Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1840)
- Date
- 1840-05-16
- Page
- Seite 286 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225140--02713-3312209- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
286 Wahrheiten und poetischen Schönheiten unsres Talmuds bekannt zu machen, um einerseits die kraffen Voructheile gegen dieses Werk unsrer Vorfahren zu vermindern, und die hin und wieder auftauchenden Eiscnmengerschen Ideen gegen die rabbinischen Schriften zu bekämpfen, anderseits die Nothwendigkeit nachzuweisen, den Talmud als Basis bei der Exegese der Bibel festzuhalken. Diese fleißige Arbeit zeichnet sich vor den ausländischen durch den großen Reichthum der aufgelese^n Stellen (über 1000 steigend) aus, wobei'viele der in der Fürstenlhalschen Anthologie, als dem an^stcebten Zwecke nicht entsprechend, ausgelassen werden mußten, und durch die eigenthümliche Anordnung der nach den Tractaten des Talmud in gewissen Rubriken an einander gereiheken Sätzen aus. Durch Hinzufügung des hebräischen Originaltextes wird sich der Verft dem Bedürfnisse einer rabbinischen Anthologie für die hiesige Jugend abguhelftn, das Verdienst erwerben. — Geschichte der Jude» Croatieus nud Slavotticus und ihrer Commuual-Zustände. von H. Rosen mark, off, Lehrer in Warasdin In den Königreichen Croatien und Slavonien durften den frühern Landesgcsetzen zu folge, bis 1783 keine Juden wohnen, und außer der Jahrmarktszcit, — welche gewöhnlich 8 Tage dauert — nicht länger als drei Tage da verweilen. Der sich über diese Dauer aufhielt, mußte täglich 20 kr. bezahlen, wovon 13 kr. der städtischen Kasse und 7 kr. dem Stadtrichter, ohne weitern Grund als den von Altersher, zusielen. Nach dem von Joseph dem Großen eingeführten Toleranzedikte, wanderten nach und nach einzelne Familien theils aus dem benachbarten Ungarlande, theils aber auch aus Polen, Böhmen und Mähren ein, und bestehen jetzt nach dem Schematismus des Landes in den königl. Frcistädtcn Croatieus in Warasdin Fam. 67 Seelen 385 *) - - Agram 3 44 r 290 - - Carlstadt - 6 - 27 - - Kreuz - 6 - 55 - - Kopreinitz - 6 - 39 - - Dörfern - 20 - 156 und in den Comitaten Slavoniens - Werözer r 55 - 175 - « Posseganer 7 58 - 200 - - Sirmier - 5 25 Summa Familien 267 Seelen 1352 *) Zn dem Schematismus des Landes Croatien ist Die Juden in letzterm Reiche sind in 36 Ortschaften zerstreut wohnhaft. Der erste Jude, der sich in Croatien in der königl. Freistadt Warasdin mit Bcfugniß, 1785, niederließ, war Hr. Moses Jacobsohn. Allein so manche Unbill, so manche Leiden und Verfolgungen, die er da zu erdulden hatte, machten ihn anfänglich seinen Schritt bereuen. So z. B. vermißte er eines Tages seinen Schächter, und nicht ohne Ursache wurde ihm um diesen sehr bange. Die Studenten, denen damals ein Jude mit einem dreieckigen Hute eine seltsame Erscheinung war, hatten ihn beim Barte zu dem so genannten, jetzt nicht mehr vorhandenen Stu-' denthürl, hingcschleppt und schrecklich mißhandelt. Ihr boshafter Uebermuth ging so weit, daß sie ihre Namen mit dem Blute, welches sie durch Nadelstiche aus dem Gesichte des unglücklichen Schächters fließen machten, in ihre Bücher einfchrieben. Sie blieben aber deshalb, als man sie bei den Professoren eingeklagt, nicht unbestraft; allein die erlittene Strafe, so glimpflich sie auch war, reizte die Unbesonnenen noch mehr. Sie knüpften daher eine geheime Verschwörung gegen den- Moses Jacobsohn an, und setzten den Ausbruch desselben auf den I. Osterabend fest. Als an diesem Abend Hr. M. Jacobsohn zufrieden und vertraut in dem Kreise seiner Familie am Pessachtisch saß, und mit gerührtem Gemüthe die einstigen Leiden Israels und auf seine eigne denkend, erzählte, kam eine Nachbarin und sagte: „Herr Jacobsohn retten Sie sich so schnell als möglich. Die Studenten haben was Schreckliches gegen Sie und Ihr Haus vor; der bei mir wohnende Student hatte es mir anvertraut.. Kaum war diese gute Frau aus dem Hause, so flogen schon Steine zum Fenster hinein, und Hr. I. schätzte sich glücklich, daß er noch so viel Zeit gewann, Thür und Thor zu verriegeln, und sich mit seiner Familie auf den Dachboden flüchten zu können. — Nach einer Viertelstunde war die ganze Studentenrotte zusammen, und bald darauf die Angabe' der Seelenanzahl der Juden in Warasdin 471. Nach unsrer eignen Zählung aber ist die oben angegebene die richtige. Da es uns b'.s mm noch nicht gelungen, uns von der Genauigkeit der andern Angaben zu überzeugen; so können wir für deren Richtigkeit nicht bürgen, werden aber nicht anstchen, sobald wir solche genau ausgemiktclt, und die Indifferenzen bedeutend fein sollten, sie zu berichtigen. d. Verft