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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-05-23 · Heft 21 (23.5.1840) · p. Seite 296

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 21 (23.5.1840)
Date
1840-05-23
Page
Seite 296 (sequence 4)
Language
German
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296 so eher mischt sich uns düs Gefühl der Bewunderung für die ein, welche mit wahrem Heldenmuthe allen Qualen trotzten, und der Wahrheit und dem Glauben treu blieben — was uns aber für Gesinnung gegen die Urheber solcher Frevelthaten an der Menschheit beseelen muß, wir wollen sie nicht zur Aussprache bringen! Dank übrigens, tausendfachen Dank den beiden österreichischen Konsuln, den Herren von Laurin und Murlato, welche unerschrocken für die Unschuld und Gerechtigkeit wirkten, und die Ruchlosigkeit offen gebrandmarkt haben! Preußen. Aus Hinterpommern, 2b. April. (Privatmitth.) Das heutige Amtsblatt der Hochlöbl. Königl. Regierung zu Cöslin enthalt eine Uebersicht über die Leistungen der erwählten Schiedsmänner; und heben wir daraus nur hervor, daß es gerade ein Jude ist, welcher das bei weitem größte Resultat, in dieser, nur durch Vertrauen seiner Mitbürger erlangten Stellung, erzielt hat. Herr Kaufmann I. I..... zu B.hat sämmtliche bei ihm eingereichte, sich auf 269 belaufende Processe, bis auf 3, welche von den Partheien zurückgenommen worden, geschlichtet, und so wiederum einen Beweis geliefert, zu der schon in No. 16. dieses Blattes mit Thatsachen belegten Behauptung, daß die Volksstimmung in Preußen keinesweges gegen die Juden ist, und die völlige Emancipation der letzteren gar nicht ungerne sehen würde. ^Oesterreich. Olmütz, 31. April. (Privatmitth.) Ich liefere Ihnen heute die versprochene Fortsetzung meines Reiseberichtes, bitte Sie aber inständigst, meine Nachrichten und Beschreibungen für die eines Reisenden zu nehmen, der, bei aller Mühe, Verhältnisse und Zustände unbefangen zu beobachten und redlich zu deurtheilen, in Einzelnheiten die Wahrheit verfehlen kann. In mancher Beziehung ist, wie öfters bemerkt worden, gerade der Fremde mehr geeignetsociale Zustände zu deurtheilen, da ihn Erziehung und Gewohnheit nicht manches Eigenthümliche übersehen lassen, was bei dem einheimischen Beobachter beinahe unvermeidlich ist. So hat Ihnen noch kein Correspondent aus Mahren die traurige, beklagenswerthe Lage der dortigen Judengemeinden nach der Wahrheit geschildert. Das unnatürliche Matrikelwesendas die Vermehrung der Juden verhindern soll, wie sich die Gesetzgebung ganz deutlich ausspricht, ist hier auf eine noch drückendere Weise durchgcführt als in Baiern; dabei ist aber die Auswanderung so erschwert» daß es den Bedrängten beinahe unmöglich ist, für die Dauer die Judengasse zu verlassen, in welche sie in allen Orten Mähren's gebannt sind. In einer Gemeinde des hiesigen Kreises hat es einige Jahre gedauert, bis den jüdischen Familien auf wenige Jahre die dürftige Concesston wurde, einige im Rayon der Judengaffe gelegene Christenhäuser zu chewohnen. Die, dieser Concesston vorhergegangenen, commissionellcn Untersuchungen und Erhebungen waren aber für viele Mitglieder jener Gemeinden mit Kränkungen und Neckereien verbunden, die wahrlich jedes menschliche Herz empören. Die resignirende Hingebung, welche sich durch den langen und gewohnten Druck der Gemüther bemächtigt, erregt das tiefste Mitleid und die innigste Theilnahme. Bei so verwandten, traurigen Verhältnissen ist der geistige Fortschritt in den Gemeinden ein Wunder zu nennen. Daß aber dieser Fortschritt wirklich Statt finde, habe ich mich bei meiner diesmaligen Reise aufs deutlichste überzeugt. In Nikolsburg, der zahlreichsten Judengemeinde der Provinz, ist eine wohl eingerichtete Lehr-und Industrieschule, die schon jetzt die schönsten Früchte trägt. In Proßnitz steht der Bibel- und Religionsunterricht höher, und wird besonders der Talmud auf eine höchst methodische, denkübende Weise gelehrt. °) Man muß es dem Talmudlehrer Hrn. Hirsch besonders nachrühmen, daß er die Schnörkeleien und die singende Manier ganz abgeschafft hat; es ist bekannt, welch' einen schädlichen Einfluß diese Dinge auf die Aussprache der Juden ausgeübt. Auch die Cultusangelegenheiten sind in dieser Gemeinde, die mit Recht den Ruf der intelligentesten in der Provinz behauptet, einen Schritt vorwärts gekommen; aber auch nur Einen Schritt. Es wird nemlich in der hebr. Schule mit Choralge- *) Zu. den Schulinspektoren gehört ^>uch Hr. G kdeon Brecher, der als Arzt, Schri'fkstcller und Mensch gleich achtenswerth ist. Die literarische Welt hat nächst seiner Bearbeitung des Kusari noch viel Treffliches von ihm zu'erwarten.

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