Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1840)
- Date
- 1840-05-16
- Page
- Seite 290 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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WT väterlichen Thron zu erlangen strebte, der treueste Freund , die Harmonie in ihren politischen Ansichten, die Liebe zur griechischen Wissenschaft verband sie unauflöslich, wenn auch das rasche, feurige Wesen und der glühende Weltbürgersinn des Malichus wenig den beschrankten Meinungen der alten Palästinenser entsprachen. Aber indem er treulich beim Freunde hielt, wurde die Kluft immer größer, die ihn von Mariümnen trennte. Diese, in der Nahe des beleidigten Oberpriesters, in der Nahe der idumaischen Günstlinge, von Herodes als der köstlichste Preis seines Ringens nach Herrschaft angesehen — wie immer ferner, ferner wurde sie dem liebenden Jüngling und wie immer tiefer sank die Hoffnung, sie je zu besitzen. Und jetzt stand er sogar als Feind dem Platze gegenüber, in welchem sie sich befand. Dasselbe Schicksal, welches er den Belagerten zudachte, es mußte auch sie treffen. Wenn die Dürre durch Mangel an Wasser eine baldige Uebergabe erwarten ließ, so nagte der Gedanke fürchterlich an seinem Herzen, daß auch sie vielleicht vor Durst verschmachte, wenn die Ballisten einen Steinregcn aus das Fort schleuderten, konnte nicht sie davon getroffen werden, wenn sie vielleicht auf dem Altane des Schlosses nach Rettung schauetc. Und sie den Gefahren auszusetzen, die der Sturm, von erbitterten Kriegern auf die Feste vollsührt, drohte, wie selten vermag hier des Feldherrn Wort das Grausamste zu verhüten! nein, es mußte noch anders gehen. Lange konnte die von Breschen durchlöcherte Mauer nicht mehr stehen, werden die Herodianer wol den vollen Sturz abwarten und sich nicht ergeben, wird nicht endlich der Muth sinken, wenn die Hülfe immer länger ausbleibt und wenn erst das Gerücht des Todes des Tetrarchen sich verbreitete, oder, was dasselbe wäre, wenn er vergebens von Land zu Land um eine Krone gebettelt, würde der kleine Haufe der in Mesada Eingeschlossenen nicht auch die Macht des Antigonus anerkennen und sich bereitwillig dem angestammten Fürsten unterwerfen. O, dann wäre ja auch Mariamne befreit, und würde nach Jerusalem geführt und die Gefühle könnten wieder lebhafter werden, die in ihrer Jugend sich schon ahnungsvoll regten. Diese Träume hielten den sonst so raschen Arm des jungen Feldherrn zurück, er träumte von einem nahen Glücke, während Herodes an seinem spätem arbeitete. Denn, horch! wie in stiller Nacht Kriegeslärm von Joppe herübertönt, Eilboten auf schnellen Rossen sprengen nach Jerusalem, die seltsame Kunde bringend, daß er wieder gelandet, den man verbannt, den man vernichtet glaubte, gelandet als König. Rom, Rom selbst hat ihm die Krone Judäa's aufgesetzt, Rom schickte ihm seine Cohortcn voraus, die ihm den Weg nach Jerusalem bahnen, die den Parther in seine Berge zurückdrängen sollen. Und das erste Zeichen seiner Anwesenheit ist das brennende Joppe, das ihm den Weg nach Mesada versperrt, wo er die neue Königskrone Mariamnen zu Füßen legen will. Bald wußten sich auch die bedrängten Belagerer die Nachricht zu verschaffen und neuer Muth, neue Hoffnungen beseelten sie wieder. Ist doch nun der Preis aller Mühseligkeiten erlangt und die bewährte Treue seiner Kricgsgefärten wird der König wol zu belohnen wissen. Aber auch im Lager der hasmonäischen Schaaren regt es sich, allgemein wird der Sturm gefordert, ehe Herodes zum Entsatz eilet, man wirft dem Feldhcrrn. die Milde seiner Gesinnungen vor, man schreiet über Verrath; besonders sind eS die Altgläubigen und unter ihnen Pappus, die dem Könige Amigonus die Früchte seines Vertrauens gegen einen Jüngling von griechischer Sitte Vorhalten, und die es für eine Schande Judäa's erklären, daß ein Haufe Abtrünniger schon Monate lang den hasmonäischen Kriegern widersteht. Da bezieht sich Antigonus selbst in's Lager, fragend sieht er seinen Freund an, ein Blick reicht hin, ihn zu versöhnen, ihn zu überzeuzen, daß der Grund seines Verhaltens tief in der Seele des Malichus litge. Es war hohe Zeit, den allgemeinen Sturm anzuordnen. Schon beunruhigten einzelne Reiter des Herodes die Belagerer, die Truppen desselben wurden immer stärker an Anzahl, denn wenn auch der größte Theil der Eingebornen treu an Antigonus hing, so hatte Judäa doch schon damals das Unglück, von einer Masse Ausländer aus allen Gegenden Asien's überschwemmt zu sein, die begierig die Gelegenheit ergriffen, sich unter die Fahne des Herodes zu stellen und von dem Glücke des Emporkömmlings beschirmt zu werden. Außerdem schlossen sich die Schaaren des Römers Silo an Herodes an, der, obgleich als persönlicher Feind des Herodes nur ungern für ihn kämpfend, doch den höhern Befehlen der römischen Machti Haber gehorchen, mußte.