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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-05-23 · Heft 21 (23.5.1840) · p. Seite 302

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 21 (23.5.1840)
Date
1840-05-23
Page
Seite 302 (sequence 10)
Language
German
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302 Adua, um sich daselbst durch Arbeit etwas zu ver- . dienen. Bor fünfzig Jahren bildeten sie unter eigenen Fürsten einen Staat in Simien. Die hohe Felsenburg Ainba Gideon war der Hauptsitz ihrer Fürsten. Seitdem ward aber diesem Staar durch den christlichen Beherrscher von Simien ein Ende gemacht, und nun leben sie von diesem in gewisser Abhängigkeit. Ihre Zurückgezogenheit jedoch und der Ruf der Zauberei schützt sie besser als alle Waffen gegen willkürliche Bedrückung. Man läßt sie gern in Ruhe sobald sie den unbedeutenden Tribut zahlen, der ihnen aufcrlegt ist. Von ihren Sitten, Gebrauchen und ihrer innern Verfassung weiß man wenig. Jedoch sind sie weit arbeitsamer, als die übrigen Äbyssinier; man kann sagen, sie sind die nützlichsten Einwohner des Landes. Sie bauen die Hauser in Gonda, schmieden das Eisen und sollen sogar einige Metallcompositionen so wie chemische Präparationen kennen. Ihre Häuser sollen die besten sein, die man in Abyssinien findet, sie halten sie sehr reinlich, erlauben aber niemals einem Christen den Eintritt; übrigens sind sie in Bezug auf die Bibel sehr unwissend und kennen kaum die fünf Bücher Moses. Es würde sehr interessant sein wenn man historisch Nachweisen könnte, daß diese Falaschas wirklich Abkömmlinge von in früherer Zeit aus Judäa eingewanderten Juden sind. Die überall die Juden charakterisirende National-Physiognomie, die sie in allen Climaten und unter allen Völkern sogleich wieder erkennen laßt, fehlt diesen abyssinischen Juden gänzlich. Ihr Physisches unterscheidet sie in nichts von den übrigen Abyssiniern. Sie sind schwarz wie diese und tragen ebenfalls den eigenen afrikanischen Zug um Mund und Nase, wahrend die Juden in Deinen, also unter gleicher geographischer Breite und in einem weit heißern Klima sich deutlich von den Arabern unterscheiden und gar nicht als Juden zu verkennen sind. Es giebt in Abyssinien noch viele Abkömmlinge der dort angesicdelt gewesenen Portugiesen, diese Abkömmlinge zeichnen sich noch immer trotz ihrer Vermischung mit den Abyssiniern von diesen durch eine weniger schwarze Färbung und durch eine mehr europäische Gesichtsbildung aus. Es wäre daher völlig unerklärbar, wie ein weißer in Abyssinien eingewanderter Volksstamm bei einem von den Eingebornen völlig zurückgezogenen Leben und bei der Sorge, sich niemals mit ihnen zu vermischen, sich so verändern könne, daß in einem so milden und wenig heißen Klima, wie das abyssinische, aus der weißen Farbe die schwarze und aus einer asiatischen Race die afrikanische entstehen könne, wahrend man sieht, daß derselbe Völkerstamm in allen andern Ländern und in jeder Zone seine Eigenthümlichkeiten beibehalten hat. Aus diesen Gründen scheint es wahrscheinlich, daß sich nur das Judenthum mit seiner ganzen Abgeschlossenheit in Abyssinien verbreitet hat, daß aber keine förmliche Einwanderung der Juden statt gefunden habe. Gegen eine solche Einwandrung spricht auch schon die natürliche Beschaffenheit des Gebirgslandes sowol, als die spätere schnelle Verbreitung des Christenthums selbst. Und wann sollten die Juden cingewandcrt sein? Sie selbst behaupten, nach der Einnahme Jerusalems durch Titus nach Abyssinien geflüchtet zu sein und dort sogleich einen eignen Staat gebildet zu haben. Eine solche Flucht aber oder solche Emigration ist bei einer so weiten Entfernung sehr schwer zu bewerkstelligen. Denn in der damaligen Zeit eine Menge Familien von Jerusalem nach Abyssinien zu transportiren, daß sie, dorr angekommen, sich gleich in solcher Anzahl finden, um einen eignen Staat zu gründen und sich als solchen zu behaupten, ist durch die unsägliche Menge vorher zu beseitigender Schwierigkeiten nicht anders zu begreifen, als wenn man eine Wiederholung der Wunder anni,»mt, welche die Kinder Israel aus Aegypten nach Kanaan geführt haben. Mögen sich einige Individuen dort hingeflüchtet und Kinder erzeugt haben, schwerlich aber stammen die jetzigen abyssinischen Falasches von den eigentlichen Juden ab. Man hat in neuern Zeiten eine andere sonderbare Hypothese ausgestellt und behauptet, das eigentliche' Vaterland der Juden sei Abyssinien gewesen. Von hier wären sie nach Senaar, Nubien und Aegypten unter dem Namen Hyksos gezogen, hätten diese Länder eine Zeitlang beherrscht, wären aber nachher wieder unterjocht und zuletzt von Moses nach Kanaan geführt worden. Diese Hypothese entbehrt aber so gänzlich alles historischen Grundes, daß sie gar nicht annehmbar ist. Nicht nur die Geschichte, sondern auch die noch übrig gebliebenen Monumente Aegypten's beweisen, daß in frühern Zeiten ein Theil dieses Landes, namentlich Ober-Aegypten, von einem schwarzen Volke beherrscht ward, das einen großen Theil der Pracht-

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