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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-05-23 · Heft 21 (23.5.1840) · p. Seite 306

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 21 (23.5.1840)
Date
1840-05-23
Page
Seite 306 (sequence 14)
Language
German
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306 Häuser und Synagogen einsperrten, und sie sich über den Köpfen anzündeten (Pistor. script. rer. Oerman. ,Vol. I!. P. I. p. 890. P. II. p. 328). In Basel war eine Empörung des Volks gegen den Magistrat die Folge von der Weigerung des letzter«, die Juden zu mißhandeln und zu verbrennen. Das Volk zwang seine Obrigkeit wider ihren Willen, unmenschlich zu sein. Es wurde ein eigenes hölzernes Haus am Rhein gebaut, worin die Juden am Freitag nach Hilarii 1349 zusammen getrieben und zu Asche verbrannt wurden. Eben so ging es ihnen in! Ulm, Augsburg, Bamberg und an unzähligen andern Orten. In Elsaß wurde zum Theil auch dieses Volkswahns wegen ein Convent der Landstände zu Benfeld gehalten, wo Berthold, der Bischoff von Straßburg, die Baronen des Elsasses und die Abgeordneten der Stadt Straßburg sich versammelten, um sich zu berathschlagen, was bei der Stimmung des Volkes, eine unschuldige Nation wider Willen der Obrigkeit zu verfolgen, zu thun sei. Man kam dahin überein, daß es rathsam sei, mit Güte das verblendete Volk auf andere Gedanken zu bringen, doch so viel als möglich, dem allgemeinen Sturm der Leidenschaften nachzugeben. Die beiden Stettmeister in Straßburg, Conrad von Wintertur und Gosso Strum, so wie der Ameister Peter Schwaber, suchten die tolle Wuth des Volkes zu besänftigen. Aber vergebens! Der souveräne Pöbel verschaffte sich selbst Gerechtigkeit, weil er sich vorstellte, daß der Magistrat von den Juden bestochen worden. Fast waren schon am folgenden Lage die meisten Zünfte besänftigt, nur die Zunft der Fleischer widersctzte sich, und erreichte ihren Zweck. Der Magistrat wurde abgedankt, und ein Fleischer, als ein achter Sansculotte zum Ameister gewählt. Nun ging es an ein Brennen und Morden. Das Revolutions-Tribunal, * welches den Buben von 1793 Ehre gemacht haben würde, verurtheilte zweitausend Juden zum Scheiterhaufen. Sie wurden zusammen auf ihren Begrabnißplatz geführt, verbrannt und ihre Güter eingezogen. Selbst der Kaiser konnte diesem Unfug nicht steuern., Schon Konrad IV. hatte 1234 den Juden das Privilegium als kaiserlichen Kammerknechten gegeben. Darauf berief sich jetzt Karl IV. und schrieb im Julius 1349 in sehr gemäßigten Ausdrücken an die Stadt Straß bürg. Er beklagte sich in diesem Briese, daß man seine Kammerknechte verfolge, und daß seine Einkünfte dadurch geschmälert würden. Dieser Brief verursachte aber große Unruhen in Straßburg: der Pöbel glaubte, Wunder wie sehr seine Rechte beeinträchtigt würden, wenn er dem Kaiser gehorchte. Und Karl IV. mußte, um die Unruhen zu dämpfen, in einem zweiten Briefe den Straßburgischen Fleischern gleichsam Abbitte thun, wenigstens ihnen völlige Amnestie zusichern (Königshoven S. 1031. Lagnille hist, de la province d’A!- sace liv. XXV. p. 288). Die Juden selbst rühmen diesen Kaiser, als ihren großen Freund und Wohlthäter (Salomon ben Virga trib. Jehnd. p. 151). Aber in Böhmen mußte er, um sich beliebt zu machen, die Schuldforderungen der Juden an die Edelleute für null und nichtig erklären. Der Pfalzgraf Ruprecht nahm sich ebenfalls, wiewol ohne sonderlichen Erfolg, der Juden an: er wart dafür beschuldigt, von ihnen bestochen zu sein. Dei Herzog Albert von Oestreich schützte sie weit thatiger ohne sich an Verleumdungen zu kehren. Er belegt die Stadt Krcnis, die ebenfalls die Juden verbrann hatte, mit schweren Brandschatzungen, und plündertsogar die Städte aus, die sich dergleichen Grausam keilen schuldig gemacht hatten. In Kyburg hatte e> 430 Juden ausgenommen, und ihnen Schutz ver sprachen. Allein die Stadt setzte sich hartnäckig da gegen, und schrieb dem Herzog: er müßte die Jude, verbrennen, oder sie wollten es thun. Auch geschal das letztere, trotz der Ahndung, womit er.ihnen gedroht hatte. In Mainz hatten sich die Juden zur Wehr gesetzt, und es waren bei 200 Christen in einem Gefecht geblieben. Daher war hier ihre Strafe desto schrecklicher. Zwölftausend Juden wurden verbrannt, und von der Hitze des nahen erschrecklichen FeuerS schmolz das Blei an den Fensterscheiben der Stiftskirche. (Fortsetzung folgt.)

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