regierung ernannt; und da er in den Händen der einflußreichen Frömmler ein bloßes Werkzeug war, so konnte er der Sache der Aufklärung schädlich werden, hätten sie ihn zu benutzen verstanden, allein so oft dieses geschah, thaten sie - dieses immer glücklicherweise mit so vieler Ungeschicklichkeit, daß die Bosheit gleich zum Vorschein kam. — Uebrigens glaubten sie der Schute bei den Israeliten hinlänglich zu schaden, wenn sie sowol, als der Rabbine sich gänzlich von ihr entfernt hielten; so daß Letzterer während 13 Jahre kaum sechsmal bei den Prüfungen zugegen war, und das nur dann, wenn es höhren Ortes verlangt wurde. — Daß dadurch der Zweck der Frömmler: einen zahlreichen Besuch der Schute zu hindern, zum Theil in Erfüllung ging, ist

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