Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1840)
- Date
- 1840-05-23
- Page
- Seite 294 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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294 Bereich der Höllenmahrchen gehöre: so sieht man sie doch oft genug noch die Achseln zucken, indem sie meinen, man wisse nicht, was man sich von „orientalischen Juden zu denken habe!" Diesen gegenüber heben wir aus der Augsb. Allg. Zeit, obigen Datums folgenden Artikel heraus: „"So begreiflich wir es finden müssen, daß das plötzliche Verschwinden des Priors der Franciscaner, oder, wie andere Berichte sagen, der Capuciner in Damaskus, wegen seines tragischen Interesses ein Gegenstand werden konnte, der in vielen öffentlichen Blättern besprochen wurde, so unbegreiflich scheint es uns, daß der Nachhall eines barbarischen unsinnigen Mährchens des Mittelalters, über die Art, wie jener Verschwundene durch die Juden ermordet worden sei, von den Türken zu uns Christen des 19. Jahrhunderts übergehen und unter uns ohne Weiteres nachgesprocken werden konnte. Der Einsender dieser Zeilen hat als christlicher Reisender die Juden des Orients genau kennen gelernt, und er kann mit vollester Ueberzeugung sagen, daß jenes wunderlich grauenhafte Mährchen mit den Gesinnungen, uralten Sitten und unverbrüchlich streng gehaltenen religiösen Gebräuchen derselben, so wie aller Juden überhaupt in einem so gänzlichen Widerspruch stehe, daß, wenn die türkische Tortur auch noch an zehn andern Orten dergleichen Aussagen aus den Gemarterten erpressen, oder noch zehnerlei leichtgläubige Correspondenten solche Dinge vom Hörensagen berichten sollten, sie alle dennoch unter die Unwahrheiten zu verweisen wären. Ueberhaupt kann es der Einsender nicht läugnen, daß er noch immer daran zweifelt, daß jene Mordthat (wenn sie anders sich bestätigen sollte) durch die Juden geschehen sei. G. H. v. S. Leipzig, 2. Mai. Die Leipz. Allg. Zeit, sah sich bemüßigt, die Stelle aus Eisenmenger abzudrukken, worin selbst dieser gesteht, daß die Sache nicht erwiesen werden könne. Ueber den Thatbestand selbst lassen wir eine zweite Korrespondenz aus Paris an uns folgen: Paris, 1. Mai. (Privatmitth.) Zu den Ihnen vorige Woche mitgctheiltcn Notizen habe ich über das traurige Ereigniß in Damaskus noch einiges höchst Betrübende und manches für die Zukunft Tröstende mitzutheilen. Es ist aus den hier durch den österreichischen General - Consul, Herrn von Laurin aus Alexandrien, durch den österr. Consul Herrn Merlato in Damaskus, so wie durch den Wekil der Juden in Alexandrien, Herrn Israel Madsis, übersandten Berichten jetzt vollständig klar, daß der französische Consul, Graf von Rattimenton, geleitet durch die Missionäre des Hospizes vom heiligen Lande, die Ursache von Gräueltbaten ist, die Alles übertreffen, was unsere Vörältern im Mittelalter in Europa zu erdulden hatten. Hier folgen Auszüge aus allen Depeschen, zuerst vom österr. Gen. Consul an Herrn v. Rothschild, an den überhaupt die ganze Correspondenz sich richtet, der mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln und Kräften darnach strebt, das Loos unserer Brüder im Oriente zu verbessern. In dem Berichte vom 31. März aus Alexandrien sind folgende Stellen: „Indem ich hier selbst bei dem Pascha das Nöthige eingeleitet habe, um dem brutalen Prozesse eine menschlichere Form zu verschaffen (Mehemet Ali sagte mir gestern, daß 2 der Jnquisiten unter den Schmerzen der Tortur bereits gestorben waren) ersuche ich hochdieselben dienstfreundlich, einen kräftigen Befehl bei dem franz. Ministerium zu erwirken, womit der franz. Consul in Damascus, Comte de Rattimenton, der durch sein wenig gemessenes Benehmen die türkischen Behörden zu Gewaltmitteln vermochte, und die christliche Bevölkerung gegen die Jnquisiten aufgereizt, auch so viele ordnungswidrige Handlungen gegen das Kais. Consulat in Damascus sich erlaubt haben soll, und worüber in dem eben erwähnten Berichte mit vollem Rechte unser Consul sich beklagt, ernstlich zu Recht gewiesen zu werden. — Dieses ist um so dringender, als zu besorgen steht, daß die bisher erzeugte Mißstimmung der nicht-jüdischen Bevölkerung in eine förmliche Judenverfolgung, die sich leicht über die heiligen Orte in Palästina ausdehnen könnte, ausarte." Vom 5. April aus Alexandrien: „Mehrere im Prozesse angeführte Umstände bestärken mich mehr und mehr in der -bereits ausgesprochenen Meinung', daß die Anschuldigung keinen legalen Grund hat, daß die Geständnisse durch den Schmerz der Folter, der Einschüchterung und durch List erzielt worden sind. Im Interesse der Humanität, als insbesondere in dem unserer dortigen Unterthanen, welche die Gefahr laufen, unschuldiger Weise den Tod zu erleiden, unterlege ich Ew. Wohlgeb. eine Abschrift davon, mit dem Beisatze, daß ich meinerseits hier alles aufbiete, um von Me-