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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-05-23 · Heft 21 (23.5.1840) · p. Seite 300

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 21 (23.5.1840)
Date
1840-05-23
Page
Seite 300 (sequence 8)
Language
German
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500 in Tausend Ohnmächte. Aber nicht bloß das Werk! des Tages, auch das Werk aller Jahrhunderte, das Werk der Geschichte, beruht auf der Theilung der Arbeit, nur daß hier Nationen und Religionsgemeinschaften an die Stelle der Individuen treten. Die Wahrheit und das letzte Ziel der Geschichte sind keine, unmittelbar mit der Hand greifbare, sonst hätte Adam auch der letzte Mensch sein dürfen, aus unzähligen Gedankenspänen setzt sich der Bau zusammen und Jahrhunderte leben der Nealisirung Einer Idee. Aber grade in dieser Einseitigkeit, im besseren Sinne des Wortes, in diesem Festhalten Eines Gesicht- und Standpunktes besteht die Energie der Kraft, die sich ohne sie fruchtlos zersplittern würde. Und glaube man darum nicht, daß durch diese Förderung vielleicht des allgemeinen Jnteresse's die allgemeine Bildung des Einzelnen gefährdet werde. Besonderheit und Allgemeinheit sind keine sich ausschließenden Gegensätze, die allgemeine Bildung, die jede Specialitdt verschmäht, die s. g. Aufklärung, ist nur eine negative, die zwar die Schranken einer verknöcherten Form bricht, aber kein neues Gebäude aufführt; die wahre positive Bildung erscheint als eine individuell gegliederte, als eine nothwendig besondere. Das lst die Bedeutung des Berufes, die Bedeutung der Nationalität und die der positiven Religion, daß sie uns nicht nur den Standpunkt zum Wirkenfür das allgemeine Wohl, sondern auch den Gesichtspunkt zum Auffassen der allgemeinen Wahrheit geben sollen. Welches Recht hätten wir, uns Juden zu nennen, wenn wir nicht einen jüdischen Ausgangspunkt für unsere Bestrebungen hätten und nicht durch historisches Anschließen ihn bethätigten? Und die Form? Entbehren kann ihrer für den positiven Gottesdienst nur jene in's Nebelhafte verschwimmende Ausklärungsallgemeinheit, aber nicht die gegliederte Einheit des Gedankens, die dem einzelnen Geiste auch seinen einzelnen Leib vindicirt. Ich will nicht jener Form das Wort reden, die, zugleich mit dem Gedanken stagnirend, nur Schranke und nicht auch Gestalt geben will, ein treues Ebenbild dieses soll jene mit ihm wachsen und sich umgestalten, aber ffo soll sie fein ein Zeichen und ein Symbol unsers Zusammenhanges und ein integrirender Theil der Religion bleiben, wie auf dem ethischen Gebiete die Sitte ein integrirender Theil der Sittlichkeit. Auch die Aufklärung, die sich doch das Allgemeinste zu sein dünkt, und doch nur ein einseitiges Festhalten am Verstände ist, hat ihre Zeit gehabt, in der sie zu hegen war, unser Tempel selbst ist ein, aus bloßem Widerstande und nicht aus einem positiven Boden erwachsenes Institut und es war ihm nicht zu verargen, daß er dem starren Festhalten an dem Gegebenen gegenüber gleich starr war in der Idee der Umwälzung. Aber die Zeit jener Starrheit ist vorüber und seit die Synagoge selbst vom Gedanken des Fortschrittes lebhaft ergriffen ist und das allgemeine Bedürfniß neben dem Anschluß an die Geschichte auch zeitgemäße Weiterbildung verlangt, geziemt es auch uns, einzulenken und nicht mehr zu glauben, daß im Niederreißen, sondern daß im Fortbauen des unvollendeten Hauses die wahre Förderung liege. Referent, der auf dem theologischen Gebiete gar sehr Laie ist, glaubte sein Urtheil deshalb um so weniger zurückhalten zu müssen, da es die Beurtheilung einer, nur von Laien ausgegangenen Wahl betraf, bei der der Ansicht unserer Herren Prediger, also der einzigen Männer von Fach in der Gemeinde, aller Einfluß mindestens auf das wählende Collegium als solches durch die Verwaltung des Tempels entzogen war. Er darf deshalb desto freier sein Bedauern über diesen Ausspruch der Tempelgemeinde hinsichtlich des Principes äußern, so sehr er dieser auch zu der Persönlichkeit, den Talenten und der jugendlichen Energie des Hr. vr. Fr., von der jede Ansicht das Heil der zu pflegenden Anstalt erwarten darf, Glück wünscht, und so wenig er selbst davon überzeugt ist, daß derselbe der Aufklärungsparthei angehört. Die Wahl des Predigers geschieht zwar statutengemäß hier auf eine höchst tadelnswerthe und schon vor Jahren gemißbilligte Weise, nämlich durch Direktion, Deputation — die zusammen aus 9 Personen bestehen — und 15 durch das Loos gezogene Mitglieder des Tempels, indessen hätte, nach der großen Stimmenmehrheit in diesem Collegium sürHr. vr. Fr. zu schließen, vcrmuthlich auch eine Abstimmung unter sämmtlichen Mitgliedern ein gleiches Resultat gegeben. Dabei ist freilich nicht zu verkennen, daß Jndifferentismus und religiöser Leichtsinn sich am liebsten der mehr negirenden Parthei der s. g. Aufklärung anschließen und daß Mancher sich zu dieser Parthei zählen zu können glaubt, dessen Gemein-

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