Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1840)
- Date
- 1840-05-23
- Page
- Seite 301 (sequence 9)
- Language
- German
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501 schast ihre würdigeren Vertreter stark genug zurückweisen müssen. Dr. SB....... Strelitz, 5. Mai. (Privatmitth.) Im Lause des vorigen.Jahres wurde der betreffenden Behörde eine von sämmtlichrn Gemeinden Unterzeichnete Bittschrift überreicht, in welcher die Nothwendigkeit auseinandergesetzt wurde, den Juden Erlaubniß zum Ankauf von Grundeigenthum, zur Erlernung von Handwerken und zur beliebigen Wahl ihres Domicils zu ertheilen. Bis jetzt ist jedoch über den Erfolg officiell noch nichts bekannt geworden. Jeder, dem die gesetzlichen Bestimmungen Deutschlands im Allgemeinen und die Localverhältnisse von Meklenburg-Strelitz insbesondere bekannt sind, wird mit mir in der Nothwendigkeit einer zeitgemäßen Reform übereinstimmen. Wir würden einer schrecklichen Zukunft entgegensehen,' wenn nicht die vielfach bewiesene Milde und Einsicht unserer Regierung uns zu den schönsten Hoffnungen berechtigte. Das jüdische Schulwesen liegt sehr im Argen. Es fehlt einigen Gemeinden freilich an großen Mitteln, aber weit mehr noch — und dies ist ein harter Vorwurf — an Einigkeit und gutem Willen, für's Erste auch nur etwas in Dieser Hinsicht zu thun. Sv ist z. B. in Fürstenberg jetzt gar keine Schule, obgleich wenigstens vierzig Kinder schulfähig sind. Eine ehrenwerthe Ausnahme von dem eben Gesagten macht jedoch die Gemeinde von Strelitz, deren östentliche und Freischule in Folge ihrer innern und äußern Organisation seit 14 Jahren die erfreulichsten Resultate aufstellt. Sie ist eine Vermittlerin des Himmels und der Erde; sie will nicht nur dem Geiste Nahrung, sie will auch dem Gemüthe und den Sitten jene Vollendung geben, die uns des großen Zieles der bürgerlichen Freiheit würdig macht. Möge nie eine Spaltung, mögen nie äußere Hemmungen dem segensreichen Werke störend begegnen! Eine vortreffliche Einrichtung ist es, daß jeden Sonnabend, nach dem Schluffe des Gottesdienstes in der Synagoge, religiöse Borträge in dem Schullokale und zwar von den Lehrern gehalten werden. Obgleich diese Vorträge nur für die Jugend bestimmt sind, so ziehen sie doch auch — und das ist ein gutes Zeichen der Zeit — sehr zahlreiche Zuhörer aus der Gemeinde herbei und haben also einen sehr glücklich erweiterten Wirkungskreis. Namentlich zeichne» sich die Reden des Herrn Klein besonders aus. Sie sind von jener ungesuchten und natürlichen Frömmigkeit des Gemüths durchdrungen, welche keine Sophismen der Zeit jemals in uns werden ertödten können; sie sind ein Band, welches das geoffenbarte Wort mit dem Leben verbindet und die Deutung des Erstern so wie tief empfundene und wohl gewählte Erfahrungen des Letzter» zu einem schönen Ganzen vereint. Dabei verschmäht Hr. Klein jeden rhetorischen Kunstgriff, jede schwülstige Floskel und ergreift seine Zuhörer nur durch die Macht seines einfachen Wortes. Die Gemeinde hat die Fähigkeiten dieses Mannes und seine tüchtigen klassischen und theologischen Studien, die er theils in Bamberg theils in Prag gemacht hat, bereits gebührend anerkannt und ihn zum Rabbinatsaffistenten . erwählt. Dresden, 7. Mai. sPrivatmitth.) Morgen, als am 8. d. M. findet die Einweihung unsrer neuerbauten Synagoge statt. Dir Feierlichkeit, die einfach und ohne alles überhäufte Gepränge vor sich gehen wird, beginnt Nachmittags 5 Uhr. Nach einer einleitenden Musik werden abwechselnd von Chor und Vorbeter gesungen: 4 Mos. 24, 5. Psalm 5, 8. 26, 8. 95 , 6. 69, 14. Hierauf der 24ste Psalm. AlSbann beginnt der Zug mit den Gesetzesrollen, und der Oberrabbiue spricht irnma. Unter Hosianna's geschieht der siebenmalige Umgang, nach deren Ende der Oberrabbiue das rus spricht, worauf noch mehrere Gesänge folgen. Nach der Predigt wird ein deutscher Choral Zeftuigen, dem Ps. 117. folgt. Alsdann beginnt das Abendgebet für den Eingang des Sabbats, mit Ps. 95. Abysfiuien. Wir haben zur Zeit einige Nachrichten über die jüdischen Bewohner von Abyffinien, welche kurzen Mittheilungen des Reisenden, Herrn von Kalte, in der Augsb. Mg. Zeit, entnommen waren, gegeben. Da nunmehr die Reise des Herrn von Kalte vollständig erschienen vor uns liegt, so entnehmen wir daraus den ganzen Artikel (S. 88. flg.) Die Juden oder Falaschas, wie sie genannt werden, wohnen in der Provinz Simien, am Tzana-See, in der nähern Umgegend von Gondar und in den nördlichen Gebirgen der Provinz Dembea. JnTigre giebt es durchaus keine; zuweilen kommen sie nach 21*