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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-05-23 · Heft 21 (23.5.1840) · p. Seite 304

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 21 (23.5.1840)
Date
1840-05-23
Page
Seite 304 (sequence 12)
Language
German
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504 die Lokalität, und als Anspornung zu weiteren Schritten, der Löeffentlichkeit anzunotiren, sehr thunlich ist. Haben daher anderweitige politische und theologische Zeitschriften, und zwar die bedeutendsten, wie die Allg. Augsb. Zeit., die Leipz. Allg. Zeit., die Berliner Kirchenzeit. u. A. besondere Artikel für „Personalnachrichteri," wird man uns die obige Rubrik sehr gern gestatten, und mit Dank anerkennen wollen. Deßau. Trotz vielen Hindernissen, die man freilich hierorts nicht vermuthen sollte, ist es dem Landrabb. Herrn S. Hirsch gelungen, zu bewirken, daß fortan die Trauungen in der Synagoge vollzogen werden. Allerdings leidet der neue Trauritus etwas an Ueberladunq. Eine Trauung ist ein Familienakt, zu viel Gepränge, Gesänge rc. sind bei einem solchen weniger passend. Die Verlesung der Segenssprüche und des Traubriefes in hebe. und deutscher Sprache' will auch nicht gefallen, da die Predigt doch schon über den Inhalt der Ehe belehrt, und entweder — oder. Die hebräischen Segenssprüche dürfen nicht aus dem jüdischen Trauritus weichen, der Traubrief kann dafür in angemessener Form deutsch abgelesen werden. Hiegegen finden wir jetzt noch die beibehaltene Vertheilung der Segenssprüche unangemessen. Penzlin sMektemburg.) Die Gemeinde hat in einer am 22. April gehaltenen Sitzung den Verkauf der Mizwot ausgehoben, und die Mischeberach bloß auf dm zur Tora Gerufenen und den *pö beschrankt. Stettin. Unter den vorzüglichsten Verbesserungen, welche die wirklich würdigen Herren Repräsentanten der hiesigen jüdischen Gemeinde angeordnet, verdient wot der sich am 12. dieses Monats aus Veranlassung derselben gebildete Wohlthatigkeitsverein zur Pflege der Kranken und Beerdigung der Todten, den Vorzug. Die Statuten dieses Vereins sind von den Repräsentanten entworfen worden, und ohne das Ritual und Eeremonial zu verletzen, sind sie ganz der jetzigen Zeit angemessen. Bereits ist ein großer Theil dem Vereine deigetreten, und giebt so zu erkennen, daß sie das Bessere zu thun gesonnen ist. Natürlich wird dieses den Repräs. zur Freude gereichen, und ihren Eifer zur Erfüllung ihrer mühevollen Aemter noch mehr anspornen. Wie man sagt, sollen genannte Herren die baldige Abschaffung der Mizwot - Auction beschlossen haben, aber noch nicht ganz darüber einig sind, wie dies zu bewerkstelligen sei, ohne die Einnahme der Gemeindecasse zu schmälern, und etwaige Zwistigkeiten in der Gemeinve zu veranlassen; da ihnen nach den Statuten der Gemeinve nicht erlaubt ist, erne neue Auflage an Abgaben zu machen, so ist dies allerdings schwierig. ' Der Aufsatz aus „Hinterpommern" in No. 13 der Zeit, des Judenthums hat hier große Sensation erregt, jedenfalls sagt der Verfasser desselben Wahrheit, jedoch zeichnet er ziemlich scharf und bitter. Der Vorschlag, hier einen Rabbinen mit Hülfe der Provinz aufzunehmen, soll, wie man sagt, in der nächsten Session der Repräsentanten in Erwägung gezogen werden. Gott gebe daß dies zu Stande käme, dies konnte wahrlich manchem Uebet adhelfen. AQyova. Rückblicke auf frühere Zustände der Jude» m de» deutsche» Länder». (Fortsetzung.) Hl. Judenverfolgungen im Jahre 1349—1350. Eine sehr schreckliche Wirkung der Wolksvorurtheile bei Gelegenheit einer in den Jahren 1348—1350 durch ganz Europa wüthenden Seuche, die man den schwarzen Tod nannte, möchte man lieber der Nacht der Vergessenheit übergeben, als sie zur Schande der Menschheit an Tageslicht bringen, wenn es nicht die Treue der Geschichte nothwendig machte, auch diese traurige Wirkung der finstersten Barbarei zu entwickeln, besonders, da wir vergleichen Unsinn selbst in neuerer und neuester Zeit immer von neuem re» produciren sehen und manche sich nicht scheuen, die» sem Mittelalter, in welchem Barbarei, Grausamkeit, die größte polizeiliche und politische Unordnung, Laster aller Art vorherrschten, eine Tiefe gemüthlichet Empfindung und heroische Auffassung des Lebenszweckes, somit Vorzüge vor unsrer indifferenten Zeit, zuzuschreiben. Wir reden von der allgemeinen Verfolgung der Juden in den Jahren 1349 und 1350, wozu das gemeine Volk durch den Verdacht genöthigt wurde, daß die Ursache der Pest in der Vergiftung der Brunnen liege, welche die Juden auf Befehl ihrer Rabbinen vorgenommen hätten. Durch einen großen Theil von Europa, wenigstens in Deutschland und Frankreich, war es allgemein als «ine gewisse Wahrheit verbreitet worden, daß alle Juden ohne Ausnahmen Theil an diesem Verbrechen genommen hatten. Das einzige Litthauen blieb ihr sicherer Zufluchtsort, den ihnen eine Jüdin Esther, in die sich Casimir der Große verliebt hatte, verschaffte (Basnage hist, des Juifs liv. IX, ch. 24. §. 35.). Sonst wurden sie in den meisten übrigen Ländern gemartert, lebendig verbrannt, alle ihre Gü-

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