Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-05-30 · Heft 22 (30.5.1840) · p. Seite 513

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 22 (30.5.1840)
Date
1840-05-30
Page
Seite 513 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3225119-3225142--02742-3312240
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

315 schen Cultus unter den übrigen gesetzlich anerkannten Gotlcsverehrungen des Landes. — Bereits mehrere Lage vor dem Feste war die Aufmerksamkeit Aller mit Spannung und Sehnsucht daraus gerichtet; wer nicht zu den offiziell Eingeladenen gehörte, suchte sich Eintrittskarten zu verschaffen. Auch der ächt gottessürchtige und brüderliche Sinn mancher christlichen Einwohner Dresdens bewahrte sich bei dieser Gelegenheit. So sendete ein geachteter Bürger und früherer Stadtverordneter am Morgen des Einweihungstages an den Vorstand der israel. Gemeinde einen Beitrag von Fünfzig Thalern zu den Kosten des Lempelbaues mit dem sinnigen Motto: Liberte civile et religieuse jrour taut le monde, und dem schriftlich ausgedrückten Wunsche, „daß fortschreitende Aufklärung und Bildung die Israeliten auch noch zu dem fördern mögen, was ihnen noch zur gänzlichen Gleichstellung fehlt!" — Die Bescheidenheit des Gebers verbietet seinen edlen Namen öffentlich zu nennen. Ein andrer Biedermann christl. Confession übersendete ebenfalls einen Beitrag mit dem Motto: Wir glauben Alle an Einen Gott! — Doch der Nachmittag nahete heran, allmälich zeigte sich im ganzen Stadttheile, worin der neue geschmackvoll erbauete Tempel sich befindet, eine festliche Ruhe; ein in der Nachbarschaft statthabendes Gartenconcert wurde auf Befehl der Polizeibehörde suspendirt, sogar das König!. Hoftheater ließ ankündigen daß das Schauspiel diesen Abend erst nach Beendigung der Einweihungsfeier beginnen werde. — Von 4 Uhr an wogte die Elite der Bewohner Dresdens über die Terrasse und Promenade nach dem neuen israelit. Tempel hin, dessen äußere Pforte die Aufschrift in hebräischen Charakteren führt: „Mein Haus sei Haus der Andacht für alle Völker!" — Sämmtliche Staatsminister, fast alle Mitglieder beider ständischen Kammern, die Oberhofchargen, die fremden Gesandten, die Generalität, die Präsidenten der Justizcollegien, der Magistrat, die Stadtverordneten, die höhere Geistlichkeit (worunter auch der Vicepräsident und Oberhofprediger Dt\ v. Ammon), viele andre Honoratioren und angesehene Fremde, sowie sämmtliche Mitglieder der hies. israelitischen Gemeinde, Männer und Frauen, Knaben und Mädchen, ingleichen eine bedeutende Anzahl von Leipzig mit dem Dampfwagenzuge h.erbeigeeilter Israeliten aus vielen Ländern hatten sich bis gegen 5 Uhr, theils in dem Schiffe und dessen Seitengängen, theils in den beiden Gallerieen des Tempels versammelt. Das Allerheiligste und die dasselbe umgebende Estrade, worauf Kanzel und Betpult des Vorbeters sich befinden, war mit den seltensten morgenländischen Pflanzungen und wohlriechenden Gewächsen herrlich geschmückt und der ganze Tempel glanzend erleuchtet. Da begannen die Accorde des reichbesetzten Orchesters und der in der zweiten Gallerie — dem Allerheiligsten gegenüber — befindliche Chor stimmte das Ma tolm etc. an, der Vorderer erwiederte mit dem andern Verse, YVa-aui berob cbassdeclm etc., worauf der Chor wieder mit dem dritten Verse einsiel und so fort; ein musikalisches Intermezzo leitete sodann den Uebergang zu Psalm 24. ein, dessen erste beiden Verse der Vorbeter hebräisch rccitirte. Ein Diskant-Solo schien gleichsam aus erhabner Höhe herab die im dritten Verse enthaltene Frage auszuwerfen: „Wer darf den Berg des Herrn besteigen? rc. ('n'irn rr’?;"1 vj) und ein Baßsolo erwiederte das folgende: „Wer reinen Herzens ic.“ a^ca 'p:), worauf der ganze Chor in den Segenswunsch einstimmte „Jissa bracha etc.“ und der Vorbcter den Schlußsatz dieser Psalmabtheilung 8eh dor dorschavetc. mit erhabner Stimme auSsprach.— Eine kleine Pause erfolgte; Engcltönen gleich erschallte es nun von der Hohe cdiük-i in« (Erhebet ihr Pforten das Haupt ic.); ein himmelblauer Vorhang öffnete sich, und die Gesetzrollen kamen herein. Zuerst zwei jüngere Gemeindeglieder als Commissarien mit brennenden Kerzen, sodann der Oberrabbine; ein früheres Mitglied des Gemcindevorstandes, welches 25 Jahre hindurch diesen Posten ehrenvoll bekleidete; der älteste Vorsteher der heiligen Brüderschaft, ein Greis von 8l) Jahren und allgemein geachtet; die gegenwärtigen Mitglieder des Gemeinde-Vorstandes; die Mitglieder des Gemeinde- Ausschusses; die übrigen Hausväter, welche im Besitz von Torarollen sich befinden. Diesen aus 23 Toraträgern bestehenden Zug beschlossen wieder zwei Commissarien mit brennenden Kerzen. Die Tora's waren fast alle mit silbernen Schildern und reichgestickten Gewändern aufs geschmackvollste verziert. Der Zug umging nun zuerst alle Gänge der Synagoge, wendete sich dann durch den Mittelgang zu der Estrade vor dem Allerheiligsten, wo er still stand. Inzwischen hatte der Chor den 24sten Psalm ganz

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.