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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-05-23 · Heft 21 (23.5.1840) · p. Seite 299

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 21 (23.5.1840)
Date
1840-05-23
Page
Seite 299 (sequence 7)
Language
German
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299 zu'einem Streit der Prinzipien machten und ihm dadurch den Werth liehen, der seine ausführliche Besprechung in diesem Organe eines allgemeineren Jntereffe's rechtfertigt. Herr k)r. Fr. bezeichnete in seiner zweiten Wahlpredigt die 3 Tugenden:") als die Surrogate der verschiedenen Arten der Opfer, und zugleich als die Hauptstützen der Religion. Dagegen könne man ihm zwar einwenden, daß diese Lehren eine Religion bilden, die für Me paffe, aber grade das sei der Triumph der unseren, daß sie diese Fähigkeit einer allgemeinen in sich trage und dieser Entwickelung müssen wir - durch Fortbildung des Geistes und durch Aufhebung der Schranken, die die Form sehe, verarbeiten. Diese letzteren Gedanken, die nur eine Schlußbetrachtung der Predigt ausmachten, hätte man vielleicht zum Theil auf den leicht entzündlichen homiletischen Eifer für die, zu behandelnde Sache schieben können, der, begeistert von der Bedeutsamkeit seines Gegenstandes im Augenblicke nur Sinn für ihn hat, und in diesem Falle das, freilich für eine positive Religion nicht ganz unwesentliche Dogma ganz übersah. Indessen wurden diese Ansichten von der Gemeinde als Bezeichnung, eines Systemes, dem Hr. Dr. Fr. angehören zu wollen erkläre, genommen, sie waren es, die die Opposition der anders Denkenden sesthiclt und die schon deshalb in dieser Angelegenheit der Wahlspruch der Gleichgesinnten werden mußte. Es ist anzuerkennen, daß Hr. St. zum Theil wol auf diese Veranlassung hin in seiner nächsten Predigt Gelegenheit nahm, den ganz verschiedenen Weg zu bezeichnen, den er einzuschlagen gedenke. Er sprach von einem dreifachen Bande, das die selbstständige Einheit Israels zusammen halte, der Erinnerung an eine große Vergangenheit, der Hoffnung auf eine erlösende Zukunft und dem gemeinsamen Streben in der Gegenwart. Und um diese Einheit zu erhalten, bedürfe es von der Grundlage der Vergangenheit aus einer selbstständigen, organischen Entwickelung, nach der Zukunft hin einer Heranbildung zum Allgemeinen und für die Gegenwart eines aufopfernden Strebens. Vor Allem hob er die Vereinigung jener beiden Gesichtspunkte hervor, der Annäherung an das Allgemeine, aber von der Grundlage der Specialität *) Gerechtigkeit üben, die Tugend lieben und inDenuth wandeln vor Gott. aus, grade hier verlangte er vor Allem ein gemeinsames Streben, und warnte davor, sich loszureißen von dem Boden, auf dem wir wurzeln, und es für Fortschritt der Allgemeinheit zu halten, wenn Einzelne die gewählte Bahn mit reißenden Schritten verfolgen und verrätherisch unbekümmert um die Massen sie hinter sich zurücklaffen. Er freute sich des Antheiles, der dem Judenthume wieder an der allgemeinen historischen Entwickelung geworden und bezeichnete ihn als die Bestimmung, für die wir aufbewahrt seien. Was ist von beiden der rechte Weg? Ist uns ,nicht der Geist der Kern und die Form die Schaalc, die wir, wenn wir mit dem Geiste von Mund zu Munde verkehren, kühn genug von uns werfen dürfen? Ist uns nicht das rein Menschliche das Höchste und kann der Jude ein Höheres und Anderes verlangen, als Mensch zu sein? Soll uns nicht die Wahrheit bas Ziel alles Strebens sein und ist sie nicht eine unmittelbar zum Geiste redende, die der Vermittelung durch die Vergangenheit nicht bedarf, die uns mit dem Geschehenen und Abgeschlossenen brechen lehrt? Diese Betrachtungen, dem Laien zum ersten Male in ihrem Gegensätze schroff gegenüber vorgeführt, überrumpeln ihn, der reine Aether der Aufklärung, in dem wir wie die Engellein spielen könnten, hat so etwas Verlockendes und es möchte doch jeder sein Händchen im Spiele haben, wenn es für die Zeit zu wirken gilt, in der man weder Kreuz, noch Gesetzestafeln vor den sie umschattenden Rosen sieht. Aber was sie tagtäglich erfahren und erkunden, das vergessen sie, wenn es über das Tägliche hinausgeht. Du, der du Gelehrter, Künstler, Handwerker oder Kaufmann bist, empöre dich gegen die Einseitigkeit deines Berufes, du willst nicht bloß Gelehrter, Künstler, Handwerker oder Kaufmann sein, wie viel weniger nur Einem Zweige dieser Gattungen'angehören, du willst Mensch und dies Alles auf gleiche Weise sein, die allgemeine Bildung geht dir über Alles, und du willst all die Strahlen der Sonne in deinem Einem Geiste concentriren. Und nun bilde dir eine Welt von Menschen, wie du bist, voll Allseitigkeit und mit Vernichtung alles Unterschiedes — und wird dann das Höchste erreicht sein? O nein, deine Alles - Vermögenden werden Nichts vermögen, weil sie nicht Einem ihr Streben zugewandt haben, und die Masse der Bestrebungen zersplittert die Kräfte

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