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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-05-30 · Heft 22 (30.5.1840) · p. Seite 521

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 22 (30.5.1840)
Date
1840-05-30
Page
Seite 521 (sequence 13)
Language
German
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521 Äns dem Ealenbergischen, d. 8. Mai. — Zweiter Artikel. — Das Bestreben der Juden, sich in bürgerlicher, intellectueller und religiöser Beziehung auf die Höhe der Zeit emporzuschwingen, ist auf zweifache Weise in Deutschland rege geworden. In einigen Staaten thaten die Regierungen die ersten Schritte, kamen ihren jüdischen Unterthanen mit Begünstigungen und Fkeiheiten entgegen, bemüheten sich, das seit Jahrhunderten ihnen zugefügte Leid wieder gut zu machen und die moralischen Wunden zu heilen, welche, in ihren Vorgängern, sie selbst ihnen geschlagen. Dcr Balsam verfehlte nicht seinen Zweck. Entgegengesetzte Ursachen brachten entgegengesetzte Wirkungen hervor, freudig und dankbar überschritt der Jude die gefallenen Schranken, die neue Kreise, die sich ihm aufgethan, entflammten seine Begier, den Anforderungen derselben Genüge zu thun, das Bedürfniß war erkannt, der Eifer, ihm abzuhclsen, erweckt, und es ist anerkannt durch Staatsmänner, wie durch die öffentliche Stimme, daß der Erfolg fast überall jede Erwartung übertraf. Anders verfuhr und verfährt man in andern. Staaten. Der Jude soll reif sein zur Emamipation. Er soll sich erheben, trotz der Last der Beschränkungen, die ihn zu Boden drückt. Er soll zeigen, daß sein Geist, auch in Fesseln geschlagen, frei sein könne und Gesundheitsstoff genug ihm inwohnc, um ohne äußre Hilfe seine Wunden zu heilen. Ist cs klar, daß die Juden jener zuerst brzeichneten Staaten glücklicher sind: so gönnen wir denen der zuletzt genannten den Ruhm, daß ihre Bemühungen einen größern Kraftaufwand beurkunden und daher, selbst bei weniger glänzendem Erfolg, noch lobenswerther sind! — Im Königreiche Hannover sind, wie gezeigt worden, mit geringen Ausnahmen die äußern Verhältnisse der Juden noch ganz so, wie zu Ende des vorigen Jahrhunderts. Ihre innern Institutionen, ihr Gottesdienst, ihre Bildungsanstalten sind es nicht mehr. Mehr oder weniger hat sich in allen Theilen ein Fortschreiten gezeigt. Es thut mir leid, Ihnen keinen gleich ausführlichen Bericht über sämmtliche Rabbinatsbezirke geben zu können. Ich habe nicht Gelegenheit genug gehabt, mit dem zu Hildesheim gehörigen genau bekannt zu werden, doch weiß ich, daß' der dortige Landrabbine, ein wissenschaftlich gebildeter Mann, mit löblichem Eifer für das Bessere wirkt und recht viel des Guten auch schon bewirkt hat. Von Ostfriesland, wo gegenwärtig der Rabbinatssitz erledigt ist, dürfte im Allgemeinen am wenigsten zu berichten sein. Was jedoch den Bezirk Hannover betrifft, welcher beinahe die Hälfte des Landes in sich begreift, werde ich Ihnen das Wissenswertheste mittheilen. Seit mehr als zehn Jahren steht daselbst der i)r. Adler, früher Großherzogl. Oldenburgischer Rabbine, an der Spitze der geistlichen Angelegenheiten. Seine ausgezeichnete talmudische Gelehrsamkeit, verbunden mit philosophischer Ausbildung, machen ihn fähig, das Rechte zu erkennen, während Menschenkenntniß und eine seltne Milde des CharacterS ihm die Mittel an die Hand geben, eS zu erreichen. Er liebt nicht die Reformen ä!;t iuissurde, sondern geht von der Ueberzcugung dabei auS, daß selbst die heilsamsten Einrichtungen, wenn sie aufgedrungen sind, ihre heilsame Kraft verlieren, und zieht cs daher vor, durch Wort und Lhat das Bedürfuiß einer beabsichtigten Verbesserung fühlbar zu machen, und erst dann die Verbesserung folgen zu lassen. Bei Antritt seines Amtes war in keiner Branche seines Wirkungskreises auch nur irgend Etwas geordnet. In Hannover selbst keine Religionsschule, der Unterricht in der Provinz der Willkür preisgegeben, und nicht besser stand cs um den Gottesdienst und die Gemeindeverwaltung. Hier nun muß mit Dank anerkannt werden, daß die Regierung, wenn auch nicht durch materielle Mittel, doch durch Bestätigung und thäcige Aufrechterhaltung alle Maßregeln in solchen Beziehungen aus das bereitwilligste unterstützt. So ist es z. B. von nicht unbedeutendem Gewichte, daß die Rabbinen ihre Gehalte nicht direct von den Gemeinden beziehen. Die Aufbringung derselben ist pro rata bonorum auf die einzelnen Mitglieder repartirt, und der Bestand wird durch die Landdrosteien in einer besondern Casse verwaltet. Aus eben dieser Casse werden auch die Kosten der Jnspectionsreisen, welche die Rabbinen jährlich in ihrem Districte vornehmen, bestritten. Diese Reisen sind von vielfachem Nutzen. Durch die dabei vorgcuommenen Examen werden Lehrer und Schüler angefeuert; die Schächter, denen bei ihren oft geringen Gehalten die Reise nach dem Wohnsitz des Rabbinen verhältnißmaßig kostspielig sein würde, benutzen diese Gelegenheitendurch wiederholt abgelegte Prüfung ihre Autorisation erneuern zu lassen; vor Allem aber werden sehr häufig Streitigkeiten in den Gemeinden dabei geschlichtet,

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