Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1840)
- Date
- 1840-05-30
- Page
- Seite 515 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225142--02744-3312242- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
315 einer schönen Melodie bis mit V. 6., worauf der Borbeter den Pf. bis zu Ende recitirt und der Chor mit Ps. 93. "pn 'n wieder einfällt. Eben so wird abwechselnd vom Vorbeter und Chor recitirt. Erhebend ist im Allenugebet das fma i:n:&o und der Schluß '121 'n '■'in, welches der Chor mit Begeisterung sang. — Gegen 8 Uhr endete der Gottesdienst mit dem sanft verklingenden Jigdalgesang, und „erfreuet in dem Herrn, ob des vollendeten Werks" verließ Alles in wonniger Aufregung den schönen Tempel, um ihn am folgenden Morgen in froher Feststimmung wieder zahlreich zu betreten. — Auch der Morgengottcsdicnst des Sabbats ward mit der größten Andacht, Ordnung und Präcision abgehalten; einen höchst rührenden Eindruck machten die Kindcrstimmen, als sie das den Engeln abgelauschte dreimal heilig melodisch anstimmten. Mit feierlicher Würde wurden die Pforten der heil. Lade geöffnet, die Tora herausgehoben, selbige unter Choralgesang, ' vom Oberrabbincn und dem sungirenden Vorsteher gefolgt, um die Estrade herumgetragen und dem Volke gezeigt. Alles, von Anfang bis zu Ende, athmete frommen Ernst; alles Ungeordnete, Läppische, welches sich leider seit den letzten Jahrhunderten in die israelit. Synagogen eingeschlichen und die wahren Beter daraus verscheucht hatte, war entfernt und es schien wirklich „ein Geschlecht, das Gott verehrt, fein Antlitz zu schauen sich sehnt," neu erstanden. Daß nun aber diese Wiederbelebung des öffentlichen religiösen Sinnes auch auf das Familienleben vorcheilhaft einwirke und jede Dissonanz in häuslichen Kreisen verstumme, suchte die beim Morgengottesdienste vom Oberrabbinen gehaltene Predigt, die sich sehr sinnreich über den gewichtigen reinmoralischen Inhalt des Wvchenabschnitts verbreitete, besonders zu bezwecken.— So gebe denn Gott, der Beschirmer alles Guten, daß das mit schwachen Kräften begonnene, mit fast unglaublicher Anstrengung und inniger Liebe fortgesetzte und vollendete Werk auch jene heilsame Früchte trage, welche der denkende Israelit fromm und sich bewußt davon erwartet: Reinheit im Glauben, Veredelung im Thun, Anerkennung nach Außen! —!vwn lanjn N2nx ttsn B. B. Hamburg, 12. Mai. (Privatmitth.) Am letzten Sabbat hielt unser Dr. Kley bei seinem freiwilligen Austritt von dem Amte eines Predigers an dem vor 22 Jahren vorzüglich von ihm mit begründeten neuen Tempel seine Abschiedsrede, welche auf das zahlreich versammelte, das ganze Haus aufs Aeußerste anfüllende Menge den hinreißendsten, erschütterndsten Eindruck der Rührung und der Theilnahme machte. Alles, was der scheidende Lehrer, der warnende Vater, der segnende Priester, der begeisterte Volksredner, was der weise Berather, der gläubige Schrifterklärer, der resignirte Israelit, der hingebende Freund aus tiefster Seele ausdrücken können, das alles ward uns in dieser unvergeßlichen kunstreligions.- und gefühlvollen Rede vorgeführt, die nächstens auf den allgemeinen Wunsch gedruckt erscheinen und besonders an alle Mitglieder des Tempelvereins zum langen, langen Andenken vertheiit werden wird. Mittags fand sich die Verwaltungsbehörde des Tempels in der Wohnung des Abgegangenen ein, überreichte ihm im Namen der Gemeinde ein kostbares Ehrengeschenk, eine silberne Astrallampe mit bezüglichen Figuren, Emblemen und Inschriften, und trug demselben auch den Sitz auf der Predigerbank auf Zeitlebens an, welchen Antrag er gern genehmigte. Der ganze Vorgang bildete ein merkwürdiges, vielleicht in Israel in neuerer Zeit nie Statt gehabtes Ereigniß. —. Das Heinesche Geschenk eines Capitals zum Bau eines neuen Hospitals ist jetzt vervollständigt,. indem der Senat unserer Gemeinde den dazu erbetenen Platz geschenkt hat. Das neue Gebäude wird demnach nahe an Altona (hinter der Regerbahn unweit des Klütjenstieges errichtet werden, und da sich unsere besten Administratoren, so wie eine Anzahl unserer geachtetsten Aerzte mit dev. Einrichtung beschäftigen, zweifeln wir nicht,. etwas Musterhaftes herzustellen. Um Herrn Heine ein schwaches Zeugniß von dem Eindruck darzubringen, den sein großmüthiges Geschenk auf das ganze Publikum gemacht hat, ist ihm vor einigen Tagen eine von 64 unserer ausgezeichnetsten Damen eigenhändig gestickte Fußdecke überreicht worden, nebst einem Schreiben, in welchem dieser weibliche Verein außer dem allgemeinen Gefühl der Dankbarkeit auchnoch das der Anerkennung jener rührenden Liebe ausdrückt, mit welcher er durch diese Gabe seine verstorbene Gattin ein