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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-05-16 · Heft 20 (16.5.1840) · p. Seite 288

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 20 (16.5.1840)
Date
1840-05-16
Page
Seite 288 (sequence 12)
Language
German
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288 Es ist hier der Ort zu bemerken, daß die hiesigen Juden, so oft sich eine Feuersgefahr ereignete, von Seite des löbl. Magistrates, wegen ihrer musterhaften Ähätigkeit hierbei, bald in kommune bald speziell Bclobungsdckrete erhielten. Da der Jude nach den bisherigen Landesgesetzen kein Grundeigenthum in Croatien erlangen kann; und noch überdies nicht überall in der Stadt wohnen darf; so sind diese Belobungsderrete ein evidenter Beweis, wie sehr der Jude strebt, dem Lande, der Stadt, wo er wohnt, nützlich zu sein, und wie sehr ihn das Schicksal derselben inreressirt. Das oben erwähnte unglückliche Jahr 1809 ries auch den oben besprochenen Hrn. Moses Jacobsohn, den ersten in Croatien befugt ansässigen Juden, in die bessere Welt ab.— Sein Name wird stets in gutem und ehrenvollem Andenken bei seinen zahlreichen Nachkommen, bei der hiesigen Jsraeliten- Gemeinde und bei den Israeliten Croatiens überhaupt fortleben. Er stiftete viel Gutes für seinen Glauben und für die leidende Menschheit, wozu ihm als Gemeindevorsteher und kaiserlichen Lieferanten, die damaligen drückenden Kriegszciten hinlängliche Gelegenheit boten. Sein ältester Sohn, Hr. Hirsch Mosessohn, war im Vorsteheramte, wie an Tugenden sein würdiger Nachfolger. Dieser rechtschaffene und thätige Mann war es, der der hiesigen Gemeinde das oben erwähnte Jncorporirungsdecret nebst mehren Vorrechten auswirkte, und sein thätigcs Streben eifrig auf das Wohl und auf die Angelegenheit der Gemeinde richtete. Leider aber wollte cs die göttliche Vorsehung, daß er nach achtjähriger, amtlicher Thätigkeit (1S17) zu sein aufhöre. — Die Gemeinde verlor an ihm einen eifrigen Vertreter ihrer Kommunialangelegenheiten, die Armen einen Wohlrhater und Unterstützer. Außer dem Ansiedlungsdekrete verdankte ihm die Gemeinde noch jetzt den Besitz einer schön geschriebenen Tora, die er ihr geschenkt, ein Vermächtniß von 500 fl., und dann ihm und seinen vier noch lebenden und hier wohnenden Brüdern zwei wnip ^2 vom feinsten Silber, an 20 Pfund schwer. Kurz war die Zeit seines Wirkens, seine Thaten aber werden lange leben. Einen sprechenden Beleg für all das Schöne, Edle und Vorurtheilslose an diesem, damals hier seltnen Manne, und das daher mit vollem Rechte gerühmt zu werden verdient, liefert seine letztwillige Anordnung, in der er einem ßhristen, Herrn L. Ebner, königl. Localauch der israelitischen Schule Director rc. rc. zum Vollstrecker seines Testamentes, und zum Vormund seines einzigen Kindes, Herrn S. Mosinger, bestellte, und ferner für alle christlichen Kirchen, Kapellen und Wohlthätigkeitsanstalten in Warasdin fromme Vermächtnisse stiftete, und so den hiesigen christlichen Bewohnern ein Beispiel gab, wie sehr der Jude seinem Glauben treu anhängen, und dennoch gegen fremde Religionsbekenner tolerant denken, und volles Zutrauen haben kann. — ES folgten seiner Leiche Hunderte von Christen aus den vornehmsten Standen, unter den man auch alle Comitats- Magistrats¬ und Geistlichkeitsherren erblickte. Das erste Beispiel der Annäherung von Seiten unserer christlichen Mitbrüder zu uns in Croatien. — Herr S. Mosinger, jetziger Gemeindevorsteher, ist der einzige Sohn dieses würdigen Ehrenmannes, und wie er sein Vorstcheramt verwaltet, haben wir bereits im zweiten Jahrgange dieser Zeit. Seite 40 besprochen. Herrn Hirsch Mosessohn folgte im Vorsteheramte Herr Jacob Cohn, 1818. Im zweiten Jahre-seines Vorsteherats, 1820, stieg abermals in einigen Unruhköpfen und verfolgungssüchtigen Herzen der Gedanke aus, die Juden, zuerst die aus Warasdin, und dann auch die übrigen aus Croatien gänzlich über „die Brücke (über die Drau) wiesle sich ausdrücktcn, zu jagen." Diesmal aber waren es nicht die Kaufleute, wie, anno 1811, sondern die Zünfte, die schriftlich sich zu diesem Vorhaben verbanden. Der Thätigkeit des Herrn I. Cohn gelang es indessen, daß die Ruhstörer, ehe sie sich's versahen, schon eine derbe Nase von allerhöchstem Orte bekamen, und so hatte es die Gemeinde ihm zu verdanken, daß Friede und Ruhe wieder in ihre Mitte einkehrten. Auch ließ er ein recht schönes und bequemes Badhaus nip2, welches bis nun noch gänzlich der Gemeinde mangelte, errichten. Nach zwölfjähriger amtlicher Thätigkeit legte er Altershalber das Vorsteheramt, (am 21. November 1830) in Ehren ab. Er ist ebenfalls Stammvater, gleich Herrn Moses Jacobsohn, einer hiesigen zahlreichen und honorabeln Familie. Nun ein sehr ehrwürdiger Greis, und was uns an ihm merkwürdig scheint, ist, daß er, trotz dem, daß er der alten Schule angehört, dennoch nicht im geringsten der neuen Reform abhold ist.

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