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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-05-30 · Heft 22 (30.5.1840) · p. Seite 516

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 22 (30.5.1840)
Date
1840-05-30
Page
Seite 516 (sequence 8)
Language
German
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316 Denkmal setzt. (So drückt sich nämlich die Schenkungsurkunde aus, in welcher auch verfügt wird, das Haus solle den Namen Betty-Heines-Hospital führen.) Preußen. G log au, im Mai. (Privatmitth.) Wir leben wahrlich in einer bunten Zeit. Das Leben schillert in so mannigfaltigen Farben, daß dem geblendeten und verwirrten Auge kein bestimmtes Bild sich Herausstellen mvill. Vom Oriente her sticht uns die Blutröthe ins Auge. Das Herz zuckt wie durchstochen unter den interessanten Berichten der Zeitungen, die es mitunter schmunzelnd und behaglich genug erzählen, wie Mehmed Ali's Henkersknechte die Juden dem Mammon opfern. Aus dem Südosten Europa's steigt dagegen eine Morgenröthe des menschlichen Rechts, der menschlichen Liebe herauf. Erfrischend und belebend wie das Grün des Lenzes fallen die Worte eines katholischen Bischofs in der ungarischen Magnaten-Versammlung, auf das ermattete und bekümmerte Herz. Ein katholischer Bischof spricht mit Eifer für die Entknechtung der Juden in Ungarn. Aber nun treten wir in die evangelische Kirche zu Glogau am Sonntag, dem 3. Mai, und hören einen protestantischen Prediger, den Superintendenten ff. Dr. Köhler mit großer Salbung den Beweis führen, daß Heiden und Juden nicht selig werden können; in ihrem Gemüthe sei keine Ruhe und könne keine sein; wie er leider nur zu gut wisse, daß der größere Theil seiner Gemeinde diesem keinen Glauben schenke u. s. w. — Was für eine Farbe ist nun Das? Ein mattes, langweiliges Grau. Nicht freundlich genug zum Wohlgefallen, nicht gehässig genug zum Abscheu. Höher als zum Ekel kann sie es nicht bringen: Herr Doctor, es sei fern von mir, mich in einen dogmatischen Streit mit Ihnen cinzulassen; aber die Frage darf ich als Mensch und als Bürger Ihnen vorlegen: Geziemte es Ihnen, dem verständigen und getreuen Staatsdiener, dem Verkünder der Religion, die vorzugsweise als Religion der Liebe austritt, dem Jünger eines Meisters, der Ihnen einschärft: Seid klug wie die Schlangen und ohne falsch, wie die Tauben, geziemte es Ihnen, frag' ich, um diese Zeit ein solches Thema zur Sprache zu bringen? In allen Schenkstuben, auf allen Bierbänken wird jetzt die Blutfrage verhandelt; ich meine die Frage, ob die Juden Christenblut in ihre Osterkuchen mischen. Nun ist, gottlob, der Sinn unsrer Glogauer Bürger im Allgemeinen zu gesund, als daß der leiseste Anhauch jener gräulichen Beschuldigungen in ihrem Geinüthe sich ansetzen könnte. Sie wissen es zu gut, daß jene Lüge vom mittelalterlichen Fanatismus ausgeheckt und von räubrischer Habsucht gepflegt worden sei. Ihr frommer Seufzer, Herr Superintendent, hat unfern wackern Bürgern das schönste Zeugniß gegeben. Aber wie, wenn hie und da ein schwachköpsiges und leicht erregbares Schäflein unter Ihrer Heerde die Vorstellungen von unseligen Juden und von Christenblut in Osterkuchen mischen mit einander kombinirte; wenn diese Gedanken, wie Ameisen in seinem kränklichen Gehirne und seinem warmen Blute herumwimmelten — wollen Sie Hr. 0,-.! die Folgen vertreten? Daß diese Besorgniß nicht ein reines Phantom sei, davon möge eine Thatsache zeugen. Eine christliche Dienstmago vom Dorfe, die kurz vor den jüdischen Ostern bei einem Juden in Dienst getreten war, äußerte gegen ihre neue Gebieterin: „Die Leute haben mir zwar bang gemacht, daß ich mich beim Juden vermiethe; aber Sie sind zu schmuck, Madamchen, Sie werden mir wol an Ihrem Ostern kein Leid thun." — Wie, wenn Ihre Seligkeitstheorie mit solchen Elementen der Gesinnung sieb verbinden würde, wollen Sie, Herr vr., für das Resultat der Gährung' einstehen? — Wehe der Welt des Aergerniffes halben! Es muß ja Aergerniß kommen. Doch wehe dem Menschen, durch welchen Aergerniß kommt! sagt Ihr Evangelist, Matthäi 18, 7. Frankreich. Straßburg, 8. Mai. (Privatmitth.) Ich erfülle mein (No, 16) gegebenes Versprechen, indem ich Ihnen die Schriften schicke, die über den Erfolg unsrer Lotterie zum Besten der Gesellschaft zur Beförderung der Handwerke unter den Juden Bericht erstatten. Die Eine ist der Gesellschaftsbericht über die Details dieser Lotterie, die Andere No. 74. des (lourr. du Bas-Rin, in dessen Feuilleton Sie einen sehr interessanten Bericht über die Lotterie selbst finden. Es waren »85 Arbeiten zur Verloosung eingesandt. Unter diesen standen obenan zwei von der

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