Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1840)
- Date
- 1840-05-23
- Page
- Seite 298 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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298 Treue und Wahrheit gegen jeden Menschenbruder, Hinweisen könnt. Und schon darum, m. E., dürfen wir uns nicht mit dem Gewöhnlichen und Mittelmäßigen begnügen, müssen wir nach einer höhxrn Stufe religiöser und sittlicher Bildung streben, muß sich unser Gottesglaübe inniger, unsere Sittlichkeit reiner, unsere Gewissenhaftigkeit strenger, unser Wort zuverlässiger, unsere Menschenliebe thätiger, kurz unser ganzer Charakter nach allen Beziehungen und Richtungen hin tadelloser und vollkommener zeigen und darftellcn.Möchten solche Worte in allen israelitischen Gotteshäusern Ungarn's gehört werden! Wien, 3. Mai. (Privatmitth.) Die Preßburger Zeitung vom J. Mai enthalt die Repräsentation der Stande- und Magnatentafel an Sr. Majestät den Kaiser und König rücksichtlich der bürgerlichen Verbesserung der Juden. Die Aussicht auf völlige Gleichstellung ist auch darin ausgesprochen, wie denn überhaupt daS Actenstück in sehr eindringlichen, warmen Worten abgefaßt ist. Die Erwartungen der ungarischen Israeliten haben sich in allerneuester Zeit etwas herabgestimmt; indeß steht mit aller Zuversicht zu erwarten, daß das Votum des Reichstages nicht erfolglos bleiben wird. Die Stimmung des Pöbels, der keinem Lande und keinem Volke fehlt, ist in Folge dieses denkwürdigen Votums etwas gereizt worden, und es fehlt nicht an judenfeindlichen Demonstrationen. Die Gesetzgebung wird hoffentlich hierin einen neuen Grund finden, die Betheiligten vor jeder Willkühr unter den Schutz des Gesetzes zu stellen. Deutschland. Hamburg, 10. Mai. sDie Wahl eines Predigers an dem Hamburger Tempel hat, indem sich der Stand der Gesinnungen daran vielfach zu erkennen giebt, ein allgemeines Interesse, und so lassen wir hier einen ausführlichen Artikel eines andern Korrespondenten folgen. D. Redakt.j Unsere Tempelgemeinde, die, so sehr sie durch Errichtung ihres Gotteshauses den ersten Impuls zur Cultusreform gegeben hat, seit dieser Zeit in der Freude über das Erreichte dem Werdenden kein großes Interesse mehr zuwandte, und darum gar sehr außerhalb des Kreises der rüstigen theologischen Bestrebungen unsrer Glaubensgenossen stand; ist durch die Wahl eines neuen Predigers an die Stelle des abtretenden Herrn Dr. Kley einigermaßen wieder in das gemeinschaftliche Interesse hineingezogen worden. Jener eroterische Standpunkt beurkundete sich deutlich genug durch das Erstaunen darüber, daß es auch auswärts Männer gäbe, die den Ansprüchen unserer Gemeinde etwas Befriedigendes zu liefern im Stande wären, und so hätte denn, trotz der Gewöhnung derselben an Besseres, jeder erste Candidat, der nur den allgemeinsten Anforderungen der Bildung genügte, einer günstigen Aufnahme gewärtig sein können. Die Wahl selbst beschränkte sich auf die Entscheidung zwischen 2 Candidaten, den Herren Rabbinen Stein und Dr. Frankfurter, da Herr Rabb. vr. Heß seine Meldung sofort, nachdem die Zulassung auch andrer Candidaten zur Probepredigt ausgesprochen war, zurücknahm. Was nun jene beiden Herren betrifft, so mußte es freilich auch der, von dem Standpunkt unserer Theologie und unserer Theologen günstiger Denkende zugestehen, daß wir gar Tüchtiges gehört haben. Herr 1>r. Frankfurter, für den die Wahl entschied, besitzt alle Talente eines ausgebildeten Redners, ein sonores, männliches Organ, einen, namentlich bei kräftigeren Erhebungen ergreifend wirkenden Vortrag mit dem belehrenden Tone des Volksredners, dir logische Gewandheit, die ihrem Gegenstand durch erschöpfende und in einander passende Disposition die verschiedensten Seiten abzugewinnen weiß — welche Kunst sich trotz einiger, sogar harter Verstöße gegen ihre Vorschriften dennoch glänzend zu bewähren wußte — und endlich ein lichtvolles Erfassen des ganzen Textgedankens. Dagegen traten bei Herrn Stein nrehr die Talente des Predigers hervor. Ein blühender, durch wahrhaft überraschende Bilder gehobener Stil, eine dichtgedrängte Phalanx von Gedanken, weniger durch die äußerlich hinzukommende Künstlichkeit der Disposition, als durch die innere Einheit des zu behandelnden Thema's zusammengehalten, und ein immerwährendes Anschließen an den Text und Erläutern desselben bis zu den einzelnen Worten, bezeichueten seine Vorträge. So standen sich zwei, in verschiedenen Sphären glänzende Talente gegenüber, die Wahl erschien Jedem als eine schwierige und es galt für eine nicht geringe Erleichterung derselben, als die beiden Candidaten durch ein, mindestens vermeintliches Hervorheben von einander sehr divergirender Ansichten den ganzen Streit der Bewerbung