Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1840)
- Date
- 1840-06-06
- Page
- Seite 328 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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328 Sie darf dieselbe um so mebr verachten, als solche jedem Unbefangenen, der die Verhandlungen bei jener Wahl kennt, in ihrer ganzen Verwerflichkeit erscheinen müssen. Es genügt ihr, für Entfernte so viel aus den Protokollen des Vereins mitzutheilen, als zur geschichtlichen Darstellung der fraglichen Angelegenheit hierher gehört. j Nachdem der Dr. M. Heß aus Lengsfeld am 1». j und 22. Februar d. I. als der erste Aspirant in un-! serm Tempel gepredigt hatte, erklärte er unter dem! 23. desselben Monats in einer Zuschrift an die Di- > rection des Tempelvercins, daß seine bisherige amt-! liche Stellung ihn nöthige, schon jetzt eine Entscheij düng über seine Bewerbung zu verlangen, indem er im Falle einer fortzusetzenden Concurrenz sich veranlaßt sehen würde, seine Bewerbung zurückzunehmen. Das Wahlcollegium (aus 4 Dircctoren, — von welcher zur Zeit Einer abwesend war, — 5 Deputirten und einer Comitö von 15, durch das Loos bestimmten Mitgliedern des Tempelvercins bestehend) beschloß hierauf einstimmig, daß in diesem Augenblicke keine Wahl vorzunehmen sei, sondern die Concurrenz noch - fortdauern müsse; daß aber der Dr. H. im Namen der Verwaltungsbehörde und der außerordentlichen Comitö ersucht werden solle, seine Bewerbung vor der definitiven Wahl nicht zurückzunehmen. Der Dr. H. wiederholte jedoch in einer spätern Zuschrift, daß er von der Concurrenz gänzlich zurückgetreten sei, und nicht mit den übrigen Aspiranten zur Wahl vorgeschlagen sein wolle. Da die Concurrenz am 16. April für geschlossen erklärt wurde, so hatte das Wahlcollegium am 29. desselben Monats nur zwischen den beiden andern Aspiranten, dem Dr. Frankfurter und dem Rabbinen L. Stein, zu entscheiden, und die Wahl traf den Erstern. Die Angabe in dem erwähnten Berichte, daß in der Wahlangclegenheit anfänglich eine Apathie vorgeherrscht habe, und es einem Einzelnen fast gelungen sei, die ganze Tempelverwaltung zu einem „unheilvollen Schritte" Hinzureißen, ist völlig ersonnen. Ein solcher Einzelner fand sich nicht in unserm Verein, und die Verwaltung hat keinen Augenblick das Interesse des Tempels aus den Augen verloren. Eben so wenig war von dem Beginne der Concurrenz an hier eine Spur von Apathie zu finden; im Gegentheil zeigte sich in dieser ganzen Angelegenheit die regeste Tyeilnahme von allen Seiten. Die Tempelverwaltung hat die gesammten Wahlverhandlungen zu einem Schluffe geführt, welcher allgemein als ein erfreulicher anerkannt wird. . Indem der Berichterstatter sich als das Organ des „ganzen intelligenten Israel" hinstellte, hätte er seine Befangenheit beherrschen und in seiner Relation, die doch einen geschichtlichen Werth haben müßte, weder die Wahrheit, noch die Gerechtigkeit so notorisch verleugnen sollen. > Hamburg, den 22. Mai 1840. Die Deputirten: Die Directoren: I. Ph. Ree Dr. M. Fränkel. Siegm. Robinow. E. I. Jonas. S. Danziger. I. G. Cohen. Adolph Arnold. I: Warendorfft W. I. Goldschmidt. Oesterreich. Preßburg, 30. April. (Privatmitth.) Unter den Männern, welche rückstchtlich der Juden auf die öffentliche Meinung einen wohlthätigen Einfluß ausgeübt, verdient mit besonderer Auszeichnung genannt zu werden der vor wenigen Tagen verblichene öffentliche ordentliche Professor der Theologie am hiesigen evangelischen Lyceum, Hr. Matthias Scheverlay. Was er als freisinniger Theolog der evangelischen Kirche in Ungarn, als ausgezeichneter Lehrer der philologischen und theologischen Wissenschaften | der evangelischen Schulen gewesen, — kann natür-! lich hier nicht besprochen werden; aber es ist heilige! Pflicht der Dankbarkeit hier rühmend zu erwähnen,! daß der selige Scheverlay in allen seinen Vorlesun- I gen jede Gelegenheit menschenfreundlich benutzte, um j vorgefaßte Meinungen gegen Judenthum und Borurtheile gegen Juden zu berichtigen und zu widerle-! gen. Er besaß eine, den christlichen Gelehrten in! Ungarn nur selten eigene, gründliche Kenntniß der! hebräischen Literatur, und war in Sachen des Juj denthums kompetenter Richter. Er behandelte auch j seine jüdischen Schüler mit der ihm eigenen Huma-! nität, und es ist gewiß erwähnenswerth, daß er den! Unterricht seines einzigen Sohnes einem Rabbinats-! Kandidaten übertragen. Die Verhandlungen über! die Judenemancipation bei dem Reichstage verfolgte 1 er mit besonderer Theilnahme, und mehr denn in