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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-05-30 · Heft 22 (30.5.1840) · p. Seite 511

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 22 (30.5.1840)
Date
1840-05-30
Page
Seite 511 (sequence 3)
Language
German
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511 Ponsonby; so wie dem Repräsentanten der englischen Regierung in Alexandria, Instructionen ausgefertigt werden sollten, welche sie ermächtigten, Alles zu thun, was in ihrer Macht stünde, um der Fortsetzung solcher Grausamkeit und Ungerechtigkeit Einhalt zu thun." Die Limes macht folgende Adresse bekannt, welche die Juden in Alexandrien Mehemed- Ali zu Gunsten ihrer unglücklichen Religionsgenossen in Damaskus überreicht haben. — Man sagt, haß der Pascha die jüdische Deputation mit größtem Wohlwollen empfangen und sich gleich daraus sämmtlicheActen, welche sich auf diesen Vorfall beziehen, vorlegen lassen, um sie zu prüfen.—Folgendes ist die Adresse: „Hoheit! das Volk Israel hat keinen Fürsten, keinen Staat; sein Ruhm liegt begraben in den Annalen des Alterthums, seine Nationalität ist erloschen. Die Religion beherrscht das Gewissen, aber sie, darf die Völker nicht trennen: die Israeliten von Damaskus sind Eure Kinder, denn Gott hat sie Eurer Regierung anvertraut. Niederträchtigkeit hat sie verläumdet, Grausamkeit hat sie bedrückt! Von wem könnten sie Gerechtigkeit verlangen, wenn nicht von ihrem rechtmäßigen Beherrscher? Der Name Mehmed-Ali ist berühmt in der Welt, denn in der einen Hand trägt er den Ruhm und in der andern die Gerechtigkeit! Die Israeliten in Damaskus sind eines abscheulichen Verbrechens beschuldigt, eines Verbrechens, welches der Vernunft, den religiösen Grundsätzen, der Wahrheit und noch mehr der Geschichte entgegen ist. Die Juden waren die ersten, denen Gott verboten hat, Blut zu vergießen, die ersten, welche das menschliche Blut vom Altar des Herrn verbannten. Es ist wahr, das Volk Israel ist unglücklich gewesen, aber sein Benehmen im Unglücke war bewundernswürdig; Männer, wie Ew. Excellenz, welche Gott mit hohem Geiste begabte, beklagen es, aber sie verachten es nicht. Wessen sind unsere Brüder in Damaskus angeklagt? Einen Menschen getödtet und sich seines Blutes zur Bereitung des ungesäuerten Brodes bedient zu haben. Die jüdische Religion besteht seit mehr als 4000 Jahren. Könnte man seit 4000 Jahren in den Annalen ihrer Institutionen ein einziges Wort finden, welches solcher Schändlichkeit zum Vorwurf diente? Schmach, ewige Schmach demjenigen, welcher es glauben kann! Die Israeliten, Excellenz, verabscheuen das Blut, und verstärken die Vorschrift ihrer Religion, welche es ihnen zur Pflicht macht, sich desselben zu enthalten, bis aufs Aeußerste. Sie verwerfen das der Thiere, und thun alles Mögliche, damit das Fleisch, welches ihnen zur Nahrung dient, davon befreiet sei. Wie können wol diese kleinlichen Vorschriften welche bei der Zubereitung des Fleisches beobachtet werden, mit der schrecklichen Beschuldigung, einen Menschen ermordet zu haben und sich von seinem Blute zu nähren, in Einklang gebracht werden? Es ist dies ein außerordentlicher Jrrthum, aber die alte Feindschaft einer zu mächtigen Person in Syrien gegen unsere Religionsgenossen verbreitet diese Lügen; und daher kommt es, daß die ehrbarsten Männer der Tortur, den schrecklichsten Schlagen überliefert wurden, daß sie Qualen von ganz neuer Erfindung erdulden mußten. Solche Mittel wandte man an, um ihnen Geständnisse zu entreißen. Solche schreckliche Qualen mußten ohne Zweifel einigen von ihnen zu falschen Erklärungen zwingen. Wenn es auch viele Menschen giebt, die Kraft genug besitzen, um einem plötzlichen Tode trotzen zu können, so giebt es doch wenige, welche solche Qualen erdulden können, und zu Damaskus ist die Tortur schrecklicher als irgendwo in der ganzen Welt. Es war schon der Fall, daß Juden ihre Schuld zugestanden, und nachher wurde ihre Unschuld bewiesen. Mehr als hundert Kinder sterben vorHunger im Gefängnisse: so wird die Gerechtigkeit bei Eurem Volke in Damaskus gehandhabt! Wir haben erfahren, daß Briefe angekommen sind, nicht von Israeliten, sondern von ehrbaren Christen aus Damaskus, deren Gewissen durch solche Grausamkeit betrübt ist. Diese Briefe verkünden die Unschuld der Juden, und die Ungerechtigkeit der Diener Eurer Hoheit. Die Consuln von Oestreich und von Dänemark haben diese Erklärungen empfangen; von allen den Berichten, die in so theilnehmenden Ausdrücken abgefaßt sind, und in Händen unserer Religionsgenossen sich befinden, wollen wir gar nicht reden. Hoheit! Wir fordern, nicht Mitleiden, sondern Gerechtigkeit für unsere Religionsgenossen, aber strenge Gerechtigkeit möge Ew. Hoheit ausüben. Ihnen allein hat Gott seine Macht über diese Unglücklichen übergeben. Sie allein haben das

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