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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-05-16 · Heft 20 (16.5.1840) · p. Seite 291

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 20 (16.5.1840)
Date
1840-05-16
Page
Seite 291 (sequence 15)
Language
German
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291 Am Tage nach einem Neumonde rückten die Schaaren des Antigonus gegen Mesada an, er selbst war Herodes nach Joppe zu entgegen gegangen und schwächte unnöthigerweise sein Heer durch Hinterhalte, die dem Feinde sehr wenig schadeten. Die Anführung der Stürmenden war Malichus überlassen, der dem Wolke ernsten Willen zeigenmußte, wenn er nicht der Wut!) desselben Preis gegeben werden sollte. Aber zu mehreren Malen versuchten sie vergebens, den Wall zu erklimmen, ungeheure Steine, von den Belagerten niedergeworfen, zermalmten die tapfern Krieger, siedendes Oel herabgegossen, verbrannte ihre Glieder und setzte sie in ohnmächtige Wuth, ein Regen von Pfeilen streckte ganze Reihen darnieder. Da endlich bemerkte Malichus eine große Bresche in der östlichen Mauer. Mit auserlesener Mannschaft dringt er über Leichen der Gefallenen nach dem Walle und dem schadhaften Thcile der Mauer und dringt in die Feste, lautes Jubelgeschrei folgte ihm nach, es entsteht ein Kampf zwischen Mann und Mann; schon ist ein großer Theil des Kastelles besetzt und erobert, in blinder Wuth rennt Haufe gegen Haufe und cs wälzt sich der Strom nach dem Innern der Burg. Mariamne zu schützen ist jetzt einziger Gedanke des Jünglings. Er dringt in die Frauengemächer, sprengt die Thüren und ruft den bebenden Frauen Muth zu. Da wirst sich Josephus mit dem Kern der Truppen ihm entgegen und die Hellebardiere eines Galiläers streckt den Malichus leblos zu den Füßen der Fürstin nieder. Mariamne erkennt ihn, sie fleht um Schonung und halt ihre Arme schützend über den gefallenen Malichus. Und während dieser Zeit geht die "Frucht des kühnen Eindringens völlig verloren. Antigonus wird von Herodes geschlagen. Dieser dringt gegen die Burg, ein-wildes Gemetzel treibt die Schaaren auseinander und die Streiter des Herodes dringen durch dieselbe Bresche ein, die den Malichus den Weg des Verderbens geführt. In Verzweiflung werfen die Hasmonacr die Pechkränze umher, ein erstickender Dampf hüllt sie alle ein, aber Herodes eilt nach dem Innern, und während um ihn Thürme, Thore und Brustwehren stürzen, Mauern in sich einsinken, gelangt er zu den Seinigen, und führt sie in schreck, lichem Triumph aus dem brennenden Kastell. Unaufhaltsam wälzt sich der Strom der flüchtigen Has- Monäer gen Jerusalem. ( F o r t f c £ u n o fe I «t.) Corres poudenzen. Üeber Provinzialzustände irr Deutschland. II. Aus den Rheinprovinzen. Düsseldorf, Marz. In No. 7 der Allgem. Zeit, des Judenthums Vers mksssn Sie Nachrichten über deutsche, gottesdienstliche Vorträge in Rheinpreußen. Was mir davon bekannt ist, beeile ich mich, Ihnen mitzutheilen. In Elberfeld wohnen nur wenige Juden. Die Mehrzahl sind feine, gebildete Leute, die aber wenig die Synagoge besuchen. An deutsche Vortrage, an einen gelauterten Gottesdienst ist schon der geringen Zahl wegen nicht zu denken, die daran Interesse nehmen. Die Juden Elberfelds tragen nichts zur Besoldung eines Radbinen bei. Die jüdischen Einwohner der Städte Mülheim an der Ruhr, Essen, Duisburg, Ruhrort, Rees, Wesel, Emmerich tragen zur Besoldung des düsseldorfer Rabbinen bei, und folgen daher dem Beispiele dieser Gemeinde. Der junge Rabbine hielt früher in hiesigem Orce häufige Predigten, die er für sein Publikum angemessen hielt, dir aber nichts desto weniger wegen der verfehlten Form und des zuweilen jüdischdeutschen Ausdruckes vielen seiner Zuhörer mißbehagten. Jetzt auch das seltner. Es ist also noch sehr die Frage, ob wir hier deutsche gottesdienstliche Vortrage haben. Die übrigen Gegenstände des Eultus sind verwahrlost, und statt des geringsten Fortschrittes, statt der geringsten Verbesserung nur trauriger Stillstand, Rückschritt und stumpfe Lethargie. — Das linke Rheinufer har die Städte Erefeld, Geldern, Goch, Cleve, Jülich und Aachen mit jüdischen Gemeinden, und bietet fast durchgehends ein ganz entgegengesetztes Schauspiel dar. Der Consistorial- Radbine Hr. I)r. Ullmann ward durch den Widerstand, den seine beabsichtigten Reformen fanden, nur zu schnell davon abzustehen gezwungen. Bei Antritt seines Amtes hielt er eine schöne, klare und inhaltsreiche Rede, die zu den besten Erwartungen berechtigte. Auch predigte er auf seinen Rundreisen in seinem ConsistorialSprengel an verschiedenen Orten. Seine anfänglichen Gegner haben sich zwar mit ihm versöhnt, und es wäre dies wirklich erfreulich, da Hr. Dr. Ullman ein würbigcc Mann und auch der Gelehrtenwelt rühmlichst bekannt ist, wenn nicht Leben und Reform dabei geopfert worden wäre. Deutsche gottesdienstliche Bortrage werden also auch hier immerhin nur als Seltenheiten angestaunt, und keineswegs als wesentlich beim Gottesdienste betrachtet. Die einzige Gemeinde Aachen har einen durchaus verbesserten Gottesdienst und regelmäßigen Choral» gesang. — (Fortsetzung folgt.)

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