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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-05-23 · Heft 21 (23.5.1840) · p. Seite 297

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 21 (23.5.1840)
Date
1840-05-23
Page
Seite 297 (sequence 5)
Language
German
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297 sang gebetet; der thätige Rabbine Fasset, bekannt durch seine Fehde mit Hirsch, ist sehr eifrig bemüht, dem Chor die Pforten der Synagoge zu öffnen, er hat aber bisher noch nicht von allen Seiten die erforderliche Unterstützung gefunden. Schöne Fortschritte macht der, vor einem Jahre gegründete Arbeitsverein, der bereits 16 Zöglinge zählt, die bei verschiedenen Meistern in der Lehre sind. Hr. Moritz Schreiber hat sich durch einen Beitrag von 606 fl C. M. um diesen Verein ein besonderes Verdienst erworben, so wie sich sein Bruder, Hr. Alexander Schreiber, durch seine Amtsthätigkeit als Vorsteher ein ewiges Denkmal in seiner Gemeinde gesetzt hat. In Boskowitz ist gerade während meiner Anwesenheit cinmüthig der Beschluß gefaßt worden, das Schulwesen zu verbessern, und es ist zu diesem Zwecke an einem Tage die Summe von 1200 fl. C. M. zusammengeschossen worden. Diese Gemeinde hat dem menschenfreundlichen Wirken des edlen Oberamtmannes Hrn. Möseritzer Vieles zu danken. Es fehlt den Gemeinden nicht an Eifer und guten Willen; möchte doch recht bald ihre politische Lage verbessert werden! Von der Donau, I. Mai. (Privatmittl).) Am 19. April wurde, wie in allen christlichen Kirchen, auch in den Synagogen Ungarns der Geburtstag des Kaisers und Königs gefeiert. Der Pesther Ober - Rabbine, Hr. Löw Schwab, hat die bei dieser Gelegenheit gehaltene Rede herausgegeben, und den Ertrag davon dem, unter dem Namen Josephinum zu errichtenden Waisenhause in Pesth gewidmet. Der geist- und gemüthvolle Redner hat bei Gelegenheit der zwiefachen Feier, des Peßach's und des Gebnrtsfestes den Zustand der Israeliten in Egypten in Vergleichung mit dem heutigen Zustande betrachtet, und sich dann über die Federungen der Vaterlandsliebe ausgesprochen. Die Weise, wie sich der würdige Rabbi über die magyarische Sprache ausgesprochen, verdient alle Anerkennung. „Besonders aber," sagt er, „ist es die vaterländische Sprache, der dieser oberste Rang , mit unbezweifeltem Rechte gebührt, deren Kenntniß unter uns zu fördern und zu verbreiten, wir aus allen Kräften suchen müssen. Es ist nicht bloß der materielle Nutzen, die äußere Nothwendigkeit, die uns hiezu auffodern; es ist in einem noch hohem Grade die Pflicht, die innere Nothwendigkeit, die Dankbarkeit gegen unsere Wohlthäter, es ist die Liebe zum Vaterlande, die dies mit allem Nachdrucke von uns verlangt, und als unerläßliche Bedingung unsrer Würdigkeit, an des Vaterlandes Segnungen Theil zu nehmen, feststellt. Nicht die todte Natur, nicht der Grund und Boden allein, bildet das Vaterland, sondern die Menschen, die darauf leben und wirken. Der treueste Abdruck dieses Lebens und Wirkens aber ist die Sprache. In ihr legt ein Volk alle Schätze seiner Erfahrung, seiner Weisheit, die Summe seiner Gefühle, seiner Gesinnung und Gesittung, seines Ernstes wie seines Scberzes nieder, und es versteht sich von daher von selbst, daß unsere Kenntniß des Vaterlandes höchst dürftig und mangelhaft ist, wenn wir nicht mehr davon wissen, als was die Karte oder Tabelle uns zeigt, nicht aber seine Sprache, worin der Geist sich uns enthüllt, reden und verstehen; wenn das mächtige Bindemittel, das sämmtliche Staatsangehörige zu Gliedern Einer Familie vereinigt, nicht auch unsre Herzen umschlingt und zu unseren Brüdern hinzieht." Ich entnehme dieser Rede, welcher nur etwas mehr Lebenssrische zu wünschen wäre, noch folgende, sehr beherzigenswerthe Stelle: „Vorurtheile von der Beschaffenheit, wie sie noch immer hie und da gegen uns herrschend sind, können nicht wegdifputirt, nicht durch eine Fluth von Schriften weggeschwemmt, sondern nur durch das Leben, durch Thatsachen widerlegt werden. Weiset z. B. noch so oft hin auf die Lehren der Liebe und Gerechtigkeit, die in Moses und den Propheten und in den Schriften unserer Weisen enthalten sind; wiederholet es noch so oft, daß eine Lehre, die da befiehlt, du sollst den Egyptern nicht feind sein, denn du bist ein Fremdlingen ihrem Lande gewesen, d. h. gedenke ihnen nicht die Gewaltthat, den Druck, denHohn und die Verknechtung, die sie gegen dich geübt, sondern nur das Gute, das du unter ihnen genossen; eine Lehre, die da anordnet: „Und wenn ein Fremder — ein Nichtisraelite — sich in eurem Lande aufyält, so dürft ihr ihn nicht drücken; der Fremde, der bei euch wohnt, soll euch so gut als der Einheimische sein, du sollst ihn lieben wie dich selbst," wiederholet noch so oft, daß eine solche Lehre unmöglich ihren Bekenner» Haß und Feindschaft gegen Andersglaubende einflößen kann; das Vorurtheil bringet ihr dadurch nie zum Schweigen, wenn ihr nicht zugleich auf eure Werke, auf euren Wandel in Liebe und Gerechtigkeit, in

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