Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1840)
- Date
- 1840-05-30
- Page
- Seite 514 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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514 beendet. Nach einer kurzen Pause bestieg der Oberrabbine die Stufen des Allerheiligsten und sprach in feierlichem Tone rö-ü („Gelobt seiest du, Ewiger unser Herr, Beherrscher der Welt, der du uns erhalten, uns hast erleben und erreichen lassen diese Zeit!"), welches der Chor mit Amen erwiederte. — War nun dem innersten Gefühle genügt und dem Herrn der Welt ein kurzer Dank gespendet, baß er uns diese Zeit hat erreichen und das schwierige Unternehmen hat gelingen lassen, so war jetzt wol der erste Gedanke Aller auf die Zukunft gerichtet, daß der Allgütige uns auch ferner beistehen und wenn wir hier ihn rufen, uns erhören möge! — Alle Herzen waren daher voll Rührung und den meisten Augen entflossen Lhränen als nun sogleich der Chor das 'n scn nroifr d» (O Ewiger, hilf doch! rc.) mit der am Gesctzfreudefeste üblichen Melodie, von Posaunen begleitet, anstimmte und während eines nun folgenden siebenmaligen Umzugs mit den Gesetzrollen um die Estrade vor dem Allerheiligstcn mehreremal wiederholte. — Doch die sich losbrechenden Gefühle sollten sich zur Klarheit erheben; die Anwesenden sollten sich bewußt werden, wem eigentlich diese Feier galt, was ihre Bedeutung sei: Gott — den Einzigen — zu heiligen! — Kaum waren daher die letzten Accorde des Chors verklungen, da ertönte wieder von dem Allerheiligsten herab die Stimme des Oberrabbinen und die Gesetzrolle hoch empvrhaltend rief er dem Volke zu: nner 'n irftVx h iroio („Höre Israel, der Ewige unser Gott ist der einzige Gott!"), welches denn auch der Chor und mit ihm alle frommen Israeliten laut erwiederten und dadurch gleichsam den uralten mosaischen Glaubensbund aufs Neue öffentlich bekräftigten! Unter den melodischen Tönen des -im'' wurden nun die Gesetzrollen in die heilige Lade gestellt, und der Oberrabbine Dr. Frankel betrat die Kanzel. In einer dem Zwecke sehr entsprechenden Predigt, die nächstens im Drucke erscheinen wird, suchte Derselbe darzuthun, daß Anhänglichkeit an Gott, Einheit, Treue und Liebe die Stützen dieses neuen Hauses, welches wir dem Herrn erbauet, seien müßten, wenn es auf festen Säulen ruhen solle. Gebete, die Rache oder Feindschaft gegen Andre athmen, dürften darin nie vernommen und überhaupt müsse dahin gestrebt werden, den Glauben in seiner Reinheit, von manchen Schlacken gelautert, unseren Nachkommen zu überliefern. Aus die Vorurtheile vergangener Zeiten übergehend fand der würdige Redner Gelegenheit auf treffende Weise auch der neuesten grausenden Seenen in Damask zu erwähnen, indem er hinstellte, wie die allgemeine Indignation, womit die Gebildeten Deutschlands jene schreckliche Kunde ausgenommen haben, für eine bessere Gesinnung unsrer Zeit bürge. Der Predigt fügte sich ein inbrünstiges Gebet für König, Vaterland, Stande, Obrigkeit, Gemeinde und für alle Menschen, die das Gute wollen und das Rechte thun, paffend an. Jetzt ertönten wieder die Blasinstrumente, einen von dem Lehrer an hiesiger israel. Gemeindeschule Dr. phil. W. Landau gedichteten deutschen Choral in 6,Strophen intonirend. Alle Anwesende ohne Unterschied der Confessio» waren von dem Gottesdienste so ergriffen, daß sie insgesammt in den Gesang, der unter Andern den Wunsch ausspricht, daß „Weit in die Fern' ertöne Von diesem Heiligthum An alle Erdensöhne Herr! deine Macht, dein Ruhm; Daß Alle deine Einheit Erkennen, nah' und fern. In Dehmuth und in Reinheit Anbeten Gott den Herrn!" laut einstimmten. — Wie einst Salomo bei der Tempelweihe für alle Völker der Erde betete, daß sie den Namen Gottes erkennen mögen und ihn rhrfürchten, so schloß auch der heutige Weihe-Gottesdienst mit dem ächt weltbürgerlichen Psalm 117. „Lobet den Herrn, ihr Völker alle rc.," dessen Schlußvers „ewiglich währt seine Treue'jrc." mit dem in mannichfachen Nuancirungen wiederholten Halleluja von Posaunen begleitet, die unbeschreiblichste Wirkung zurückließ. — Es folgte nun, nach kurzer Pause, die Liturgie für Freitag Abend, nach der nunmehr für immer eingeführten Weise, mit Choralbegleitung. Der Vorbeter recitirt ganz rw3“)2 isb, der Chor fällt beim Anfang- und Schlußverse jeden Psalms ein nvb inin ist abwechselnd Gesang und Recitativ von Chor und Vorbeter. Pf. 92. singt hierauf der Chor nach